Abenteurer Johan Ernst Nilson: "Ich bleibe in Nepal und helfe"

Das Erbeben von Nepal hat die ganze Welt erschüttert. "GALA Spa Awards 2014"-Gewinner Johan Ernst Nilson ist vorort und sprach mit uns über die Lage

Johan Ernst Nilson

25. April, 8.11 Uhr mitteleuropäischer Zeit, 80 Kilometer nordwestlich von Kathmandu, 7,8 auf der Richterskala. Das sind die Koordinaten des Todes. Häuser, Tempel, Schulen stürzen ein, als die Erde bebt. Tonnenweise Schutt und Geröll bilden einen flächendeckenden Teppich der Zerstörung.

Ein Grab für mehr als 5500 Menschen. Rund 10.000 Menschen wurden verletzt, mehr als drei Millionen verloren ihr Obdach. Hinter diesen abstrakten Zahlen verbergen sich viel Trauer, Leid, Hilflosigkeit. Und diese haben Gesichter.

Marie Fredriksson

"Roxette"-Sängerin mit 61 Jahren verstorben

Marie Fredriksson verstorben
Marie Fredriksson: Als "Roxette"-Sängerin für zahllose Pop-Klassiker und Ohrwürmer verantwortlich
©Gala

Eines davon hat gerade einmal vier Monate gelebt, als es von Rettern in Trümmern einer Hausruine gefunden wurde. Ein Baby. Es war komplett vom Staub bedeckt, die Augen verklebt vom Schmutz, hielt sein Händchen an die Wange. Aber es lebt. Der 67-jährige international renommierte Geomorphologe Matthias Kuhle aus Göttingen hatte kein Glück. Er befand sich genau im Epizentrum als die Erde erschüttert wurde. Seine 15 Studenten überlebten.

Wie prekär die Lage ist, erzählt uns "GALA Spa Awards 2014"-Gewinner Johan Ernst Nilson: "Die Zerstörung mancher Dörfer kann man total nennen, und Kathmandu wurde sehr schwer getroffen", so der schwedische Abenteurer, der sich derzeit im Nordosten Nepals befindet. Solch eine massive Erschütterung hatte der Gebirgsstaat seit 80 Jahren nicht mehr erfahren - so lang wie ganzes Menschenleben.

"Ich dachte erst, es sei der Wind"

Nilson selbst konnte seines haarscharf schützen: "Beim Beben war ich in einem kleinen Ort namens Tengboche. Ich saß in einem kleinen Haus, wo sich auf einmal die Wände bewegten. Ich dachte erst, es sei der Wind. Nach fünf Sekunden rasten wir aus dem Gebäude. Mönche rannten aus dem Kloster, schützten ein Lama, das sich zwischen ihnen befand. Alles brach um uns herum zusammen." Er habe schnell realisiert, dass etwas Schlimmes passiert sei, weswegen er nur wenige Minuten später zu Satellitentelefon griff, um seine Eltern zu informieren: "Ich wollte nicht, dass sie davon über CNN erfahren. Sie waren glücklich, dass es mir gut geht."

Aber sie seien es auch gewohnt, dass sich ihr Sohn in Extremsituationen befinde: Seit 20 Jahren bereist der Schwede die Welt, war schon am Nord- und Südpol, dem Kilimandscharo. 30 Expeditionen in 120 Länder hat er schon hinter sich.

Nun befindet er sich in dieser Ausnahmesituation und sagt: "Die großen Hilforganisationen und Regierungen haben Hilfe und Geld geschickt, aber wir haben bisher noch nichts davon gesehen. Mehrere Tage sind schon vergangen, die größten Auswirkungen haben die Täler zu spüren bekommen. Die Sherpas (Anm. d. Red: enthnische Minderheit) haben ihre Häuser und Familien verloren - und sie brauchen unbedingt Hilfe. Doch der Fokus scheint auf der Hauptstadt und die Gegend am Mount Everest zu liegen."

Noch einen Monat in Nepal

Währenddessen versuchen die vielen obdachlosen Menschen sich irgendwie zu schützen. Die Betroffenen kauern nebeneinander. Unter irgendwelchen biegsamen Dingen, die man als Planen nutzen kann. Darauf prasselt nun der Regen ein. Und der bietet weitere Gefahren: erneute Erdrutsche können so entstehen. Nach dem ersten Schock der Katastrophe zeigen viele Bilder, dass die Menschen nun endgültig realisieren, was ihnen widerfahren ist. Der Geruch von Verwesung durchzieht die Luft. Menschen rinnen Tränen über die mit Schmutz befleckten Wangen. Andere falten ihre Hände, so als würden sie beten. Stets in Gruppen, denn sie sind das einzige, was ihnen noch geblieben ist.

Nilson betet nicht. Er befindet sich im Nordosten des Landes, in einem kleinen Dorf, greift den hilflosen Menschen unter die Arme: "Ich werde hier im Himalaya noch einen Monat bleiben und dabei helfen, Geld aufzubringen und die Dörfer wieder aufzubauen. Ich konnte in den letzten drei Tagen bereits 20.000 Dollar sammeln."

Und es muss noch mehr werden, um den Aufbau zu gewährleisten. Viel mehr.

Themen

Erfahren Sie mehr:

Star-News der Woche