Til Schweiger im GALA-Interview: "Es macht mich wütend"

Til Schweiger sorgt mit einem Facebook-Post für viel Wirbel. Warum er sich den Mund nicht verbieten lässt, erklärt er jetzt im Interview mit GALA

Samstagabend, 18 Uhr. Das "Barefood Deli" in Hamburg, wo wir mit Til Schweiger, 53, zum Interview verabredet sind, platzt aus allen Nähten, dazu ertönt laute Musik. Ist sein Restaurant jetzt ein Club? "Nee, wir machen hier nur mehr Events", erklärt er. Doch deshalb sind wir nicht hier. Es geht um ein ernsteres Thema.

Nach der Bundestagswahl ließ der Schauspieler und Regisseur auf Facebook seinem Ärger über die AfD freien Lauf. Dafür wurde er mit Hasskommentaren überschüttet. Er reagierte prompt, kündigte in einem Post an, jeden "Deppenkommentar" zu veröffentlichen, behauptete, "jeder Rechtsradikale" bringe ihm "600 Euro am Tag". Zudem habe er vom Tourismusverband Bayern ein "5 Millionenangebot" bekommen, um als "Ambassador für Saudi-Arabien zu agieren". Was da los war? Alles Satire, klärte Schweiger später auf. Doch wir wollen genauer wissen, warum er so aufbrauste.

"Das Sommerhaus der Stars"

Wie schockiert die Promis von Michael Wendler sind

Jana Ina Zarrella
Jana Ina Zarrella ist Mutter von zwei Kindern und zeigt sich im Video überrascht, dass sich Michael Wendler und seine Laura so sexualisiert präsentieren.
©Gala

Was treibt Sie an, direkt auf Facebook mit Ihren "Hatern" auf Konfrontation zu gehen?

Ich bin so auf die Welt gekommen. Ich hatte schon immer einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn, das habe ich von meinem Vater. Er war ein sehr strenger Vater, aber auch ein sehr gerechter. Er hat sich immer für sozial Schwächere eingesetzt. Das ist bei mir auch so.
Das heißt nicht, dass ich noch nie Menschen verletzt habe. Ich habe schon eine Menge Menschen verletzt, aber nicht aus Vorsatz, sondern weil ich eine sehr direkte Art habe. Wenn ich das gemerkt habe, dann habe ich mich immer sofort und ehrlich entschuldigt.

Wir haben mal bei der Bayern Tourismus Marketing GmbH nachgehört: Kommunikationschef Jens Huwald würde Ihnen das Ehrenamt eines Markenbotschafters anbieten. Interesse?

(Til Schweiger lacht und schweigt.)


Ab heute, werde ich jeden Deppenkommentar veröffentlichen... also, wer seine 15 Minuten in der Öffentlichkeit genießen...

Gepostet von Til Schweiger am Mittwoch, 4. Oktober 2017

Lesen Sie eigentlich alle Kommentare auf Facebook?

Nein, nach der Flüchtlingskrise habe ich damit aufgehört, weil mein Leben zu kurz dafür ist. Ich habe zwei Leute eingestellt, die das strafrechtlich Relevante der Polizei melden. Und die ganz krassen Sachen lasse ich löschen. Ich bekomme einmal pro Woche einen Report über die Posts.

Verletzten Sie solche persönlichen Anfeindungen?

Verletzen tut mich das überhaupt nicht. Es macht mich nur wütend. Und wenn jemand schreibt, man sollte meine Töchter auf die Kölner Domplatte als Prellbock stellen, dann werde ich extrem wütend. Stünde der vor mir, würde ich ihm den Hals abreißen!
Anstatt zu versuchen, ihr eigenes und unser Leben positiv zu verändern, sitzen diese Internet-Trolle da und "haten". Zum Glück sind aber nur fünf Prozent der Nachrichten böse und ekelhaft. Die positiven überwiegen.

Was steht in den positiven Kommentaren?

"Til, lass die Spacken doch. Du kannst denen nichts beibringen, die sind so. Versau dir nicht dein Leben damit." Ich schreibe ihnen zurück: "Ihr habt ja recht, aber ich kann nicht anders." Ich habe auch schon mal darüber nachgedacht, meine Seite zu schließen, aber dann verliere ich ja mein Sprachrohr. Hier kann ich schreiben, was ich denke, unzensiert. Das ist wie meine eigene Zeitung. Und wenn ich die zumache, würden das alle als Niederlage feiern. Nach dem Motto: Den haben wir kleingekriegt.

Wurden Sie auch schon mal auf der Straße angefeindet?

Nie! Es ist in über 20 Jahren noch keiner zu mir gekommen und hat gesagt: "Du bist ein Arschloch und machst Scheißfilme." Ich kenne es nur, dass ich Selfies machen soll oder jemand ein Autogramm von mir will. Dabei bin ich bestimmt schon an tausend Leuten vorbeigegangen, die mich oder meine Filme nicht mögen, die aber nicht den Mut hatten, mir das zu sagen. Es muss mich nicht jeder mögen. Es gibt niemanden, den alle mögen. Vor allen Dingen, wenn du eine Meinung hast und eine Position beziehst. Dadurch machen

Sie sich umso angreifbarer.

Eben. Deswegen werden Fußballspieler trainiert, nichts Inhaltliches zu sagen. Das bekommen sie vom Verein aufoktroyiert. Politiker machen das genauso. Es gibt ein paar Ausnahmen: Heiner Geißler war ein Beispiel dafür, Wolfgang Bosbach ist auch so ein Typ. Solche Leute sagen, was sie denken, auch wenn es der Parteilinie nicht entspricht. Aber sie kriegen dafür richtig Gegenwind. Die Regel Nummer eins lautet: Halt die Fresse und du fährst am besten durchs Leben! Nur – so bin ich nicht auf die Welt gekommen.

Was ärgert Sie am meisten?

Wie über meine Posts berichtet wird. Das war schon in der Flüchtlingskrise so. Ich hatte diesen Aufruf gemacht, Klamotten zu sammeln, als Deutschland überrannt wurde. Und wurde mit dumpfen und rechtsradikalen Kommentaren überschüttet. Da habe ich geschrieben: "Verpisst euch von meiner Seite, ihr empathieloses Pack!" Dann haben alle geschrieben: "Til Schweiger bepöbelt seine Fans." Das stimmt nicht! Er wütet, er teilt aus, er rastet aus – diese Wortwahl geschieht ja bewusst. Mir hat mal ein Journalist gesagt: "Negative Til-Schweiger-Nachrichten klicken am besten." Das ist ganz schön zynisch und traurig.

Warum ist das wohl so?

Ich bin sehr emotional und sage, was ich denke. Das passt vielen nicht. Man kommt besser durchs Leben, wenn man die Klappe hält. Wenn ich bei Markus Lanz sitze und neben mir eine Frau erzählt, wie sie damit umgeht, dass ihr Kind vergewaltigt und umgebracht wurde, und ich werde dazu gefragt, dann mache ich mich dafür stark, dass Kinderschänder härter bestraft werden. Doch danach hieß es: "Til Schweiger – Ausraster bei Lanz." Das war kein Ausraster! Da kann ich doch als Vater nicht kühl drüber reden! Das geht nur, wenn du so intellektualisiert bist, dass du Empathie gar nicht an dich ran lässt.

Sie ecken auch politisch an.

Man darf in Deutschland keine geteilte Meinung haben. Ich bin dafür, Kinderschänder viel härter zu bestrafen. Dann sagen die einen: "Du bist ein Nazi.“ Wenn ich sage, die Bundeswehr macht einen Megajob und die brauchen viel mehr Anerkennung, dann fackeln mir die Linken mein Auto ab und bewerfen meine Hauswand mit Farbe. Wenn ich mich für die Flüchtlinge engagiere, sagen wiederum einige Soldaten: "Der will Deutschland islamisieren." Was ich bestimmt nicht will. Ich will auch keine radikal-islamistischen Prediger im Land haben. Ich war ja der Fürsprecher für die Flüchtlinge. Mittlerweile weiß man, dass auch Leute ohne Pässe hierherkommen, die von der ISIS geschickt werden. Das kann nicht sein! Aber da reagiert niemand drauf! Ich bin auch dafür, die Grenzen wieder zuzumachen und zu kontrollieren, wer in unser Land kommt. Deswegen gibt es die Partei, die mich repräsentiert gar nicht. Bei der Umweltpolitik finde ich mich bei den Grünen wieder, bei der Wirtschaftspolitik bei der CDU und FDP. Es gibt aber auch Positionen von der SPD, die ich teile. Aber ich kann nicht verstehen, dass Leute aus Protest die AfD wählen, deren Führung immer härter und nationalsozialistischer wird. Denen dürfen wir nicht unser Land überlassen. Protest ja, aber bitte nicht die AfD!

Haben Sie im Nachhinein mal einen Post bereut?

Zweimal. Das Quallenvideo und den Post nach meinem dritten "Tatort". Den habe ich wirklich bereut. Da hatte ich aber auch meinen Frust weggetrunken, und es war drei Uhr morgens. Es gab nur tolle Kritiken im Vorfeld, plötzlich war es der Mega-Flop. Ich wollte unserem Regisseur Christian Alvart den Rücken stärken, weil er einen wirklich tollen Film gemacht hat und nichts dafür konnte, dass der Sendetermin auf den 1. Januar verschoben wurde. Und als ich diese ganze Häme und die Verrisse gelesen habe, bin ich durchgedreht. Als ich das am nächsten Morgen gelesen habe dachte ich: Ich häng mich auf … (lacht)

Ihr "Barefood Deli" feiert am 2. November Einjähriges. Wie fällt Ihr bisheriges Fazit aus?

Am Anfang lief das hier wie die Feuerwehr. Dann haben aber viele Abläufe nicht gestimmt und ich hatte einige Berater, die sich eigentlich nur selber die Tasche voll gemacht haben. Eine Zeit lang dachte ich: "Oh Mann, was soll nur werden?" Aber mittlerweile läuft es wieder gut, und es macht richtig Spaß!


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