"Rising Star": Warum läuft bei der Show alles schief?

Dass Castingshows ihren Zenit schon hinter sich haben, ist allseits bekannt. RTL wagt es trotzdem und schickt eine neue Talentshow auf die TV-Bildschirme. Ein Fehler, wie sich zeigt

Rainer Maria Jilg

Schon beim Show-Auftakt waren die Quoten ein Desaster: Nur 2,25 Millionen wollten sich die neue Talent-Show "Rising Star" auf RTL anschauen. Dabei wurde das TV-Format im Vorfeld in den Himmel gehoben – als Show mit innovativem Konzept angepriesen, in der die Zuschauer selbst mitbestimmen können, welche Kandidaten in die nächste Runde kommen.

Trotzdem: Als Sternstunde im deutschen Fernsehen wird "Rising Star" wohl nicht eingehen, sondern eher als Irrläufer. Denn auch die zweite Sendung wollte einfach nicht zünden. Eine satte halbe Million weniger Zuschauer schaltete RTL ein. Und man kann davon ausgehen: Auch für die nächsten Folgen wird sich der Sinkflug fortsetzen – ebenso wie bei der Castingshow "Keep Your Light Shining" auf dem Konkurrenzsender Sat.1 vor einigen Monaten, die mit einem ähnlichen Konzept an den Start ging.

Rafael van der Vaart

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Estavana Polmann, Jesslynn van der Vaart und Rafael van der Vaart
Die drei sind ein starkes Team: Estavana Polmann freut sich über die Unterstützung ihrer größten Fans Jesslynn van der Vaart und Rafael van der Vaart.
©Gala

Aber warum eigentlich? Es fängt schon beim Moderator Rainer Maria Jilg an, der die Zuschauer durch die Show führt. Noch in der ersten Sendung witzelte er, dass man ihn nicht mit Daniel Hartwich verwechseln solle – wegen der markanten Brille. Ein paar Minuten später wünschte man sich den "Dschungelcamp"-Moderator tatsächlich herbei, um dieses leidvolle Moderations-Drama zu beenden.

Rainer Maria Jilg fehlt die Leichtigkeit, der Charme, Witz, Schlagfertigkeit. Stattdessen wirkt der 35-Jährige verkrampft und unsouverän – nicht die besten Voraussetzungen für ein Unterhaltungsformat auf einem Privatsender.

Genauso zäh gestaltet sich die ganze Show, in der viel gequatscht und zu wenig gesungen wurde. Die Auftritte der einzelnen Künstler waren ratzfatz vorbei. Fließbandauftritte eben. Keine Chance, sich an Gesichter zu gewöhnen oder die musikalischen Darbietungen auf sich wirken zu lassen.

Darüber hinaus ist das Abstimmungskonzept mehr als fraglich. Man muss, wie auch schon bei "Keep Your Light Shining" auf einer App "eichchecken", um für seinen Liebling abzustimmen. Zwar ist diese App kostenlos, allerdings verbraucht sie massiv Akku, denn man sollte diese möglichst immer offen haben. Ansonsten könnte es nämlich sein, dass man schnell wieder unfreiwillig "auscheckt". Seltsamerweise kann man für Kandidaten voten, bevor diese überhaupt vor dem Mikro stehen – sondern schon, wenn sie per Einspieler vorgestellt werden. Ob das so gerecht ist?

Nun fegt auch noch ein Shitstorm über "Rising Star" hinweg. Auslöser war eine Bemerkung des Gitarristen Gustavo. In Zukunft werde er wohl nur noch Songs singen, "die mir gefallen", wetterte er, nachdem er durchgefallen war. Er hatte mit seinem Kumpel Micky "Celebration" performt. Micky beschwerte sich: "Das war nicht ein Song, den wir auf der Liste hatten." In den sozialen Netzwerken war daraufhin vor allem eines zu lesen: Harte Kritik! "Ich vermute mal, damit hat sich #risingstar für RTL erledigt. Das Vertrauen ist dahin, und die Quoten sinken weiter. Überall Lug und Trug", twittert einer. Eine andere Usern schreibt: "#risingstar #rtl schön blöd, wenn man live sendet und die Talente die Wahrheit sagen können. 2Talente raus wegen aufgezwungener Songauswahl!"

Bei all den negativen Stimmen musste RTL reagieren, bezog Stellung: "Um Missverständnissen vorzubeugen, erläutern wir gerne den Prozess der Songauswahl", hieß es. "Die Talente machen selbst Vorschläge oder sie bekommen Songvorschläge. Entscheiden tun am Ende nur sie selbst." Ob man das nach den Worten der Kandidaten noch glauben kann? Sieht ganz danach aus, als habe RTL "Rising Star" gegen die Wand gefahren.

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