Andrea Sawatzki im GALA-Interview: "Schmerzhafte Fehler gehören dazu"

Wenn Andrea Sawatzki "Familie Bundschuh" mit einem Wort beschreiben muss, kommt ihr "Spiegel" in den Sinn. Mit Witz und Humor fasst die Schauspielerin in ihrem Roman "Ihr seid natürlich eingeladen" ihre Beobachtungen der Gesellschaft in Worte

Gundula (Andrea Sawatzki) ist am Ende: Die Hochzeit ihres Sohnes versinkt im Schlamm.

Im dritten Teil der "Familie Bundschuh" verkündet der 21-Jährige Familiensohn, in nur wenigen Tagen zu heiraten. Seine Verlobte ist eine dunkelhäutige Amerikanerin und bereits im siebten Monat schwanger. Im Film gerät Andrea Sawatzki, 55, in ihrer Mutterrolle ins Wanken, aber auch privat sieht sie "Familie Bundschuh" immer wieder als Herausforderung. Vielleicht auch, weil ihre Filmrolle der Gundula sich die Gedanken vieler Frauen um die 50 macht - auch Sawatzki selbst. 

"Man hat immer diese Angst, man fühlt sich immer schuldig, wenn einem eine Schwangerschaft passiert". So haben Sie Ihre Gefühlslage erklärt, als Sie 2001 Ihrer damaligen Filmchefin von Ihrer zweiten Schwangerschaft erzählt haben. Was hat sich seitdem verändert?

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©Gala

Heute würde mir das nicht mehr passieren. Aber unsere Gesellschaft hat sich in den letzten Jahren prinzipiell verändert. Meine zweite Schwangerschaft ist mittlerweile 15 Jahre her und die Frauen in meiner Branche sind viel selbstbewusster und haben mehr Vertrauen in sich. 

Sie haben einmal ganz herrlich Willy Brandt zitiert "Unsere Emanzipation ist eine Schnecke auf Glatteis". Ist es immer noch so oder sind wir vielleicht schon als Schildkröte unterwegs?

Ja, das könnte man so sagen (lacht). Wir machen eine Entwicklung: Langsam, aber stetig!

Emanzipation hat auch etwas mit Schubladendenken zu tun. Ein wichtiges Stilmittel in Ihrem Film. Warum?

Ich habe es ganz bewusst eingesetzt. Egal, wie sehr man manche Verhaltensweisen vermeiden möchte, wiederholt sie jeder von uns unbewusst. Familie Bundschuh denkt, absolut tolerant und weltoffen zu sein, aber im Laufe der Geschichte wird deutlich, wie schwer es ist, die guten Vorsätze aufrecht zu erhalten. Klischees sind da die beste Möglichkeit, um den Zuschauer sich selber wiedererkennen zu lassen.

Ist es denn ihr Ziel, mit den Bundschuhs für die Auflösung von Schubladendenken zu sorgen?

Naja, ich meine es nicht bösartig. Ich möchte der Gesellschaft einen Spiegel geben, in dem sich die Menschen selber sehen können, aber auch das Lachen über sich selbst lernen. Ich mache das nicht mit einem erhobenen Zeigefinger, auch weil es mir hilft, Dinge für mich klarzustellen. Ich liebe schwarze Komödien, weil sie immer ein gewisses Potenzial an Kritik dem Menschen gegenüber mitbringen.

In der Vergangenheit haben Sie auch viele Thriller sowohl selbst geschrieben als auch gedreht. Welches Genre liegt Ihnen mehr am Herzen?

Ich bin da eigentlich ziemlich offen, zumal die schwarze Komödie und ein Thriller für mich sehr nah aneinander liegen. Bei beiden geht es um die Unfähigkeit, eine Situation zu überwinden. Das kann dann in eine aggressive Richtung gehen oder eben in die andere. Aber selbst Familie Bundschuh ist nicht perfekt und unschuldig.

Gibt es Parallelen zwischen Ihrer eigenen Familie und den Bundschuhs?

Nein, gar nicht. Meine eigene Familie, also mein Mann und meine zwei Söhne, sind zum Glück völlig anders.

Wie würde denn Andrea Sawatzki darauf reagieren, wenn einer ihrer Söhne jetzt plötzlich heiraten würde? Sie sind ja in einem ähnlichen Alter wie ihr Filmsohn.

Gott, wie würde ich reagieren? Ich würde vielleicht anmerken, dass ich es doch etwas verfrüht finde. Aber je mehr Widerstand man als Mutter leistet, umso mehr wird man scheitern.  Die Kinder müssen ihre eigenen Erfahrungen machen. Insofern wäre ich da wahrscheinlich so ähnlich wie Gundula, die mir sowieso in vielen Dingen ziemlich ähnlich ist.

Können Sie ein Beispiel nennen?

Vielleicht die zeitweise aufkommende Verzweiflung an sich selbst. Das Gefühl, alles gar nicht so zu schaffen, wie man eigentlich will. Dass Pläne manchmal zeitlich gar nicht realisierbar sind oder die banale Kleinigkeit, das Haus ständig ordentlich zu halten. Das zu akzeptieren fällt nicht nur Gundula und mir schwer, sondern sehr vielen Frauen um die 50. Wir könnten eigentlich alle zufrieden sein, sind aber so selbstkritisch.

Wie stehen Sie zu Fehlern im Leben?

Mittlerweile positiv. Auch schmerzhafte Fehler gehören dazu und daraus zu lernen ist die beste Möglichkeit, mit ihnen umzugehen. Das sage ich auch immer wieder unseren Söhnen.

Und wie geht es von diesem Punkt an weiter – beruflich und privat?

Privat setzen wir gerade alles daran, unseren Kindern ein gutes Podest für den Absprung in ein eigenes Leben zu bauen. Der Große ist schon flügge, der Jüngere ist kurz davor und das beschäftigt uns natürlich. Ansonsten schreibe ich gerade an der vierten Geschichte der Bundschuhs und im Herbst stehen wir hoffentlich wieder alle zusammen am Set.

Im TV: ZDF, 28.05.2018, 20:15 - 21:45

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