Jochen Bendel: Moderator ist jetzt Hundetrainer

Jochen Bendel kennt man als witzigen Moderator. Inzwischen ist er aber auch Hundetrainer. Wie ernst er das nimmt, zeigt er im Interview.

Auch die Liebe zu Hunden verbindet sie: Jochen Bendel (l.) und Ehemann Matthias

Als schlagfertiger und gewitzter "Ruck Zuck"-Moderator (1992-2005) war Jochen Bendel (52, "Das Wunder der Bindung") Kult. Doch längst ist er nicht mehr nur im Unterhaltungsfach zu finden. Er ist inzwischen auch ein waschechter Hundetrainer. Wie ernst er diese Profession nimmt, wie gut er sich auskennt und wie groß seine Liebe zu den Vierbeinern ist, daran lässt er im Interview mit der Nachrichtenagentur spot on news nicht den geringsten Zweifel.

Was schätzen Sie am meisten an Hunden?

Jochen Bendel: Dass Hunde im "Hier und Jetzt" leben. Das bedeutet, dass sie bei allem, was sie tun, immer ganz bei sich sind. Sie leben nur in diesem einen Moment. Dadurch verfügen sie über die Fähigkeit, sich jederzeit voll und ganz auf neue Lebenssituationen einzustellen, selbst wenn Menschen ihnen wirklich schlimme Dinge angetan haben. Hunde vergessen nicht, aber sie geben uns jeden Moment eine neue Chance. Und ich schätze sehr, dass Hunde bis an ihr Lebensende bereit und offen sind, Neues zu lernen. Davon könnten wir Menschen uns öfter mal eine Scheibe abschneiden.

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Sie sind mit Hunden aufgewachsen. War Hundeschule früher ein Thema? Und wann und warum haben Sie die erste Hundeschule besucht?

Bendel: Ich bin mit unseren Familienhunden in den 1970ern aufgewachsen. Da gab es noch keine Hundeschulen in dem Sinn wie heute. Die erzieherische Grundausbildung haben oft die Hundesportvereine so "nebenbei" mitgemacht. Die erste Hundeschule habe ich mit meinem Mops Gizmo vor acht Jahren besucht. Er ist ein Findelkind - der klassische Rückläufer und war schon über ein halbes Jahr alt als er zu mir kam. Er kannte nicht wirklich viel und ich dachte, es könnte nicht schaden, dem jungen Hund ein erzieherisches Grundgerüst mitzugeben. Ich selbst war dabei eher weniger motiviert. Das hat mein schlauer Mops gespürt und so hielt sich seine "Lernbereitschaft" ebenfalls in Grenzen. Bei der "Platz-Übung" in der zweiten Stunde ist er plötzlich weggetrottet und hat der Trainerin ganz cool an die Tasche mit der Ausrüstung gepinkelt. Das war's dann mit Hundeschule. Heute ist Gizmo übrigens ein begeisterter Agility-Mops, der mich oft in die Hundeschule begleitet.

Was hat sich bei der Hundeerziehung über die Jahre verändert?

Bendel: Die Hundeforschung hat in den vergangenen 30 Jahren bahnbrechende wissenschaftliche Erkenntnisse über Hunde herausgefunden. Dieses Wissen hat Hundetrainern, Psychologen und Soziobiologen geholfen, Hunde viel besser zu verstehen, zu trainieren, mit ihnen zu leben und zu arbeiten. Keine andere Spezies auf diesem Planeten als der Hund hat es in mehr als 15.000 Jahren geschafft, sich so perfekt unserem Leben anzupassen, und unser Begleiter zu werden. Selbst mit unseren biologisch nächsten Verwandten, den Primaten (Menschenaffen) ist das nicht möglich. Hund und Mensch bilden im besten Fall ein perfektes Team. Noch vor 50 Jahren mussten Hunde funktionieren. Erziehungsmethoden wurden damals oft einfach aus dem Polizei-Hundesport oder der Wach- und Schutzhund-Ausbildung übernommen. Viele Geschichten geistern seit damals leider immer noch durch die Köpfe der Menschen: das Märchen vom Alphawurf, die Dominanz oder dass bestimmte Rassen einen angeborenen Aggressionstrieb hätten.

Stubenreinheit ist ein wichtiges Thema bei der Hundeerziehung. Was hat sich da verändert?

Bendel: Vor einigen Jahren hat man den Leuten noch erzählt, wenn ihr Welpe in die Wohnung macht, müssen sie ihn mit der Schnauze in sein "Geschäft" drücken und richtig schimpfen, damit er es bleibenlässt. Ein junges Hundebaby mit vielleicht gerade mal elf Wochen macht aber nur in die Wohnung, weil wir Menschen es verpennt haben, rechtzeitig mit ihm rauszugehen. Im Übrigen kann ein Welpe den kausalen Zusammenhang zwischen "auf den Teppich gepinkelt" und "schimpfen" nach wenigen Sekunden überhaupt nicht mehr herstellen. Solche Aktionen lösen bei ihm höchstens schlimme Bindungsstörungen aus, weil er die Welt dann nicht mehr versteht. Trotzdem hält sich diese Methode immer noch wacker und wird im Internet und teilweise auch von Hundetrainern weiter gepredigt.

Welche Methode ist besser?

Bendel: Zum Glück arbeiten viele Hundeschulen und Trainer heute ausschließlich auf Basis "positiver Bestärkung" und ohne das Anwenden von Strafreizen wie Schütteldosen, Wurfscheiben, Sprüh- und Stromhalsbändern oder Gewalt. Denn Hunde lernen am besten durch positive Erfahrungen und Belohnung. Außerdem spielt der Mensch an ihrer Seite eine wichtige, wenn nicht sogar die wichtigste Rolle. Nur wenn unser Hund uns wirklich vertrauen kann, ist er in der Lage, besser und schneller zu lernen, Gelerntes zu vertiefen und nur so kann er entspannt mit uns durchs Leben gehen.

Seit einem Jahr arbeiten Sie in einer Hundeschule in München als Hundetrainer. Was hat Sie bewogen Hundetrainer zu werden?

Bendel: Durch meine Sendung "Haustier sucht Herz" (Sat.1 Gold) werde ich Woche für Woche mit besonderen Tierschicksalen konfrontiert. Deshalb hatte ich den Wunsch, Hunde und ihr Verhalten besser zu verstehen und ihnen helfen zu können. Mit meinem Mann Matthias - einem Sozialpädagogen, der sich beruflich um Menschen am Rand unserer Gesellschaft kümmert -, habe ich eine einjährige intensive Ausbildung in einer der größten Hundeschulen Bayerns ("Freude am Hund") gemacht. Fast täglich haben wir dort als Auszubildende gearbeitet und den Alltag und das Training mit Mensch und Hund in einer großen Hundeschule kennengelernt. Von der Pike auf wie man sagt. Das war ganz schön anstrengend, denn an den Wochenenden fanden oft noch theoretische Fortbildungsseminare statt. Aber alle Mühen haben sich gelohnt und nach unserer bestandenen Prüfung haben wir das Angebot erhalten, in der Schule zu arbeiten. Wir lernen immer noch jeden Tag Neues dazu, aber umso schöner ist es, Menschen und ihren Fellnasen mit Rat und Tat zu Seite stehen zu können.

Auf Ihrer Homepage stehen einige Sendungen/Podcasts. Wie lange machen Sie schon Sendungen mit/über Hunde?

Bendel: Vor ungefähr vier Jahren habe ich mit der Arbeit an meiner Sendung "Haustier sucht Herz" begonnen. Unser Team besucht Tierheime und Pflegestellen in ganz Deutschland und stellt Hunde vor, die dort schon sehr lange auf einen neuen Menschen warten. Hunde, die leider immer wieder übersehen werden, einfach nur, weil sie vielleicht zu alt, zu laut oder schüchtern sind, der falschen Rasse angehören oder - das erlebe ich auch immer wieder - schwarzes Fell haben. Schwarze Hunde gelten bei vielen Menschen immer noch als besonders gefährlich und finden daher viel schwerer ein neues Zuhause. Da "Haustier sucht Herz" im gesamten deutschsprachigen Raum gesendet wird, wird unsere Hilfe gerne angenommen, und so sind wir mit der Zeit das erfolgreichste Tiervermittlungsformat Deutschlands geworden. Die andere Sendereihe heißt "Letzte Chance für vier Pfoten" (Sat.1 Gold). In dieser Sendung helfen wir mit einem Team aus Trainern und Therapeuten Menschen, die mit ihrem Haustier nicht mehr zurechtkommen. Wir begleiten die Arbeit und die Fortschritte über ein halbes Jahr hinweg und zeigen so ein realistisches Bild davon, was möglich ist und was nicht.

Sie haben das Buch "Das Wunder der Bindung" (19,99 Euro) geschrieben. Warum und was ist Ihnen dabei wichtig?

Bendel: Unsere Hunde haben für uns Menschen eine immer größere Bedeutung. Sie sind wichtige Sozialpartner, begleiten uns im Alltag und nehmen einen festen Platz in der Familie ein. Bindung ist ein großes Thema in der Hundeschule oder auf der Gassi-Wiese. Ich habe allerdings festgestellt, dass es viele unterschiedliche Interpretationen gibt, was Bindung nun genau meint, ist oder wie man Bindung erreichen und festigen kann. Deshalb habe ich mit Bindungsexperten gesprochen, Fälle und Geschichten aus meinen Sendungen und dem Alltag aus der Hundeschule herangezogen und sehr persönlich über die Bindungserfahrungen mit meinen Hunden geschrieben. Denn, die größten Fehler macht man bekanntlich ja immer selbst (lacht). Wichtig ist zu verstehen, dass Bindung nicht gleich Erziehung ist. Aber mit einer stabilen Bindung als Basis geht Erziehung leichter, lernen Hunde schneller und leben entspannter. Bindung basiert auf Vertrauen und das ist wichtig für eine glückliche Mensch-Hund Beziehung. Bindung kostet nichts, außer Geduld, Liebe und die Bereitschaft mit dem Hund möglichst viele bindungsstärkende Momente zu erleben. Am besten ein Leben lang.

Im Buch sind bezaubernde Fotos zu sehen. Wo sind diese entstanden und gibt es ein Lieblingsbild?

Bendel: Alle Bilder in diesem Buch sind in meinem Wohnort in Cuxhaven an der Nordseeküste entstanden. Das gesamte Kreativ-Team des Verlages, meine Familie und alle Hunde haben an einem wunderschönen Wochenende einfach losgelegt. Die Fotografin Debra Bardowicks hat so viele spontane Szenen eingefangen und so eine wunderschöne Stimmung geschaffen, mit ganz vielen privaten und innigen Momenten. Deshalb habe ich auch kein Lieblingsfoto. Ich finde nämlich alle einmalig.

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