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Christina Ricci im GALA-Interview "Früher war ich neurotisch"

Der schräge Kinderstar von einst hat sich komplett verändert. Und wundert sich über sein altes Ich

Das mysteriöse Mädchen mit den pechschwarzen Zöpfen und dem unheimlichen Blick machte sie über Nacht weltweit zum Kinderstar. Nach ihrer Rolle in "The Addams Family" wurde Christina Ricci, damals erst elf Jahre alt, galt sie als schräge Außenseiterin.
Inzwischen ist sie selbst Mutter eines anderthalbjährigen Sohnes. Und bringt jetzt "ihr Baby", wie sie es selbst nennt, an den Start: Ende Januar startet ihre selbst produzierte neue Amazon-Serie "Z: The Beginning Of Everything" – mit Ricci in der Hauptrolle.
Wir trafen die 36-Jährige in Berlin und sprachen mit ihr über ihre große Wandlung, die hinter ihr liegt.

Sie wurden früher als launisch und schwierig beschrieben – sind Sie immer noch zum Fürchten? 

Ich habe mich in all den Jahren sehr verändert. Aber es gab auch Leute, denen gefiel es ganz einfach nicht, dass ich als junge Frau eine klare Meinung hatte, die nicht unbedingt mit ihrer übereinstimmte. Oder dass ich bei ihren Witzen nicht gelacht habe …

Sie gelten eben nicht als Everybody’s Darling und sind auch nicht dafür bekannt, immer lieb zu lächeln.

Vielleicht hätte ich davon aber etwas mehr gebrauchen können. (lacht) Es war auch nicht immer alles hundertprozentig korrekt, was über mich erzählt wurde, als ich jünger war. Ich hatte immer viel damit zu tun, die Erwartungshaltung anderer zu erfüllen.

War das schwer für Sie?

Ja. Es gefiel mir gar nicht. Es war für mich als Teenager nicht gerade eine spaßige Zeit. Aber da musste ich durch. Es werden die schlimmsten Sachen über berühmte Leute erzählt.
Man muss irgendwann akzeptieren, dass das wohl in der Natur des Menschen liegt.

Gab es damals jemanden, der Ihnen helfen konnte?

Ich musste für mich selbst einen Weg finden und lernen damit umzugehen. 

Ich habe noch nie auf die Ratschläge anderer gehört, ich musste und wollte immer meine eigenen Erfahrungen machen.

Sie werden sich in der neuen Serie nackt zeigen, was für ein gesundes Selbstbewusstsein spricht. Als sehr junge Frau waren Sie autoaggressiv. Fühlen Sie sich inzwischen wohl in Ihrem Körper?

Das liegt wohl ganz klar am Älterwerden. Wenn du jung bist, ist dir dein Aussehen so unglaublich wichtig. Ich habe mich verrückt gemacht. Je älter du wirst, desto mehr denkst du: Hätte ich nur damals gewusst, dass ich niemals wieder so süß aussehen werde – ich wäre die ganze Zeit nackt rumgelaufen. (lacht)

Wir Frauen machen uns einfach zu viele Gedanken …

Absolut! Als ich schwanger war, habe ich zu meiner Schwester gesagt: Hätte ich gewusst, dass mein Körper mal so aussehen würde, hätte ich mich als 20-Jährige nie beschwert.

Was war für Sie die größte Lehre Ihres Lebens?

Es gab früher so viele Sachen, die ich nicht kontrollieren konnte, was zur Folge hatte, dass mir alles egal wurde. Das kann natürlich nicht der richtige Weg sein. Ich habe gelernt zu erkennen, was im Leben wirklich wichtig ist.

Zum Beispiel?

Es ist sowas von egal, ob ich Pickel habe oder mein Make-up nicht sitzt. Wen interessiert es, ob es ein Foto gibt, auf dem ich alt oder hässlich aussehe? Mich zum Glück nicht mehr, das war früher. Ich würde niemals wieder 20 sein wollen – mit all diesen kranken Gedanken in meinem Kopf. Ich war wirklich sehr neurotisch. Worauf es mir heute ankommt, ist meine Familie.

Inwieweit hat Sie Ihre Mutterrolle verändert?

Muttersein verändert alles. Ich hatte keinen Schimmer, wie erwachsen mich das machen würde. Man ist einfach komplett für einen anderen Menschen verantwortlich, egal, was passiert. Das hat mich reifer gemacht.

Ilka Peemöller Gala


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