Ai Weiwei: Er will erstmal bleiben

Der chinesische Künstler Ai Weiei bekam seinen Pass zurück - und startet nun mit seiner Familie in ein freies Leben in Berlin

Ai Weiwei

Ein ganzes Jahr haben sie sich nicht getroffen, nur über Skype hatten sie Kontakt. Endlich konnte Ai Weiwei seinen kleinen Sohn Ai Lao und seine Partnerin, die Dokumentarfilmerin Wang Fen, am Münchner Flughafen wieder in die Arme schließen. Überraschend hatte der Regimekritiker seinen Pass ausgehändigt bekommen und flog tags darauf nach Deutschland, wo seine kleine Familie lebt.

Er lässt es ruhig angehen

"Es fühlt sich an, wie wenn man im Meer geschwommen ist und wieder an Land kommt. Ich fühle mich trocken", beschreibt der 57-Jährige das Gefühl der Freiheit. Bei seinem Team türmen sich seitdem die Medienanfragen aus aller Herren Länder, die mit dem "sozialen Gewissen Chinas" sprechen wollen.

Doch er lässt es ruhig angehen. In München besuchte er mit seinem Sohn ein FC-Bayern-Spiel, spazierte mit ihm an der Isar – dann flogen sie nach Berlin.

Ai Weiwei und seine Familie werden nonstop überwacht

Vier lange Jahre saß Ai Weiwei auf gepackten Koffern, wie er GALA erzählte. Zuvor war er 84 Tage inhaftiert, wurde 50 Mal verhört. Seine größte Angst war, seinen Sohn nie mehr wiederzusehen. Als er entlassen wurde, verweigerten ihm die chinesischen Behörden seinen Pass. Als Protest gegen diese Maßnahme legte er jeden Morgen frische Blumen in den Korb eines Fahrrads, das vor seinem Atelier in Peking stand.

Ai Weiwei wird nonstop überwacht, ebenso seine Freunde und seine Familie. Der Aktivist hielt dem Druck stand, verarbeitete seine Erlebnisse in der Kunst und veröffentlichte sein Leben über die sozialen Medien. Trotzdem fällte das Paar die Entscheidung, dass seine Partnerin mit dem Sohn, der als uneheliches Kind in China als illegal eingestuft ist, nach Berlin zog, wo der Sechsjährige zur Schule geht.

Das Internet funktioniert hier besser

Hier will nun auch Ai Weiwei erst mal leben. Am Prenzlauer Berg besuchte er erstmals sein Studio. Es liegt in einem alten Brauereikeller, die Renovierung wurde bereits vor einem Jahr abgeschlossen. Die Universität der Künste hat ihm eine Gastprofessur angeboten.

Und, nicht unwichtig für diesen großen Künstler: Das Internet funktioniert hier besser als in Peking. "Die sozialen Medien sind meine Heimat", sagt er. "Hier können wir uns immer wiedersehen."

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