Florian Henckel von Donnersmarck: Holt der Star-Regisseur den Oscar erneut nach Deutschland?

In wenigen Stunden werden die Gewinner der 91. Academy Awards feststehen. Der Film "Werk ohne Autor" von Florian Henckel von Donnersmarck geht für Deutschland ins Rennen. GALA traf den Regisseur in Hollywood

Regisseur Florian Henckel von Donnersmarck, 45, hat es wieder geschafft: Nachdem er mit seinem Film „Das Leben der Anderen“ bereits im Jahr 2007 einen Oscar gewinnen konnte, ist seine jüngste Arbeit „Werk ohne Autor“ nun für den Academy Award 2019 in der Kategorie „bester fremdsprachiger Film“ nominiert. GALA traf den berühmten Regisseur und den Schauspieler Sebastian Koch, 56, in Los Angeles.

Deutsche Oscar-Party in der Villa Aurora 

Einen Tag vor der Oscar-Verleihung finden sich die deutschen Stars in der Villa Aurora im Westen Hollywoods ein. Das alte Gebäude war einst das Zuhause des deutschen Schriftstellers Lion Feuchtwanger († 1958). Die schöne und geschichtsträchtige Location ist ganz nach dem Geschmack des Regisseurs, denn er zitiert den Philosophen George Santayana und sagt: „Wenn man sich nicht ausreichend mit der Vergangenheit befasst, ist man dazu verdammt, sie zu wiederholen.“

"Werk ohne Autor": Worum geht's?

In seinem Film gelingt es einem jungen Künstler, gespielt von Tom Schilling, aus der DDR in den Westen zu flüchten. Dort verliebt er sich Hals über Kopf in die Studentin Elisabeth, die ihn sehr an seine Tante erinnert. Diese wurde wegen vermeintlicher Schizophrenie eingeliefert. Es folgt ihre Zwangssterilisation und spätere Ermordung auf Anordnung eines Professoren mit Nazi-Ideologie – Elisabeths Vater, wie der junge Künstler später herausfinden muss. Der Professor wird von Sebastian Koch gespielt.

Sebastian Koch erlebte den Hollywood-Trubel schon einmal 

Während er in seiner starken und haltungsbewussten Rolle kaum Gestik zeigt, ist er in Wahrheit ein Mann mit sprechenden Händen. In der Villa begrüßt er jeden mit Handschlag und freut sich über die Aufmerksamkeit, die der Film bekommt. „Es fühlt sich wie ein Déjà-vu an“, erklärt er lachend gegenüber GALA. 2007 spielte er in Henckel von Donnersmarcks Stasi-Drama „Das Leben der Anderen“ mit und gewann damals schon mit dem Regisseur den begehrten Preis in derselben Kategorie. Im Oktober wurde Koch für seine schauspielerischen Leistungen der Bambi überreicht. „Florian ist ein fantastischer Regisseur, die Geschichte ist stark und wir haben ein rundum ehrgeiziges Team gehabt. Ist das ein Erfolgsgeheimnis?“, fragt Koch bester Laune zurück.

Golden Globes 2019

Die schönsten Momente der Verleihung

"Brooklyn Nine-Nine"-Star Andy Samberg und "Grey's Anatomy"-Urgestein Sandra Oh moderieren die 76. Verleihung der Golden Globes.
Ehepaar Dax Shepard und Kristen Bell zeigen sich von ihrer Schokoladenseite.
Schauspielerin Alison Brie scheint es in die Menge hinauszuschreien: Dave Franco, ebenfalls Schauspieler, könnte als Robenzupfer eine bessere Performance hinlegen.
Supermodel Irina Shayk und Hollywoodstar Bradley Cooper verströmen gute Laune auf dem Red Carpet der Golden Globe Awards.

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Florian Henckel von Donnersmarck hat seine Kinder mitgebracht

Eigentlich kann Ronja Ebeling von Gala.de den meisten Menschen auf den Kopf gucken, aber bei Florian Henckel von Donnersmarck muss auch sie klein beigeben.

Ganze vier Jahre hat die Gruppe am Film getüftelt, gefeilt und letztlich einen Streifen in Überlänge produziert: 188 Minuten flimmert „Werk ohne Autor“ über den Bildschirm. Mutig, in einer Zeit, in der doch alles schneller wird, oder? „Ich finde es gar nicht so mutig, weil ich eher das Gegenteil beobachte. Wenn ich sehe, wie sich meine Kinder samstags eine ganze Staffel einer Serie angucken, bin ich von ihrer Aufmerksamkeitsspanne wirklich beeindruckt“, erklärt der Filmemacher. Zwei seiner drei Kinder haben in seinem Werk sogar eine Rolle übernommen, während seine Ehefrau Christiane Asschenfeldt als Produzentin beteiligt war. Ein richtiges Familienprojekt also. Der dreifache Vater versucht jede Woche mit seinen Kindern ins Kino zu gehen. Die Kriterien, was einen guten Film ausmacht, unterscheiden sich dann. „Die Kinder sind froh, solange es einen Superhelden in der Geschichte gibt!“, meint er lachend.

Der Oscar-Regisseur folgt seinem Instinkt 

Er selbst wolle in erster Linie keinen Markt bedienen, sondern für ihn persönlich wichtige und interessanten Geschichten erzählen. Diesen Tipp lege er auch jungen Filmemachern ans Herz. „Outlets, wie Netflix und Amazon, sind da. Kino ist natürlich nochmal was anderes, aber allgemein gab es nie bessere Voraussetzungen, um Filme zu machen. Sobald man den Zuschauer aber als andersartig ansieht und ihn versucht zu analysieren, hat man verloren. Letztendlich sind Filmemacher und Filmegucker ja gar nicht verschieden – besonders, wenn es um die großen Emotionen geht.“

Der Academy Award 2019 ist ein begehrter Preis

Apropos Emotionen, die lassen auch bei der zweiten Oscar-Nominierung nicht nach, erklärt der Regisseur weiter: „Es ist eine große Ehre alles nochmal erleben zu dürfen. Eigentlich eine noch viel größere, weil heutzutage einfach so viel produziert wird.“
In seiner Kategorie tritt der deutsche Streifen gegen „Capernaum – Stadt der Hoffnung“, „Cold War – Der Breitengrad der Liebe“, „Shoplifters“ und den mexikanischen Film „Roma“ an. Ob die Deutschen den Goldjungen nun für sich gewinnen oder nicht: Auch die Nominierung ist eine herausragende Leistung.

Oscars 2019

Nachgefragt: Kriegen wir ihn, Tom Schilling?

Tom Schilling
Dreimal schon klappte es mit einem Oscar für den "Besten fremdsprachigen Film" in Deutschland. Ob "Werk ohne Autor" der vierte Film wird? Auch Tom Schilling könnte in nächster Zeit eine internationale Karriere anstreben. Doch der Schauspieler ist für diesen Vorschlag weniger zu begeistern, wie wir im GALA-Interview feststellen
©Gala
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