Heike Makatsch im GALA-Interview: Die Schauspielerin zeigt Flagge

Heike Makatsch lässt sich von Sorgen nicht den Schlaf rauben

Sie ist nicht nur souverän und erfolgreich – Heike Makatsch sieht mit Mitte Vierzig noch genauso bezaubernd aus wie vor 20 Jahren. Damals war die VIVA-Moderatorin Vorbild einer ganzen Generation. Die Girlie-Zeiten sind längst vorbei. Makatsch, die nach einem siebenjährigen Techtelmechtel mit London wieder in Berlin lebt, ist mittlerweile Mutter dreier Kinder, glücklich liiert mit Schauspielkollege Trystan Pütter ("Ku'Damm 56"), Markenbotschafterin von L’Oréal und eine der etabliertesten Schauspielerinnen Deutschlands.

Frau Makatsch, was schätzen Sie an Berlin?

Berlin ist im Gegensatz zu London ruhiger, die Menschen haben es nicht so eilig, sie stehen nicht so unter Druck. Natürlich steigen die Mieten, der Überlebenskünstler wird irgendwie an den Rand gedrückt, dennoch ist das Lebensgefühl hier nicht nur vom Geld getrieben. Berlin ist nicht so gefällig, das mag ich. Die Historie des 20. Jahrhunderts spiegelt sich hier wider.

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Star-Style Heike Makatsch: Früher und heute

Heike Makatsch
©Gala

Viele Schauspieler sprechen sich gegen Donald Trump aus. Wie ist Ihre Haltung?

Das ist wirklich eine sehr schwere Frage. In Zeiten, in denen jeder eine Meinung hat und seinen Senf dazugeben will, bekomme ich oft das Gefühl, dass ich mich zurückziehen muss und eher meine Kunst sprechen lasse. Gerade habe ich einen Kurzfilm gedreht, der "Speechless" heißt und die Flüchtlingsthematik und unsere Hilflosigkeit angesichts des Elends dieser vielen unschuldigen Menschen aufgreift. Ich habe mich sehr gefreut, dort mitspielen zu dürfen, weil ich der Meinung bin, dass man auch so Zeichen setzen kann.

Also halten Sie sich zurück?

Ich bewundere Meryl Streep dafür, dass sie sich so offen und kritisch geäußert hat. Meine Zurückhaltung stammt teils daher, dass mich das Durchdringen dieser komplexen Welt auch überfordert und die Gründe für Entwicklungen teilweise schwer auf einen Punkt zu bringen sind. Da sich der nationalistische Rechtsruck nicht nur in Amerika, sondern auch bei uns in Europa jedoch immer mehr zuspitzt, ist die Zeit für Zögerlichkeit vorbei. Ich positioniere mich laut und klar gegen den menschenverachtenden Populismus, der überall hoffähig gemacht wird.

Sind Sie als Mutter nun ängstlicher geworden?

Es findet plötzlich eine Gegenbewegung statt, und die neue Generation hat die Möglichkeit, das Ruder rumzureißen. Ich habe das Gefühl, dass viele Menschen jetzt wachgerüttelt werden. Ich sehe das also eher als Chance.

Familienglück: Heike Makatsch, 45, und Trystan Pütter, 36, sind 2015 Eltern einer Tochter geworden

Sie haben keine Sorgen?

Natürlich habe ich Sorgen, wenn ich mir die Welt anschaue. Sie halten mich nachts aber nicht vom Schlafen ab.

Sie haben Studium und Lehre abgebrochen, sind dann zum Fernsehen gegangen. Wie würden Sie reagieren, wenn eines Ihrer Kinder dies täte?

Heutzutage gibt es den stringenten Weg hin zu einer beruflichen Zufriedenheit oder Sicherheit meiner Meinung nach eh nicht mehr. Den Menschen wird überall Flexibilität abverlangt, sie müssen sich ständig neu dem Arbeitsmarkt anpassen, der mächtiger ist als der Arbeitnehmer. Es gibt keine Sicherheiten.

Wie gehen Sie mit dem Älterwerden um?

Ich freue mich darüber, dass es sich nicht schlimm anfühlt. Die Menschen, die ich liebe, werden ja zum Glück auch älter, und so ist man irgendwie immer noch unter sich. Wenn ich mir meinen besten Freund aus der Schulzeit anschaue, denke ich: Du hast dich gar nicht verändert. (lacht) Nun ist es aber auch so, dass sich mit dem Alter auch die Prioritäten verschieben. Mir sind mittlerweile andere Dinge wichtig als früher. Damals habe ich mir Gedanken darüber gemacht, wie es wohl ist, wenn ich mit 30 eine der Ältesten in der Disco bin. Doch das Bedürfnis, in die Disco zu gehen, wurde mit den Jahren immer kleiner. Und genauso harmonisch entwickelt sich das auch in anderen Lebensbereichen. Glück verbinde ich nicht mit Jugend. Als junge Frau hatte ich viele Baustellen, die ich verstehen und bearbeiten musste. Heute habe ich viele dieser Punkte überwunden und bin zufrieden.

Sind Sie heute glücklicher als vor 20 Jahren?

Ich würde sagen, dass ich mich gerade sehr gut fühle, es ist alles sehr rund.

Sie haben drei Töchter. Geht das auch mal chaotisch zu?

Ich sage mal so: Es ist eine großartige Lebensaufgabe!

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