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Amber Heard + Johnny Depp Die Nachwirkungen im Verleumdungsprozess bleiben

Amber Heard + Johnny Depp: Das Gerichtsurteil kommt – und die Nachwirkungen bleiben
Was wirklich zwischen Amber Heard und Johnny Depp vorgefallen ist, wissen nur die beiden selbst. Alle anderen haben trotzdem eine Meinung.
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Am 27. Mai 2022 wurden die Schlussplädoyers im Prozess um Johnny Depp und Amber Heard gehalten. Jetzt wird das Gerichtsurteil erwartet. Die Öffentlichkeit hat ihr Urteil längst gefällt. Eine Zusammenfassung der Geschehnisse.

Selten war ein Promi-Prozess spektakulärer und skurriler als der Verleumdungsprozess zwischen Johnny Depp, 58, und Amber Heard, 36. Jeder noch so schmutzige Vorwurf konnte mittels Liveübertragung von der Gesellschaft im Detail verfolgt werden. Die juristische Schlammschlacht, die sich die beiden Hollywood-Schauspieler seit dem 11. April 2022 in Fairfax im US-Bundesstaat Virginia vor der ganzen Welt liefern und bei dem vor allem der "Sleppy Hollow"-Star profitiert, ist zum Social-Media-Phänomen geworden. Auf YouTube, Twitter und Instagram geht der Streit viral. In der Hauptrolle Johnny Depp und die Frage: "Warum stellen sich die User:innen auf die Seite eines Mannes?" Niemand außer den beiden selbst kennt die Wahrheit über ihre Beziehung. Doch das scheint in Vergessenheit zu geraten.

Johnny Depp grüßt das Gerichtspersonal
Johnny Depp grüßt das Gerichtspersonal
© STEVE HELBER/POOL/AFP / Getty Images

Amber Heard und Johnny Depp: Der Prozess

Anlass von Depps Klage war ein Artikel in der US-amerikanischen "Washington Post" von 2018, in dem Amber Heard, ohne Depps Namen zu nennen, nur wenige Monate nach Ende der Beziehung Erfahrungen von häuslicher Gewalt niederschrieb. Der Titel des Artikels: "Ich habe mich gegen sexuelle Gewalt ausgesprochen – und den Zorn unserer Kultur auf mich gezogen. Das muss sich ändern." Darin schreibt die Autorin: "Vor zwei Jahren wurde ich eine öffentliche Figur, die für häuslichen Missbrauch steht."

Die Schauspielerin, die sich in dem Essay nicht explizit als Opfer häuslicher Gewalt darstellt, stellt eine Verbindung zu ihrem Scheidungsprozess im Jahr 2016 her. Der "Fluch der Karibik"-Darsteller wirft Heard vor, dass es in dem Artikel um ihn ging und der seinen Ruf zerstört sowie ihn seine Karriere gekostet habe. 

Als Strafschadensersatz verlangt Depp 50 Millionen Dollar von Heard. Sie fordert in ihrer Widerklage 100 Millionen von ihm. Sie bezichtigt ihn, ihren Ruf durch die Behauptung, dass sie lüge, geschädigt zu haben. Während des Prozesses warfen sich beide gegenseitig Gewalt vor. 

Die Schlussplädoyers

Der Verleumdungsprozess zwischen Hollywoodstar Johnny Depp und seiner Ex-Frau Amber Heard hat mit den Schlussplädoyers der Anwälte beider Seiten am 27. Mai 2022 nach sechs Wochen seine finale Phase erreicht. Die Anwälte schockierten mit Handyvideos, Tonaufzeichnungen und Fotos. Depps Anwälte teilten dabei noch einmal aus. Verteidigerin Camille Vasquez erneuerte vor dem Gericht in Fairfax den Vorwurf, Heard habe dem Schauspieler schwer geschadet. "Sie hat sein Leben ruiniert, indem sie der Welt fälschlicherweise gesagt hat, Opfer häuslicher Gewalt durch Herrn Depp geworden zu sein", so Vasquez. Sie verlangt, "Ms. Heard für ihre Lügen zur Rechenschaft zu ziehen." Depps Anwältin appellierte an die Geschworenen, ihm "sein Leben zurückzugeben". 

Johnny Depp spricht mit seiner Anwältin Camille Vasquez
Johnny Depp spricht mit seiner Anwältin Camille Vasquez
© JIM WATSON/POOL/AFP / Getty Images

Auch die Anwälte von Heard, Elaine Bredehoft und Ben Rottenborn, feuerten gegenüber den Geschworenen ihre abschließenden Argumente ab. "Ein Urteil gegen Amber sendet die Botschaft aus, dass man als Missbrauchsopfer immer mehr tun muss", sagte Rottenborn gemäß CNN. "Egal was du dokumentierst, du musst immer mehr dokumentieren. Egal wem du es erzählst, du musst es immer mehr Menschen erzählen. [...] Senden Sie diese Botschaft nicht." Rottenborn ergänzte, dass es "überwältigende" Fakten gebe, die zeigen, dass Depp Heard missbraucht habe. Er wies die Geschworenen außerdem auf explizite Textnachrichten zwischen Depp und seinen Freunden hin, in denen er ihnen gesagt haben soll, er wolle seiner Ex-Frau Schaden zufügen. "Dies ist ein Fenster in das Herz und den Verstand von Amerikas beliebtestem Piraten. Das ist der echte Johnny Depp."

Amber Heard und ihre Anwältin Elaine Bredehoft 
Amber Heard und ihre Anwältin Elaine Bredehoft 
© HAWN THEW/POOL/AFP / Getty Images

Der Einfluss der Öffentlichkeit

Die Geschworenen haben sich zur Beratung für das Urteil zurückgezogen. Bereits nach den Schlussplädoyers am Freitag kamen sie für zwei Stunden zusammen, hatten danach aber eine dreitägige Pause wegen eines Feiertags eingelegt. Am Dienstag, 31. Mai 2022, sollen sie US-amerikanischen Medien zufolge etwa sieben Stunden zusammengesessen haben. Auch für Mittwoch, 1 Juni 2022, sind Beratungen angesetzt. Wochenlang wurde in einem Gerichtssaal verhandelt – vor allem aber vor der Tür, von der Öffentlichkeit. Für viele Zuschauer:innen des Prozesses steht fest: Heard ist die Täterin und Depp ihr Opfer. Die meisten Kommentare im Internet fallen zugunsten von Johnny Depp aus. Der Prozess wird mit einer Reihe an Pro-Depp-Artikeln und -Kommentaren begleitet. Der Hashtag #JusticeforJohnny (Gerechtigkeit für Johnny Depp) regiert das Netz.

Amber Heard am Tag des Schlussplädoyers
Amber Heard am Tag des Schlussplädoyers
© Cliff Owen/Consolidated News Pictures / Getty Images

Der Grund sind Audioaufnahmen, die ein erschütterndes Bild zeigen. So enthüllen private Konversationen der beiden, dass Amber Heard Johnny Depp mit der Faust ins Gesicht schlug, ihn beinahe in den Selbstmord trieb und in einem Streit sogar mit einer Flasche die Fingerkuppe abtrennte. Amber Heard gibt an, das Motiv für ihre Gewalt sei es gewesen, dass sich Johnny Depp den Eskalationen entzog und um Distanz bat. Für die "Aquaman"-Darstellerin war er ein Feigling, weil er ein Problem mit ihren Angriffen hatte. Für den Zuhörer und die Zuhörerin war schnell klar: Johnny wurde von Amber missbraucht. Die Fakten, die für Depps Schuld sprechen, werden dabei ausgeblendet. Dennoch war sie es, die ihn bereits 2016 öffentlich der häuslichen Gewalt bezichtigte.

Johnny Depp vs. Amber Heard: Das Gerichtsurteil steht aus, die öffentliche Meinung hat der "Fluch der Karibik"-Star gewonnen

In diesem Prozess scheint es am Ende nicht mehr um einen juristischen Sieg zu gehen. Vielmehr zählt, wer die Schlacht um die öffentliche Meinung gewonnen hat. Der "Fluch der Karibik"-Star ist für viele Zuschauer:innen durch einseitige Berichterstattungen, Amber-Bashing-Trends auf TikTok und dem Hashtag #JusticeforJohnny schon jetzt mindestens der Sieger der Herzen. Nach den Schlussplädoyers ging er einfach zur Tagesordnung über. Der Schauspieler trat überraschend bei einem Konzert in England auf. 

Verwendete Quellen: fr.de, tagesspiegel.de, morgenpost.de, spiegel.de, bookabrain.de, rnd.de

cba Gala


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