Enno Bunger: Neues Album erzählt von Tod und Hoffnung

Enno Bunger veröffentlicht am 26. Juli ein neues Album. Im Interview verrät er, wie er damit schwere Schicksalsschläge verarbeitet hat.

"Für mich war das Klavier immer wie eine Art Therapeut oder Kummerkasten", sagt Enno Bunger.

Enno Bunger (32, "Regen") veröffentlicht am 26. Juli ein Album, das emotionaler nicht sein könnte. Er verarbeitet in "Was berührt, das bleibt" den Tod einer engen Freundin und die vergangene Krebserkrankung seiner eigenen Freundin. Im Interview mit spot on news erzählt er seine Geschichte, wie er damit umgeht und warum sein Album Hoffnung macht.

"Das ist eine sehr besondere Platte und ich hoffe und glaube auch, dass ich so ein Album nie wieder schreiben werde", sagt Enno Bunger über "Was berührt, das bleibt". Die Geschichte des Albums beginnt im Sommer 2016: Bunger ist gerade auf Tour mit seinem letzten Album "Flüssiges Glück" (2015). Lena, die Freundin von Nils, seinem besten Freund und Schlagzeuger der Band, erhält die Diagnose Leukämie.

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Anfang des nächsten Jahres geht es Enno Bungers eigener Freundin Sarah plötzlich schlecht, bei ihr wird eine andere Form von Krebs diagnostiziert. "Wenn der Mensch, den du liebst, plötzlich lebensbedrohlich erkrankt, dann macht das was mit einem. Das nimmt einem das komplette Grundvertrauen, die Leichtigkeit. Das zieht einen komplett raus, wenn man sich mit so ernsten Fragen in so einem jungen Alter auseinandersetzen muss", so der 32-Jährige.

Vorübergehend geheilt

Sarah ist zu diesem Zeitpunkt 23, Lena 28 Jahre alt. "Das ist einfach unfair. Aber das Leben ist nun mal nicht fair." Der Krebs von Sarah kann schneller in den Griff gebracht werden, Lena jedoch hat mit einer schlechteren Prognose zu kämpfen. "Sie hat aber einen passenden Knochenmarkspender gefunden, wodurch sie vorübergehend als geheilt galt. Ich kann nur alle Menschen, die das hier lesen, bitten, registriert Euch bei der DKMS und geht Blut spenden. Das ist total einfach, tut nicht weh und kann Leben retten oder wenigstens verlängern." Im Sommer feiern Lena und Nils ihre Hochzeit - Enno Bungers Geschenk ist eine Trauzeugenrede, als Song verpackt. "Ponyhof", so der Titel, der auch auf dem neuen Album zu finden ist. "Das war ein sehr besonderes Fest, einer der schönsten Tage meines Lebens", sagt Bunger rückblickend.

Zwei Wochen später geht es Lena plötzlich wieder schlechter - die Leukämie ist zurückgekehrt. Drei Monate später stirbt sie. "Diese Erlebnisse prägen jeden Song, den man auf der Platte hört. Auch die positiven Songs. Der Tod definiert das Leben, die Zeit, die man hat, muss man jetzt nutzen. Das ist das Wertvollste, was wir haben. Keine Kompromisse mehr aus Bequemlichkeit oder Feigheit eingehen, sondern jetzt die Dinge machen, die man schon immer machen wollte. Jetzt den Menschen, die man liebt, genau das zu sagen und mit ihnen die Zeit verbringen, die man noch hat und nichts mehr aufschieben."

"Jedes Mal, wenn ich darüber rede, geht es mir besser"

Wie er es schafft, diese emotionalen Songs auf seinen Konzerten zu singen? "Mittlerweile habe ich einen Schutzpanzer aufgebaut - dadurch, dass ich so viel über diese Geschehnisse rede in Interviews und mich davor im Schreibprozess auseinandergesetzt habe." Beim Texten der Songs war Bunger nicht auf sich allein gestellt. "Mit den Menschen, mit denen ich diese Dinge durchlebt habe, Sarah und Nils, habe ich über alles gesprochen, jede Zeile ist von ihnen abgesegnet. Meine Freundin Sarah Muldoon ist ja selbst auch eine sehr kreative Songwriterin, ich habe viele Texte mit ihr zusammen geschrieben." Das Schreiben und Singen seien für ihn wie eine Form der Selbsttherapie. "Jedes Mal, wenn ich darüber rede, geht es mir besser, weil sich die Wunde etwas weiter schließt."

"Roger Willemsen hat einen der treffendsten Sätze aller Zeiten gesagt: 'Man kann das Leben nicht verlängern, aber man kann es verdichten.' Das will ich versuchen." "Was berührt, das bleibt" hat Enno Bunger nicht nur für sich selbst geschrieben. "Das sind meine Erfahrungen, aber ich spreche ganz oft ein 'Dich' an. Das ist ein Appell an mich, aber auch an jeden, der es hört. Da geht es darum, dass die Zeit kostbar ist, dass man sie jetzt nutzt. Das ist auch nichts Neues, das weiß ich auch, aber ich fülle das mit der erklärenden Geschichte dahinter: Das passiert. Und das kann leider auch jedem von uns passieren. Das kann auch mir selbst passieren. Ich kann auch bald krank werden oder ich renne gegen einen Laternenpfahl und kippe tot um. Der Tod wartet an jeder Ecke und auch unter deinem Bett."

"Sich dessen bewusst zu sein, sollte einen nicht vor dem Leben verschrecken, sondern einen antreiben, dass man sich mehr zutraut und keine Angst hat, das Leben anzugehen." Schon als Kind hat Enno Bunger Erlebnisse in der Musik verarbeitet. "Für mich war das Klavier immer wie eine Art Therapeut oder Kummerkasten", erklärt er.

"Sie war so unglaublich stark"

Einer der emotionalsten Songs des Albums ist "Konfetti". Darin geht es um Lena, die verstorbene Frau des Band-Schlagzeugers. "Für 'Konfetti' habe ich so viel über Lena geschrieben, wie toll diese Frau war, wie cool, wie stark, wie sehr sie mich beeindruckt hat, in ihrer ganzen Art und Weise, ihrer Einstellung vor der Erkrankung, aber danach noch mehr. Sie musste gestützt werden, aber hat alle getragen. Sie war so unglaublich stark." Trotz der großen Trauer hat der ganzen Band auch schwarzer Humor über die schwere Zeit hinweg geholfen. "Wir lachen sehr gerne und viel, und pflegen einen sehr speziellen Humor. Den versteht man auch erstmal nicht, wenn man uns zuhört", erzählt Bunger.

"Man ist immer sein eigener Held"

Neben traurigen Songs gibt es aber auch Mut machende Lieder, so wie der Superhelden-Song "Niemand wird Dich retten". "Bei 'Niemand wird Dich retten' bin ich einfach Mega-Fan von der Zeile 'Du suchst überall nach einem Helden, doch hier ist niemand, der einen Clark kennt.' Da hab ich mich einfach eine Woche lang drüber gefreut." In dem Song geht es darum, sich nicht von anderen Menschen und Umständen abhängig zu machen. "Man ist immer sein eigener Held", sagt Enno Bunger.

Den Abschluss des Albums bildet "Weichzeichnungsfilter", ein Song, in dem Bunger von seinen Kindheitserinnerungen erzählt. "Das ist so ein versöhnlicher Abschluss mit meinen früheren emotionalsten Momenten und Gefühlsausbrüchen, die im Nachhinein lustig erscheinen. Wenn du als Kind aber heulst, dann ist das die absolute Verzweiflung, der absolute Weltuntergang. Wenn ich heute heule über etwas, das mich wahnsinnig bestürzt, kann ich auch in ein paar Jahren drüber lachen. Bei einem Thema wie Tod ist das natürlich eigentlich unmöglich, aber irgendwann verwandelt sich Trauer in Dankbarkeit. Das meine ich mit dem Weichzeichnungsfilter, der auf alles irgendwann einen Filter der Versöhnung legt, damit man mit vielem seinen Frieden machen kann."

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