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Johnny Depp + Amber Heard Die Schlussplädoyers im Verleumdungsprozess

Johnny Depp und Amber Heard im Februar 2014
Johnny Depp und Amber Heard im Februar 2014
© Kevin Winter / Getty Images
Ist es nun endlich vorbei? Amber Heard und Johnny Depp kämpfen seit Wochen gegeneinander vor Gericht. Heute werden die Schlussplädoyers gehalten, die den Geschworenen helfen sollen, eine Entscheidung in dem Fall zu treffen. Dabei schenken sich die gegnerischen Parteien nichts – im Gegenteil!

Es ist das Ende eines wochenlangen Gerichtsprozesses im Fairfax County Circuit Courthouse in Fairfax, Virginia, der so gut wie jeden Tag für skandalträchtige Schlagzeilen sorgte: Johnny Depp, 58, gegen Amber Heard, 36. Die ganze Welt konnte live verfolgen, wie sich die beiden Schauspieler nach ihrer gescheiterten Ehe gegenseitig Schlimmstes vorwarfen.

Amber Heard und Johnny Depp vor Gericht

Johnny und Amber haben fast nichts ausgelassen, sich gegenseitig nicht geschont – sie wirft ihm vor, sie mit einer Flasche sexuell missbraucht zu haben, er beschuldigt sie, mit einer Vodkaflasche geworfen und dadurch seine rechte Mittelfingerkuppe abgetrennt zu haben. Das sind nur zwei der heftigen Aussagen vor Gericht, die in den vergangenen Wochen die Medien beherrschten. Die Öffentlichkeit scheint nach den Auftritten der beiden Ex-Partner vor Gericht auf Johnnys Seite zu sein. Immer wieder wird spekuliert, Amber spiele ihre Gewaltschilderungen unter Tränen nur. Doch letztendlich zählt, was das Gericht denkt.

Wer wird am Ende recht haben? Wem wird mehr geglaubt? Nun liegt es an den sieben Geschworenen, das zu beurteilen. Die Schlussplädoyers beider Parteien werden am heutigen Freitag, 27. Mai 2022, gehalten.

Amber Heard

Anwältin Camille Vasquez hält das Schlussplädoyer für Johnny Depp

Den Anfang macht Depps Anwältin Camille Vasquez, mit der dem Schauspieler vor kurzem eine Affäre unterstellt wurde. In ihrem Plädoyer nimmt sie Amber förmlich auseinander. Immer wieder erwähnt sie, dass Johnny Depp nicht der Täter ist, den Amber in der Öffentlichkeit zeichnet, dass die Gewalttaten gegen sie niemals stattgefunden haben, sie gelogen und geschauspielert hat. Vasquez beschreibt Amber als aggressiv, gewalttätig und manipulativ und scheut auch nicht davor, noch einmal auf ihre diagnostizierte Borderline-Störung zu sprechen zu kommen.

"In diesem Gerichtssaal befindet sich ein Missbrauchstäter, aber es ist nicht Johnny Depp", greift Camille Vasquez Amber Heard direkt an. Sie nennt die Schauspielerin in ihrem Schlussplädoyer eine "zutiefst gestörte Person, die verzweifelt nach Aufmerksamkeit sucht" und fordert die Geschworenen auf, "sie für ihre Lügen zur Rechenschaft zu ziehen".

Die Anwältin geht auf sämtliche Ereignisse ein, in denen es zu Gewalt gekommen sein soll, und belegt ihre Behauptungen, dass diese nie stattgefunden haben, mit Fotos und Tonaufnahmen. Die Gewalttaten an sich habe Amber aber merkwürdigerweise nie dokumentiert, sagt Vasquez.

Amber selbst wirkt zu Anfang des Plädoyers noch sehr beherrscht und hört Camille Vasquez konzentriert zu. Später wendet sie sich jedoch ihrem Block zu, auf dem sie unentwegt zu schreiben oder zu malen scheint. Nur sehr selten ist ihr eine Gefühlsregung im Gesicht anzusehen.

Im Anschluss ist Depps Anwalt Benjamin Chew dran. "Man hat jetzt die echte Amber Heard kennengelernt. – gruselig", beginnt Chew. Der Anwalt konzentriert sich auf den Punkt, dass es nun darum ginge, Johnny Depps durch Lügen zerstörten Ruf wiederherzustellen."Die Lügen sind im Laufe der Zeit gewachsen und haben Metastasen gebildet. Und sie müssen gestoppt werden." Amber Heard habe die MeToo-Bewegung für sich genutzt, aber: "Heard ist kein echtes Missbrauchsopfer.“

Benjamin Rottenborn spricht für Amber Heard

Nach einer Pause ist Amber Heards Anwalt Benjamin Rottenborn dran. Er lenkt die volle Aufmerksamkeit auf Beweismaterial, das Johnny Depp des Missbrauchs überführen soll – in jeglicher Form, ob körperlich oder psychisch. Natürlich zeigt er auch das Video, in dem Johnny in der Küche randaliert, welches von Amber heimlich aufgenommen wurde. Rottenborn macht darauf aufmerksam, dass es sich hier eindeutig um ein Täterverhalten handelt. Benjamin Rottenborn zeigt auch vulgäre Nachrichten, die Johnny Depp geschrieben haben soll und in denen er sich selbst als Monster bezeichnet. Doch diese monsterhafte Seite sei Depps wahres Gesicht, so argumentiert Rottenborn. "Diese Worte sind ein Fenster in das Herz und den Verstand von Amerikas beliebtestem Piraten."

Mit ihrer Verteidigung würden Depp und seine Anwälte nicht nur Amber, sondern auch anderen Opfern schaden. "Denken Sie an die Botschaft, die Mr. Depp und seine Anwälte an Amber und damit an alle Opfer häuslicher Gewalt senden. Wenn man keine Bilder gemacht hat, ist es nicht passiert. Wenn man Fotos gemacht hat, sind sie gefälscht. Wenn man es seinen Freunden nicht gesagt hast, lügt man. Wenn man es seinen Freunden erzählt hat, sind sie Teil des Schwindels. Wenn man keine medizinische Behandlung in Anspruch genommen hat, wurde man nicht verletzt. Wenn man medizinische Behandlung in Anspruch genommen hat, ist man verrückt. Wenn man alles tut, was man kann, um dem Ehepartner, der Person, die man liebt, zu helfen, sich von dem erdrückenden Drogen- und Alkoholmissbrauch zu befreien, der ihn in ein wütendes Monster verwandelt, ist man ein Nörgler."

Worum geht es in dem Prozess?

Streitpunkt des Gerichtsprozesses ist ein Artikel der "Washington Post", in dem Amber Heard behauptete, Opfer von häuslicher Gewalt von Johnny Depp zu sein. Der Schauspieler wies die Vorwürfe zurück und gab an, dass es umgekehrt und er das Opfer von Amber sei. Außerdem habe Amber Johnnys Karriere durch die falschen Anschuldigungen ruiniert. Die Folge war, dass Johnny seine Ex wegen Verleumdung auf 50 Millionen Dollar Schadenersatz verklagte. Daraufhin verklagte Amber Johnny wiederum auf 100 Millionen Dollar Schadenersatz.

Johnny Depp und Amber Heard heirateten im Februar 2015. Nur ein Jahr und drei Monate später reichte Amber die Scheidung ein, die im Januar 2017 amtlich wurde.

jno Gala


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