Marvin Linke über Tod des Stiefvaters : "Ich konnte mich nicht mehr verabschieden"

Marvin Linke ist heute ein glücklicher, erfolgreicher Schauspieler. Das war nicht immer so. Im GALA-Interview spricht er über berufliche Zweifel, anfängliches Weinen und dem plötzlichen Tod seines Stiefvaters, von dem er sich nicht mehr verbaschieden konnte.

Marvin Linke

Wie geht man mit dem viel zu frühen Tod eines geliebten Menschen um? Marvin Linke, 27, wollte im GALA-Interview eigentlich über seine erste Film-Hauptrolle sprechen und plötzlich wurde es sehr privat.

Viele kennen den Schauspieler aus der RTL-Serie "Unter Uns". Dort spielte er von 2010 bis 2016 Moritz Schönfeld. Heute ist Marvin ein erfolgreicher Filmschauspieler ("Ostwind", "Nicht mein Tag"). Aktuell läuft es sogar besonders gut für ihn. Der gebürtige Hannoveraner stand mit "Game of Thrones"-Star Tom Wlaschiha, 47, für die zweite Staffel der Sky-Serie "Das Boot" vor der Kamera. Am gestrigen Sonntag (2. März) spielte er um 20:15 Uhr seine erste Hauptrolle im Rosamunde Pilcher-Film "Falsches Leben, wahre Liebe".

Doch der Schauspieler musste in der Vergangenheit mit einigen beruflichen und privaten Niederlagen kämpfen. Im Interview spricht Marvin Linke über ausbleibende Engagements, berufliche Zweifel, viele Tränen und den plötzlichen Tod seines Stiefvaters, von dem er sich nicht mehr verabschieden konnte.

Marvin Linke im GALA-Interview

GALA: Ihre Rolle Bill erfährt, dass er als Kind vertauscht wurde und in der falschen Familie aufgewachsen ist. Wie würden Sie auf einen solchen Schock reagieren?
Marvin Linke: Ich würde alles bis dato Erlebte in Frage stellen. Ich würde erstmal abhauen und nicht wie Bill dableiben und Gespräche führen. Ich würde das anfangs lieber mit mir selbst ausmachen und bräuchte Zeit, um alles zu verarbeiten.

Nachdem die beiden Freunde erfahren haben, dass sie als Babys vertauscht wurden, brechen für Bill (Marvin Linke, l.) und Mo (Paul Triller, r.) ihre bisherigen Welten zusammen.

Bei der Geschichte gibt es auch Parallelen zu Ihrem Leben. Sie haben zu Ihrem leiblichen Vater kaum Kontakt. Wie kam es dazu?
Meine Eltern sind getrennt. Ich war jedes zweite Wochenende bei meinem Vater. Als ich mit 17 Jahren von zu Hause auszog (Marvin zog im Jahr 2009 für "Unter Uns" von Hannover nach Köln, Anm. d. Red.) hatte ich noch weniger Kontakt zu meiner Mutter und vor allem zu meinem Vater.

Sie haben mit 17 Jahren schon alleine gewohnt?
Ja und das war eine krasse Umstellung.

Dann mussten Sie aber schnell erwachsen werden.
Auf jedenfall. Das habe ich gemerkt und ich musste schnell lernen, Verantwortung für mich zu übernehmen.

Das ist eine große Herausforderung. Wie hat sich das anfängliche alleine Wohnen und der erste schauspielerische Hauptberuf für Sie angefühlt?
Das war hart.

Die ersten Nächte konnte ich extrem schlecht schlafen und habe mehrere Male geheult.

In diesen Momenten wurde mir klar, dass meine Eltern und Freunde weit weg sind und ich sie kaum sehen kann.

Marvin Linke über den Tod seiner Oma und seines Stiefvaters

Auch das Jahr 2018 hat Sie sehr herausgefordert. Da sind kurz hintereinander Ihre Oma und Ihr Stiefvater an Krebs gestorben. Was hat Ihnen in dieser Zeit am meisten geholfen?
Ich habe mich beruflich zurückgenommen und mich viel um meine Mutter gekümmert. Für sie war es besonders schlimm. Sie hat ihren Mann und ihre Mutter verloren. Durch das Kümmern konnte ich mich ablenken, was mir gut getan hat. Ich wollte nicht zu Hause sitzen und trauern.

Hatten Sie Momente, in denen Sie dennoch getrauert haben?
Ja, besonders wenn mich Fernsehshows, Bücher oder Musik an meine Oma oder meinen Stiefvater erinnert haben.

Wann haben Sie zuletzt an Ihre Oma gedacht?
Als ich mich letztens mit einem Freund unterhalten habe, der Vater wird. Sein Kind wird dann ab und zu bei der Oma schlafen. Meine Oma hat immer gesagt, dass sie sich darüber freuen würde, einmal mein Kind kennenzulernen. Leider ist das nun nicht mehr möglich. Sie war auch noch recht jung. Sie ist mit 63 Jahren gestorben.

Ihr Stiefvater ist auch relativ früh gestorben.
Ja, er war erst 60 Jahre alt. Da war sehr schlimm, denn es ist von heute auf morgen passiert.

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Wieso ist ihr Stiefvater so schnell verstorben?
Er kam wegen eines Routineeingriffs ins Krankenhaus, doch er ist nach dem Eingriff leider nicht mehr aufgewacht. Es wurde festgestellt, dass sein Körper voller Krebs gewesen ist. Meine Mutter und ich wissen bis heute nicht, ob er das schon wusste und es uns verheimlicht hat oder nicht. Er lag einen Monat im Koma, bis er starb.

Also konnten Sie sich nicht mehr von ihm verabschieden?
Nein, konnte ich nicht. Zu diesem Zeitpunkt war ich für einen Dreh in Prag und nicht vor Ort, als er ins Krankenhaus gekommen ist.

Als ich ein paar Tage später zurückkam, habe ich erst gehört, was passiert ist. Da lag er bereits im Koma.

Das tut mir sehr leid.
Danke.

Marvin Linke hat keinen beruflichen Plan B

Auch beruflich haben Sie Tiefen erlebt, also Zeiten ohne Engagements. Wie gehen Sie mit solchen Niederlagen um?
Ich habe gelernt, dass Absagen oft nicht an meinem Talent liegen, sondern daran, dass es jemanden gab, der besser gepasst hat. Ich hatte auch mal eine Absage, weil ich zu viele Muttermale habe.

Haben Sie in solchen Zeiten an sich gezweifelt?
Wenn ich eine längere Zeit nichts gedreht habe, fange ich an zu Zweifeln und überlege, ob der Beruf noch das Richtige ist. Die Schauspielerei ist meine Leidenschaft und wenn es damit nicht klappt, habe ich keinen anderen Beruf, auf den ich ausweichen kann.

Also haben Sie keinen Plan B?
Wenn ich nicht meine ganze Kraft in Plan A stecke, dann kann Plan A auch nichts werden. Ich bin daher kein Freund von Ausweichmöglichkeiten.

Aber ich weiß nicht, ob ich den Beruf mit 50 Jahren noch ausüben möchte.

Oder Sie kehren wieder zu "Unter Uns" zurück. Könnten Sie sich das vorstellen?
Sag niemals nie (lacht)! Es ist zwar kein aktueller Wunsch von mir, aber ausschließen würde ich eine Rückkehr nicht.

Verwendete Quellen: eigenes Interview 

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