"GALA Beauty Idol" Waris Dirie: "Starksein, das habe ich geerbt"

Waris Dirie ist GALA Beauty Idol 2018. Wir sprachen mit ihr über Mut, ­Müdigkeit – und über ihre handysüchtigen Kinder

Waris Dirie

Dass sie bereits für die größten Modefotografen der Welt vor der Kamera stand, merkt man Waris Dirie, 53, sofort an. Ein geplantes GALA-Shooting von einer Stunde ist bei ihr bereits nach 30 Minuten im Kasten. "Ich weiß eben, wie ich meinen Job zu machen habe", sagt sie selbstsicher und prustet laut los, als die Blüten der Magnolien sie an der Nase kitzeln.

Hier im Garten des "Brenners Park-Hotel & Spa" in Baden-Baden, wo sie am Abend der GALA SPA AWARDs  als "Beauty Idol 2018" gekürt wird, treffen wir auf eine Frau, die 1987 als farbiges Model neben Naomi Campbell durch den Pirelli-­Kalender berühmt wurde. Zehn Jahre später wagte Waris einen mutigen Schritt: Sie veröffentlichte ihre Autobiografie "Wüstenblume" und rückte erstmals das Thema "Genitalverstümmelung bei Mädchen" in den Fokus der Öffentlichkeit.

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©Gala

Seither engagiert sich die ehemalige UN-Sonderbotschafterin für die Rechte von Frauen. Was sich dadurch in ihrem Leben verändert hat, das erzählt sie GALA, ganz gemütlich, auf dem Bett ihrer Suite.

Was konnten Sie durch Ihr ­Engagement bewirken?

Ich glaube, ich habe die Welt schockiert, als ich auf die Geschlechtsverstüm­melung von kleinen Mädchen in Afrika aufmerksam gemacht habe. Seitdem gibt es viele Organisationen, die sich für die Rechte der Mädchen einsetzen. Die Frauen haben durch mich zum ersten Mal erfahren, dass sie eine Stimme haben und sie einsetzen können, um für ihr Leben zu kämpfen. Trotzdem gibt es die Beschneidungen weiterhin. Jeden Tag. Am Ende kann nur Geld etwas bewirken.

Was meinen Sie damit?

In diesen Ländern werden Frauen als Währung betrachtet. Sie werden verkauft, getauscht … Nehmen Sie meine Story: Mein Vater hat mich für fünf ­Kamele an einen alten Mann abgegeben, damit meine Familie zu essen hat.

Macht das Kämpfen irgendwann müde?

Ja, nach zehn Jahren hatte ich genug. Ich habe mich gefragt: Warum soll das meine Lebensaufgabe sein? Dann habe ich einen Weg für mich gefunden. Ich will nicht nur über mein Schicksal sprechen, sondern Mädchen helfen, indem ich ihnen Bildung ermög­liche. Wenn sie lesen und schreiben können, werden sie für sich selbst eintreten. Daher habe ich mit meiner Stiftung in Afrika Mädchenschulen gegründet.

Wann waren Sie zuletzt dort?

Vor acht Jahren. In Äthiopien habe ich einen Teil meiner Geschwister sowie Mama wieder getroffen. Mein Heimatland Somalia habe ich das letzte Mal 2001 besucht. Es ist zu gefährlich.

Lebt Ihre Mutter noch?

Ja, sie wird bestimmt 100 Jahre alt. Meine Mama ist eine starke Frau. Starksein habe ich wohl von ihr geerbt. Ich hoffe nur, nicht auch ihr schlechtes Gehör. Wenn wir telefonieren, muss ich sie immer anschreien. (lacht)

Wunderschön und ­engagiert: ­Waris Dirie, "GALA Beauty Idol 2018", hier bei unserem Shooting

Wie ist Ihr Verhältnis?

Ich kenne meine Mutter in- und auswendig. Sie ist ich. Ich bin sie. Je älter ich werde, desto mehr wird mir das bewusst. Es fängt schon mit dem Blick in den Spiegel an. Ich sehe heute aus wie meine Mutter. (lacht) Ich liebe sie und werfe ihr nicht vor, was damals mit mir als Kind passiert ist. Sie wusste es nicht besser. Nach vielen Diskussionen und Streits hat sie endlich verstanden, dass das, was als Ritual gilt, einfach falsch ist. Sie erzählte mir, dass sie in den Dörfern den Frauen sagt, ich sei eine Polizistin in Europa und kämpfe gegen die Geschlechtsverstümmelung. Das macht mich stolz.

Hat der Rest Ihrer Familie es auch verstanden?

Nein. Mein jüngerer Bruder hat seine sechs Mädchen beschneiden lassen. Ich habe ihn angefleht, es nicht zu tun. Ich habe ihm sogar Geld geboten.

Sind Ihre vier Kinder stolz auf ihre mutige Mutter?

Das sind alles Faulpelze. Ich finde, die jungen Leute sind heute alle irgendwie verloren. Sie haben keine Ziele. Sie wurden vom Planeten Erde getrennt und sind verbunden mit ihrem Handy. Es geht im Leben doch darum, eigene Erfahrungen zu machen. Zu sehen, zu riechen, zu schmecken, zu spüren … Wie soll man das erreichen, wenn man meint, man brauche sich nur noch die Welt zu ergoogeln. Ich hasse Handys.

Worüber wird bei Ihnen noch diskutiert?

Es macht mich traurig, dass sie so viel als selbstverständlich betrachten. Wenn ich sehe, dass sie minutenlang das Wasser aus dem Hahn laufen lassen, werde ich sauer. Ich erkläre ihnen, dass ich als Kind verzweifelt in der Wüste nach Wasser suchen musste. Aber das will nicht in ihre Köpfe. Als Single-Mom versuche ich mein Bestes zu geben. Das Leben kann nur funktionieren, wenn man sich darin auch bewegt. "Nein, heute nicht. Lieber morgen" – das ist nicht mein Motto.

Wie alt sind Ihre Kinder inzwischen?

Mein erster Sohn sowie mein somalischer Adoptivsohn sind 20 Jahre alt. Meine somalische Adoptivtochter ist 18 und der Kleine 9.

Was machen Ihre ältesten Kinder beruflich?

Ach, das ist ein schwieriges Thema. Mein leiblicher Sohn ist nicht wirklich daran interessiert, einen Job zu finden. Er geht auf mein Anraten demnächst in Wien auf eine Hochschule, um dort zu studieren. Der andere Junge studiert in Genf, weil er es in Polen, wo wir derzeit leben, nicht mochte. Die anderen gehen noch zur Schule.

Wie hat sich die Branche für farbige Models verändert?

Früher gab es nur Naomi und mich. Warum war das so? Weil die Designer es so wollten. Heute gibt er so viele schwarze Models wie nie zuvor. Wa­rum ist das so? Weil die Designer es so wollen. Männer bestimmen in dieser Branche über Frauen. Übrigens meist schwule Männer. Dabei habe ich nichts gegen sie, ich liebe Gays, denn mit normalen Kerlen kann ich nichts anfangen. Es sei denn, sie sind meine Lieb­haber. Wo waren wir jetzt?

Sprechen wir über Schönheit. Was ist Ihr Geheimnis? Und bitte sagen Sie jetzt nicht: Wasser und Yoga.

Bullshit! Bei mir war es eher viel Wein. Schönheit kommt von Lebensfreude. Ich benutze nicht viel Kosmetik. Kokosnussbutter. Und mein Tipp fürs Gesicht: Olivenöl aus der Küche. Was ich aber feststelle: Alt zu werden ist kein Spaß. Plötzlich hat man hier und da Wehwehchen. Ich liebe es zu tanzen, aber neulich dachte ich, ich bewege mich wie eine Oma. Daher ist Sport einfach wichtig.

GALA Spa Awards 2018

Glückliche Gewinner und glamouröse Roben

Das Wochenende der 22. GALA SPA AWARDS im Brenners Park-Hotel & Spa steht ganz im Zeichen von guter Laune. Moderatorin Barbara Schöneberger hier hoch zu Ross bei der Polo Horse Experience powered by La Martina. An ihrer Seite: der deutsche Polo-Profi Thomas Winter.
Während sich die einen im Polo versuchen, tanzen die anderen - wie Schauspielerin Alexandra Kamp - mit Motsi Mabuse und Joachim Llambi.
Namaste, Eva Padberg! Beim Yoga-Kurs mit Gabriela Bozic macht das Model eine tolle Figur.
Wer nicht gerade Sport macht, der gönnt sich einen "GALA Fizz". Das Rezept: 20 ml Wodka, 10 ml Zitronensaft, 10 ml Erdbeer-Estragonsirup - auffüllen mit Pommery-Champagner. Lecker!

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