Interview mit Designerin Anja Gockel : So wird aus einem Filmlook ein atemberaubendes Designerkleid

Anja Gockel zählt zu den renommiertesten deutschen Modemachern, trägt sogar den Titel "Designer of the Year 2017". In ihrer Position kann man sich die spannendsten Projekte aussuchen. Zum Beispiel sowas: Zum DVD-und Blu-ray-Release des Kinofilms "Mord im Orient-Express" designte sie ein luxuriöses Abendkleid im Stil des Films. GALA warf einen Blick hinter die Kulissen - und verlost das exklusive Designerstück

Den Entstehungsprozess des Kleides dokumentieren unsere Bilder

Anja Gockel, 49, gründete ihr gleichnamiges Modelabel 1996, nachdem sie ihre Ausbildung zur Designerin an der renommierten Modeschule "Central Saint Martens" in London abgeschlossen hatte. London war eine Station, die Anja Gockel prägte. Da passt es doch perfekt, dass der Film "Mord im Orient-Express", der Basis ihres aktuellen Projektes ist, einen Roman der Britin Agatha Christie als Hintergrund hat.

Zum Heimkinostart des bildgewaltigen Films erschuf Gockel eine Robe im Wert von 5000 Euro - die bei GALA in den kommenden Tagen verlost wird! Im Gespräch erfuhren wir mehr darüber, wie Anja Gockel arbeitet - und was sie antreibt. 

Designerin Anja Gockel

 

GALA: Wenn Sie sich ein Jahrzehnt für eine Zeitreise aussuchen könnten, welches würden Sie wählen?

Anja Gockel: Ich würde in die Goldenen 20er Jahre reisen. Zu dieser Zeit gab es einen großen Aufbruch der Frau, sie erlebte zum ersten Mal das Gefühl von Freiheit. Diese Haltung hielt sich leider nicht lange, aber es war sehr berauschend.

Der Film „Mord im Orient-Express“ spielt in den 30er Jahren. Zu dieser Zeit konnte man schon wieder einen Rückgang dieser Lebensfreude erleben. Wie würden sie die Stimmung beschreiben?

Anja Gockel: Die Klassen haben sich in der Tat wieder auseinanderdividiert und trotzdem ist die Mondänität zu einem großen Teil erhalten geblieben. Der Film erklärt diese gesellschaftliche Situation ganz ausgezeichnet. 

 (Ab 22. März als DVD, Blu-ray und Download erhältlich)

Die amerikanische Filmgeschichte wurde in den 30ern von starken Persönlichkeiten wie Marlene Dietrich und Greta Garbo geprägt. Wie fängt man diesen Spirit in einem Design ein und bringt Stärke und Weiblichkeit gleichermaßen zum Ausdruck?

Anja Gockel: Ich lasse mich da als Designerin treiben, weil wenn man sich oft zu sehr am Zeitgeschichtlichen hält und dabei schnell ein unpassendes Kostüm entstehen kann. Es geht viel mehr darum die Charakterzüge der Frauen ins heutige zu übersetzen und Parallelen zu finden: Glamouröse Stärke und Eleganz. 

In der 2017er Neuverfilmung von "Mord im Orient-Express" spielt Hollywood-Ikone Michelle Pfeiffer die Rolle der Caroline Hubbard.


Zuerst sollte dazu das rot-violette Abendkleid, das Michelle Pfeiffer im Film trägt, als Inspirationsquelle dienen. Ihr Endergebnis sieht aber doch anders und trotzdem gibt es Parallelen, richtig?

Anja Gockel: Genau, es wäre langweilig eine Kopie zu erstellen und außerdem leben wir natürlich auch heute in einer anderen Zeit. Deshalb habe ich als Parallele große Pailletten gewählt, die je nach Lichteinfluss die Farbe des Filmkleides widerspiegeln. Dadurch bekommt die Frau ein richtiges Leuchten.

Die 30er stehen ja für besonders fließende Materialien, die den Körper umspielen. Für welche Materialien haben Sie sich entschieden?

Anja Gockel: Die fließende Silhouette entsteht durch das Unterkleid, das aus einem feinen Seidenchiffon angefertigt ist. Das Kleid hat damit nichts Starres oder Skulpturales, sondern spiegelt perfekt den Zeitgeist des Films wieder. 

Ein Hauch von Kleid ist schon erkennbar - wir verraten: Es ist toll geworden!


Vionnet entwickelte zu dieser Zeit den bekannten Schrägschnitt und Ende der 30er Jahre setzte sich die Taillierung durch. Welche zeittypischen Elemente findet man in Ihrem Design?

Anja Gockel: Das Kleid ist vorne hochgeschlossen und hat einen U-Bootausschnitt, der heute wieder sehr modern ist. Dahingegen ist es hinten nur mit einem kleinen Knopf verschlossen und von einem großen Rückenausschnitt geziert. Durch die tragende Bewegung wird die Haut der Frau auch durch einen Beinschlitz sichtbar und sehr weiblich, aber auf keinen Fall vulgär, inszeniert. Die Arme sind außerdem frei, aber es besteht die Möglichkeit sie mit dem abnehmbaren Schal zu bedecken, so dass das Pailletten-Spiel auch nochmal unterbrochen wird.

Und dieses Kleid zu entwerfen war extrem viel Arbeit - Handarbeit um genau zu sein. Wie lange dauerte der Herstellungsprozess?

Anja Gockel: Insgesamt sitzt hier ein ganzes Team zwei bis drei Wochen dran, weil jede Paillette einzeln angenäht wird. Das ist natürlich sehr aufwendig und erfordert viel Zeit, aber das Endergebnis wird die Frau in einem ganz besonderen Licht erscheinen lassen.

Ihre Herbst-Winter-Kollektion 2018/19 ist von der Bürgerrechtlerin Maya Angelou inspiriert. Warum beschäftigen Sie sich immer wieder mit der Frau in der Gesellschaft?

Anja Gockel: Ich bin deutsche Vorsitzende des Vereins "International Women's Forum" und beschäftige mich schon ganz lange mit der Entwicklung der Frau. In Deutschland fällt mir immer wieder auf, wie wenig selbstbewusst die meisten Frauen haben. Ich möchte Frauen durch meine Mode Kraft und ein Bewusstsein für sich selbst geben.

Mussten Sie als Frau diese starke Haltung auch erst in sich selber suchen?

Anja Gockel: Ich hatte früher einige Komplexe und musste wirklich herausfinden, wer ich bin und was ich bewegen kann. Mode hat mir dabei geholfen, denn sie hat mich sichtbar gemacht.

In dem Film spielt Michelle Pfeiffer eine tragende Rolle. Hat sie Ihre Arbeit beeinflusst? 

Anja Gockel: Michelle Pfeiffer ist eine großartige Schauspielerin, mit der ich quasi groß geworden bin. Sie ist der Beweis, dass man sich auch mit Ende 50 noch sexy und begehrenswert fühlen kann und sollte. Genau diese Botschaft soll das Kleid transportieren.

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