Elena + Mathieu Carrière: "Zwischen uns gibt es kein heimlich"

Mathieu Carrière und Elena Carrière sind nicht nur Vater und Tochter, sondern auch WG-Mitbewohner. Ein Gespräch über Partys und Putzen, Scharade und Schach

Elena Carrière, Mathieu Carrière

Reizüberflutung fürs Auge, als wir die Altbauwohnung im alternativen Hamburger Stadtteil Ottensen betreten. Die Wände im Wohnungsflur sind von oben bis unten bemalt und beschrieben. Dazwischen hängen Poster, Zeitungsartikel und erste Schreibversuche von , die sie als Kleinkind an ihren Vater Mathieu geschickt hat. "Lieber Papi, herzlichen Glückwunsch zum Geburztag ... Wir haben drei kleine Kezen Bebis gefunden. Ich möchte gern auch dafon einz haben. Deine liebe ", steht da.

Schauspieler , 66, der ab 24. Juni bei den Karl-May-Spielen in Bad Segeberg auftritt, lächelt stolz, als er GALA durch die Wohnung führt. "Das sind die Altlasten der Liebe", sagt er und deutet im nächsten Moment auf ein kleines Schlüsselregal neben der Haustür, das er zweckentfremdet hat. Daran hängen eine Clutch, eine Herrenunterhose und ein Damenslip. "Was bei uns vergessen wird, kann hier wieder abgeholt werden", sagt er grinsend. Uns: Das sind Mathieu Carrière und seine drei Mitbewohner, die nicht älter als Ende 20 sind. Und Tochter Elena, die bis vor kurzem noch hier wohnte.

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Eine junge und kluge Frau, die bewusst ihren Castingshow-Stempel losgeworden ist, seit sie im Jahr 2016 bei "Germany’s next Topmodel" Zweite wurde. Heute verdient Elena erfolgreich ihr Geld als Model und Influencerin. Und sie macht sich für Menschenrechtsorganisationen wie Terre des Femmes stark. Kraft für ihre Jobs und die vielen Reisen um die Welt tankt die 20-Jährige, wenn sie umgeben von ihren Liebsten ist – und in ihrer alten Wohngemeinschaft mit Papa Mathieu "einfach abchillt" …

Was bedeutet Ihnen die WG?

Elena: Für mich ist das meine Homebase. Kurz nach meiner Geburt haben meine Eltern sich in diese Wohnung verliebt. Als ich vier war, trennten sie sich, und bin ich mit meiner Mutter nach Venedig gezogen. In den Sommerferien war ich immer hier bei Mathieu. Mit 15 Jahren bin ich mit meiner Mutter zurück nach Hamburg und zwischen meinen Eltern gependelt. Wenn ich Lust auf Action hatte, bin ich zu Mathieu. In der Abi-Phase war ich mehr bei meiner Mutter, weil es dort deutlich ruhiger ist. (lacht) Aber an diesen Ort knüpfe ich die meisten Erinnerungen. Das ist sozusagen meine Kindheitswohnung.

Herr Carrière, warum leben Sie mit jungen Leuten in einer Wohngemeinschaft?

Mathieu: Warum nicht? Wir haben Spaß miteinander, ich lerne viel von ihnen und fühle mich 20 Jahre jünger. Das ist ein großes Glück für mich.

Elena Carrière, Mathieu Carrière

Elena, nun sind Sie aber ausgezogen.

Elena: Mein bester Freund wohnt jetzt in meinem Zimmer, und ich kann hier immer übernachten. Mir war es extrem wichtig, für mich allein einen Rückzugsort zu haben. Ich bin auch ein richtiger Morgenmuffel.

Mathieu: Wenn ich ihr morgens einen Kaffee ins Zimmer gebracht habe, wurde ich meist rausgeschmissen. So ist Elena. Wenn ihr was nicht passt, artikuliert sie das hart und präzise. Aber sie bleibt dabei herzlich und ist nicht nachtragend.

Behandeln Sie Ihre Tochter wie eine Prinzessin?

Mathieu: Überhaupt nicht. Ich bin einfach nur beeindruckt von Elena. Sie war jahrelang sauer auf mich, weil sie meinte, ich mache ihr immer nur Komplimente. Aber wenn ich sie mal daran erinnere, dass mir ihre Schuhe nicht gefallen, dann passt es ihr auch nicht.

Elena: Manchmal ist es mir schon unangenehm, wenn er vor Leuten, die wir noch nicht so gut kennen, plötzlich von mir schwärmt. Da ist meine Mutter dann eher der Gegenpol, der auch mal Kritik übt und mich erdet.

Sie sprechen Ihren Vater mit Mathieu an. Nennen Sie Ihre Mutter auch beim Vornamen?

Elena: Mit meiner Mutter habe ich diese typische Mutter-Tochter-Beziehung, daher nenne ich sie Mami. Mathieu rede ich mit Mathieu an, weil er für mich nicht die klassische Vaterfigur ist. Mathieu ist mein Vorbild-Kumpel. So war das schon immer, und so wird es auch bleiben. Obwohl, wenn ich ein bisschen kränklich bin oder rumjammere, dann rufe ich schon mal "Papi".

Wie war es, den eigenen Vater als Mitbewohner zu haben?

Elena: Lustig, chaotisch, herzlich und familiär. Mit Mathieu führt man intensive Gespräche bis tief in die Nacht. Am liebsten spielen wir in der WG Scharade – da kreischen und lachen wir uns einen ab. Und dann gibt es die ganz normalen WG-Momente, wenn man morgens noch grumpy und vercruncht vom Feiern nach Hause kommt, ins Bett fällt und seine Stimme durch die Tür hört: "Wer hat jetzt schon wieder den Müll nicht runtergebracht?!" Wobei er mich nie angeschissen hat, wenn ich mal vergessen hatte, einen Karton runterzubringen. Manchmal war das schon unfair den anderen gegenüber.

Also gibt er bei den Mitbewohnern den Takt an?

Elena: Mathieu würde sich nie als das Oberhaupt der WG bezeichnen, obwohl natürlich alle wissen, dass ihm die Wohnung gehört. Wenn er nicht da ist, dann bin ich inoffiziell der Chef. Wobei ich kulanter bin als er. Ich bin kein Putzfreak oder so. Es ist okay für mich, wenn es ein bisschen messy ist.

Mathieu: Ich bin eben keine sehr gute, aber dafür engagierte Putzfrau.

Heimlich Partys geschmissen, wenn Daddy außer Haus war?

Elena: Zwischen Mathieu und mir gibt es kein heimlich. Wir sprechen über alles. Selbst über die kleinsten Details. Das macht unsere Beziehung so außergewöhnlich. Bei den meisten Partys hier macht er mit. Geht dann aber als Erster ins Bett. Vorher hält Mathieu dann immer eine seiner berüchtigten Reden. Er stellt sich bei den Leuten vor, die er noch nicht kennt, und sagt: "Leute, es gibt hier ein paar Regeln. Kein ungeschützter Geschlechtsverkehr, keine harten Drogen. Nicht hauen und nicht klauen." Der Rest ist ihm recht.

Die Wände im Flur sind mit Sprüchen bekritzelt. Dort hebt Mathieu Carrière auch Briefe und Zeichnungen seiner Tochter Elena auf, die sie ihm als Kind geschenkt hat

Elena, wie sind Sie erzogen worden?

Elena: Von meiner Mutter habe ich die moralischen Werte vermittelt bekommen. Von meinem Dad mehr die Offenheit gegenüber Menschen. Ich kenne niemanden, der so unterschiedliche Leuten zu seinem Freundeskreis zählt. Allein die Tatsache, dass meine Freunde seine Freunde sind, hier rumspringen und ihm drei Stunden lang von ihren Beziehungsproblemen erzählen, um anschließend mit ihm Schach zu spielen – das kann nicht jeder über seinen Dad behaupten.

Sind Sie sich sehr ähnlich?

Elena: Mathieu und ich sind beide extrem impulsive Menschen. Aber gleichzeitig sind wir auch sehr rational. Deshalb können wir uns auch so gut für zehn Minuten derbe doll anmachen, und danach ist wieder alles gut.

Mathieu: Sie ist vorsichtig und besonnen wie ihre Mutter, analytisch und schnell im Denken wie ich. Ich würde sagen: Von ihrer Mutter hat sie die Anmut, von mir den Humor.

Haben Sie mitbekommen, als Ihre Eltern seinerzeit öffentlich einen Sorgerechtsstreit um Sie austrugen?

Elena: Ich habe das als Kind nicht gespürt, weil meine Mutter mich aus dem öffentlichen Kreuzfeuer raushielt. Mathieu kam dann, als ich mit meiner Mutter in Italien war, jeden Monat für eine Woche nach Venedig. Für mich war das ganz normal.

Ihr Vater ging für Sie zehn Tage ins Gefängnis, um für seine Rechte zu kämpfen. Hat das Ihre Beziehung zueinander bestärkt?

Elena: Zu wissen, dass es eine Person gibt, die dich so sehr liebt und niemals aufgibt – egal in welcher finanziellen oder psychischen Notlage sie steckt, und die deshalb sogar ihren Ruf riskiert – das ist beeindruckend. Mathieu hat da Tolles geleistet. Er hat es nicht nur für mich getan. Es ging ihm, so wie er sagt, um die Kinderrechte. Er hat mit durchgesetzt, dass Kinder ihren Vater heute genauso lange sehen dürfen wie die Mutter.

Herr Carrière, wohnen Sie deshalb auch mit jungen Menschen zusammen, um Zeit nachzuholen, die Sie mit ihrer Tochter nicht hatten?

Mathieu: Zeit kann man nicht nachholen. Und hier wohnen ja keine Kinder. Ich sehe mich eher als Patchwork-Familien-Onkel, aber übernehme natürlich, wenn nötig, elterliche Verantwortung. Ich höre ihnen zu, helfe ihnen bei den Klausuren oder schenke ihnen mal ein Buch. Im Grunde sind wir so eine Art Spiel-Club. Und wenn hier gepokert wird oder die Scharaden abgehen, bleibt kein Auge trocken.

Ihre Eltern leben heute wieder in Hamburg. Wie würden Sie deren Verhältnis beschreiben?

Elena: Meine Eltern verstehen sich wieder super. Mein Dad sagt heute: "Ich liebe Bettina noch genauso wie früher." (lacht) Aber damals passte es einfach nicht mehr. Neulich waren wir alle zusammen im Theater. Ich saß zwischen beiden und habe ihre Hände gehalten. In diesem Moment habe ich die Energie zwischen uns gespürt. Auch wenn das jetzt bescheuert klingt, ich war plötzlich richtig bei mir. Ich hab uns gefühlt.

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Dianna Agron, Lea Michele

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