Tim Lobinger im GALA-Interview: "Ich will kein Mitleid"

Tim Lobinger Der ­einstige Leichtathletik-Star hat Leukämie. In GALA sagt er, wie ihm seine Noch-Ehefrau ­zurück ins Leben half

Wäre der Sport nicht Tim Lobingers Leben, hätte er das vergangene Jahr vielleicht nicht überlebt. Im März 2017 wurde bei dem ehemaligen Stabhochspringer eine besonders aggressive Form der Leukämie diagnostiziert. Damals war er gerade ein halbes Jahr von seiner Frau Alina, 37, getrennt. Fünf Chemotherapien und eine Stammzellentransplantation musste er seitdem über sich ergehen lassen.

Als GALA den 45-Jährigen trifft, hat er bereits ein Morgentraining hinter sich. Seine stahlblauen Augen strahlen. Er strotzt vor Energie, ohne dass es übertrieben wirkt. Vielleicht ist es der Kampfgeist des Weltklassesportlers, der ihm nun hilft, diese Herausforderung des Lebens anzunehmen.

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©Gala

Wie geht es Ihnen heute, Herr Lobinger?

Sehr gut. Die Krebszellen, die vergangenes Jahr erkannt und vernichtet wurden, sind nicht mehr da, dafür wurde im Januar eine mutierte Form des Krebs festgestellt. Eine Chemo brauche ich aber nicht, ich bekomme Medikamente. Ich habe heute früh schon trainiert, habe Energie und auch das Gefühl, dass mich gerade nichts einbremst.

Sie sind derzeit Athletiktrainer. Wie sieht Ihr Alltag aus?

Ich arbeite heute selbstständig und werde von Profisportlern und auch ­privaten Kunden gebucht, außerdem arbeite ich zusammen mit Charlotte Würdig für ihre Online-Fitnessplattform. Dort entwickle ich die Sportprogramme. Das konnte ich sogar während meiner Zeit in der Klinik ­machen. Ich würde aber sogar wieder einen Dreijahresvertrag im Sportbereich unterschreiben, wenn sich das Richtige ergibt. Diese Zuversicht habe ich mittlerweile.

Hatten Sie während Ihres Kampfes ums blanke Über­leben auch Existenzängste?

Das ist ein wunder Punkt. Ja, die Kosten und Therapien während einer Krebserkrankung gehen in die Hundertausende. Nicht alles übernehmen Versicherungen. Ich habe oft nachts wach gelegen und mir Sorgen gemacht, wie und womit ich künftig Geld verdiene, um meine Familie abzusichern. Bis jetzt ist alles dahingehend gut gegangen.

Wie konkret sprechen Sie mit Ihrer Familie darüber? Haben Sie ein Testament verfügt?

Ja, ich bin gerade dabei. In meiner Familie haben wir schon einiges besprochen. Ich weiß, an wen mein Fiat 500 geht. (lacht) Das wird jetzt auch bald alles schriftlich festgehalten.

"Verlieren ist keine Option", ist ein Tagebuch über Lobingers Krebserkrankung (Riva-Verlag, 240 Seiten, 19,99 Euro)

In den vergangenen Jahren war Ihre Ehefrau Alina Ihre größte Stütze. Sie sind aber kein Paar mehr.

Das stimmt, wir haben uns schon sechs Monate vor der Krebsdiagnose im März 2017 getrennt – uns verbindet aber bis heute eine tiefe Freundschaft. Ich bin ihr unendlich dankbar für alles, was sie für mich, unseren Sohn Okkert und unsere Familie getan hat.

Woran war Ihre Liebe seinerzeit zerbrochen?

Wenn eine Beziehung zerbricht oder eben nicht mehr weitergeht, ist dies eine Sache, die genau zwei Leute mit­einander ausmachen. Das haben wir getan, und wir haben uns ja nicht verlassen, sondern haben etwas anderes, Neues aufgebaut. Ich bin so dankbar und froh, dass wir eine Basis gefunden haben, an der niemand rütteln kann. Mag komisch klingen, aber die einzigen, die das verstehen müssen, sind eben Alina und ich.

Wie nennen Sie das, was zwischen ­Ihnen heute ist?

Wir sind ein sehr starkes Team, wir ­leben in München auch noch zusammen in einer Wohnung. Das ist für unseren kleinen Sohn Okkert ganz wichtig. Das, was Alina geleistet hat, kann man ihr gar nicht hoch genug anrechnen. Wir haben eine ganz neue und hochrespektvolle Art gefunden, miteinander umzugehen – ein Paar sind wir aber nicht mehr.

Wie gehen Sie mit Mitleid um?

Ich will kein Mitleid. Ich bin durch die Hölle gegangen, ich konnte zeitweise nicht einmal eine Tasse halten, war dem Tod näher als dem Leben. Aber ich wollte mich nicht brechen lassen. Der Krebs hat mich nicht kleingekriegt.

Haben Sie noch Träume?

Also ich sage jetzt nicht: "Ich will alt werden." Ich denke heute in wesentlich kleineren Schritten. Ich habe gelernt loszulassen. Und ich möchte die Zeit, die ich habe, mit den Menschen verbringen, die mir etwas bedeuten.

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