Wanda: Sie haben den Hype überlebt

"Ciao!" von Wanda ist da! Was Musik-Legende Sting von ihm hält, hat Frontmann Marco Michael Wanda im Interview verraten.

Die Band Wanda ist immer noch da: Mit ihrem vierten Album läuten sie eine neue Ära ein

Auf "Amore", "Bussi" und "Niente" folgt ein klangvolles "Ciao!". Die Wiener Band Wanda veröffentlicht ihr viertes Album. Die Nachrichtenagentur spot on news hat Frontmann Marco Michael Wanda (gebürtig Michael Marco Fitzthum) und den Gitarristen Manuel Christian Poppe vorab zum Interview getroffen und mit den beiden über die neue Platte, Sting und Domian geplaudert.

Was wäre Wanda heute ohne Amore?

Marco Michael Wanda: Ohne die Liebe zueinander hätten wir uns gar nicht zu einer Band zusammengefunden.

Oliver Pocher

Erster Auftritt nach der Geburt seines Kindes

Oliver Pocher
Bei seinem ersten Auftritt vier Tage nach der Geburt zeigt sich Oliver Pocher gut gelaunt und witzig wie immer.
©Gala

Manuel Christian Poppe: Die Freundschaft war schon vor der ersten Probe da. Bis wir musikalisch gestartet sind, waren wir wochen-, monatelang Nächte unterwegs und haben uns kennengelernt.

Haben Sie jetzt einen anderen Blick auf Ihre Karriere als noch vor zwei oder drei Jahren?

Wanda: Ja. Erst jetzt kann ich langsam diese große Erfolgswelle reflektieren - zwei Jahre waren voll mit Erfahrungen, Arbeit, Unterwegssein und Konzerten. Ich weiß jetzt, wie man einen Hype überlebt. Das war gar nicht so leicht.

Wie haben Sie das überlebt?

Wanda: Ich bin ruhiger geworden. Ich habe den Anschluss an mein Leben in Wien zurückerobert. Es war einfach irgendwann zu viel des Guten. Auch das Medieninteresse hat nie aufgehört. Wir haben überall gespielt, wo sie uns hören wollten, und ich habe mich mit gefühlt jedem Diktiergerät im deutschsprachigen Raum unterhalten. Irgendwann kam der Geist nicht mehr zur Ruhe.

Heißt die neue Platte deswegen "Ciao!"? Weil Sie sich von diesem alten Lifestyle verabschiedet habt?

Wanda: Ja. "Ciao!" beschreibt die Entwicklung der fünf Menschen, die diese Band sind, hin zum Versuch eines besseren Lebens.

Wo haben Sie die neue Platte aufgenommen? Ursprünglich wollten Sie das ja auf einer Burg machen...

Poppe: Das war der erste Plan. Das ist aber daran gescheitert, dass der Klang in einer Burg unmöglich ist. Und es ist zu kalt, um dort zu übernachten. Wir haben es ja im Winter eingespielt. Schlussendlich haben wir im österreichischen Waldviertel ein Haus gefunden. Eine gottverlassene Gegend mit unglaublich viel Wald. Es gab auch einen Fußballplatz und einen Teich. Wir haben gefischt, gegrillt und mit den Dorfkindern Fußball gespielt. Es war eine sehr schöne Zeit.

Wie lange waren Sie da?

Wanda: Etwa acht Tage. In dieser Ruhe ließ es sich sehr gut arbeiten. Wir haben alle in einem großen Schlafsaal unter dem Dach geschlafen. Aber trotzdem hatten wir ein straffes Programm: Um acht Uhr früh gab es Kaffee und eine halbe Stunde später hieß es: Aufnehmen! Wir haben sehr konzentriert gearbeitet. Ohne Drogen. Und mit kaum Alkohol.

Also auch keine Zigaretten?

Wanda: Oh doch! Tausende Zigaretten!

Poppe: Es gab ein bisschen Bier. Aber ich erinnere mich nicht an hochprozentigen Alkohol. Wir haben am Abend immer Fußball geschaut. Kollektiv zusammen auf dem Sofa.

Marco, Sie durften Sting zum Interview treffen. Wie war das?

Wanda: Ein sehr interessanter Mann. Wie ein gereifter Rotwein. Und sehr stoisch. Für mich war es entsetzlich ihm ein Interview antun, zu müssen. Er macht sich sicher seine starken und faszinierenden Gedanken über das Leben, er ist aber nicht unbedingt jemand, der das mit Freude teilt.

Wusste er, dass Sie auch Musiker sind?

Wanda: Das habe ich mich die ganze Zeit gefragt. Streckenweise kam es mir so vor, als würde er denken, ich bin ein Praktikant, der zum ersten Mal ein Interview führt, weil ich ihm bei der Begrüßung gesagt habe, dass ich das noch nie gemacht habe. Da hat er mich panisch angeschaut. Aber es wurde dann doch sehr herzlich mit ihm und er war mir sehr sympathisch. Ich ihm nicht, glaube ich.

Dann sind Sie vermutlich auch Fan von Sting?

Wanda: Ich bin eigentlich kein Fan. Das ist für mich ein Kollege. Jemand, von dem ich etwas lernen kann. Deswegen habe ich das Interview gemacht. Ich wollte mich selbst in 40 Jahren kennenlernen. Und ich fand mich eigentlich ganz geil. Nur könnte ich ein wenig lockerer sein.

Wer wären Sie gern in 40 Jahren, Manuel?

Poppe: Eigentlich genau der, der ich jetzt bin. Mit ein bisschen mehr Lebenserfahrung. Und noch genauso vielen Haaren wie jetzt und nicht mehr Falten. Ich mache mir keine Sorgen. Gestern hat funktioniert. Heute funktioniert. Übermorgen wird funktionieren.

Einer der neuen Songs heißt "S.O.S.". Wen rufen Sie denn an, wenn es Ihnen schlecht geht?

Wanda: Vor eineinhalb Jahren, als ich das Lied geschrieben habe, da war es die ganze Welt. Das war eine komplizierte Phase. Es war viel zu viel Tour, viel zu viel Lust an Kicks und Ekstase. In dieser Zeit ging es mir nicht so gut. Da habe ich so ziemlich an jeden auf der Welt S.O.S. gemorst. Dieser Rock'n'Roll-Zug war phasenweise viel zu schnell. Aber alle die drinsaßen, haben sich festgehalten.

Es gab ja während der letzten Tour durchaus einige gesundheitliche Probleme. Wie zum Beispiel einen Hörsturz...

Poppe: Es gab Stromschläge, Augenentzündungen, Arm- und Beinbrüche. Alles Mögliche.

Wanda: Ich habe mir nach dem ersten Konzert der Tour die Hand gebrochen und bin bei einem Stromschlag fast ums Leben gekommen. In Mannheim. Da mussten wir nach drei Liedern abbrechen. Wir waren auch technisch nicht vorbereitet. Das hat sich alles überholt. Wir standen vor 30 Leuten und ein Jahr später vor 4.000 und ein weiteres Jahr später vor 12.000. Und dann kamen 40.000.

Wann kommt die tiefe Verbundenheit zwischen Ihnen am meisten zum Ausdruck?

Wanda: Wenn wir auf der Bühne spielen. Und wenn wir uns danach umarmen. Das ist ein irres Gefühl. Gesteigerte Spiritualität spüre ich vor allem, wenn ich ins Publikum gehe. Wenn ich über die Absperrungen, die mich sowieso nerven, klettern kann, in der Menschenmenge bin und sie auch körperlich erfahren kann. Die Blicke, die ich da bekomme, oder was mir da ins Ohr gebrüllt wird...

Was war das Schönste, was Ihnen bis jetzt ins Ohr gebrüllt wurde?

Wanda: Bleib am Leben. Mach weiter, bitte!

Ist das für Sie auch so, Manuel?

Poppe: Ich hänge ja am Kabel. Für mich ist ein Sprung ins Publikum verbunden mit einem Sound-Ausfall. Wir als Musiker hinter Marco spüren eher diesen Schub, den wir ihm mitgeben. Wir sind der Bulldozer, der ihn da reinschaufelt.

Kurz noch ein anderes Thema: Sie haben einen Song, der "Domian" heißt. Was verbinden Sie mit der TV-Legende?

Wanda: Während ich die Platte geschrieben habe, habe ich mir auf YouTube oft seine Sendung angeschaut. Das hat mich immer wieder daran erinnert, dass da draußen keine Roboter-Wesen herumlaufen, die wie die Irren konsumieren, sondern Menschen mit Träumen, Sehnsüchten, Ängsten, Hoffnungen. Domian hat eine wichtige Arbeit geleistet. Menschen brauchen seit tausenden von Jahren einen Medizinmann. Und das war Domian. Er hat uns gegenseitig vorgeführt.

Haben Sie in Ihrer schwierigen Phase, die Sie vorher angesprochen haben, eine Therapie gemacht?

Wanda: Ja, ganz kurz. Aber hab dann wie jeder Idiot wieder abgebrochen... Aber das Leben ist für uns alle gerade ganz in Ordnung. Wie sagen die Beatles? "It's getting better all the time."

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