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Die Geissens Jetzt spricht ihre Ex-Nanny

Die Geissens
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© Privat / Picture Alliance
Norà Fördös ist die Ex-Nanny von Shania und Davina Geissen, den Töchtern von Deutschlands berühmtester TV-Familie. Gegenüber GALA verriet sie exklusiv, wieso sie sich große Sorgen um die beiden Mädchen macht

Sie musste schwer mit sich kämpfen. Wochenlang hat sie abgewogen. Bis ihre Entscheidung, sich an die Öffentlichkeit zu wenden, endgültig feststand. Fast drei Jahre lang arbeitete Norà Fördös für die bekannteste Fernsehfamilie Deutschlands. Als Privatlehrerin und Nanny war sie von Januar 2012 bis Dezember 2014 fester Bestandteil im Alltag von Shania, 10, und Davina, 12, den Töchtern von Carmen, 50, und Robert Geiss, 51. Ein Alltag, der bis heute gefühlt mehr öffentlich als privat stattfindet.

Seit Januar 2011 wird das Leben der Kölner Millionärssippe zwischen Saint-Tropez, Monaco und dem Rest der Jetset-Welt auf RTL2 in der Reality-Soap "Die Geissens – Eine schrecklich glamouröse Familie" dokumentiert. Egal, ob Carmen in Miami powershoppt, Robert in Dubai nach neuen Luxuskarren Ausschau hält oder Shania in der familieneigenen Côte-d’Azur-Villa eine Geburtstagsparty de luxe spendiert bekommt – die Kameras sind fast immer dabei. Ein Leben zwischen Bling-Bling, Protz und Edelprolls, das Ex-Nanny Norà hautnah miterlebte.

"Ich habe große Angst um die Kinder"

Und hinter dessen Hochglanz-Fassade sie Beunruhigendes entdeckte: "Ich weiß, wie sehr Shania und Davina unter ihren Lebensumständen leiden. Ich habe große Angst um die Kinder und befürchte, dass es kein gutes Ende mit ihnen nehmen wird, wenn es für sie so verrückt weitergeht wie bisher", sagt die höflich und zurückhaltend auftretende 34-Jährige, als GALA sie in Monaco zum Gespräch trifft. Es schockiere sie, wenn manche Menschen ernsthaft glauben, dass dieses Leben erstrebenswert sei. Immer wieder habe Fördös miterlebt, wie die Schwestern Fanpost von anderen Mädchen bekamen, die unbedingt so sein wollten wie sie.

"Nicht nur diese jungen Fans müssen deshalb die Wahrheit erfahren!" Zum Beispiel, dass Shania und Davina die Dauerstörungen ihrer Privatsphäre durch die regelmäßigen Dreharbeiten sehr belasten würden. Das zumindest sei Norà Fördös bereits nach ein paar Wochen in der Familie aufgefallen. "Mit der Zeit hatten die Kinder immer weniger Lust auf die Drehs, weil sie die als langweilig oder lästig empfanden. Wiederholt mussten Robert und Carmen ihnen Geschenke machen oder sie mit Versprechungen locken", erzählt die junge Frau, während ein Hauch von Empörung in ihrer Stimme mitschwingt. Und mit der Zeit wurde es schlimmer.

"Sie saßen weinend in ihren Zimmern"

Immer öfter hätten sich die Mädchen strikt geweigert, vor die Kamera zu treten. Es gab Tage, an denen die Crew bis zu einer Stunde warten musste, bis es endlich losgehen konnte, erinnert sich Fördös: "Viel lieber wollten sie alleine spielen oder toben – ohne dabei gefilmt zu werden. Dann saßen sie weinend in ihrem Zimmer, und ich musste sie beruhigen. Es ist einfach nicht gesund, wie die Dinge in dieser Familie ablaufen." Auch dass die Eltern sie immer wieder allein lassen würden, liege den Kindern schwer auf der Seele: "Während meiner Zeit als Nanny reisten Carmen und Robert viel in der Welt herum. Mal mit, oft ohne die Mädchen. Wiederholt kam es vor, dass sie bis zu acht Tage am Stück nicht da waren. Zeiten, in denen die Großeltern Reinhold und Margret auf sie aufpassten und die Rolle der Eltern einnahmen."

Das Verhältnis zu Oma und Opa sei deshalb immer ganz besonders herzlich gewesen. Fördös habe zwar keinen Zweifel daran, dass Carmen und Robert ihre Töchter lieben. Sie findet aber, dass die Liebe eher freundschaftlich wirkt – wie unter Geschwistern und weniger wie von Eltern empfunden.

1000 Euro Monatspauschale ohne Arbeitsvertrag

"Die Großeltern schenkten ihnen Wärme und Geborgenheit, übernahmen viel in Erziehungsfragen und spielten mit ihnen Spiele – etwas, das Carmen und Robert nur selten getan haben." Umso mehr litten die Kinder laut Norà Fördös, als Robert und Carmen den Kontakt zu den Großeltern wegen Familienstreitigkeiten komplett abbrachen. "Nach dem Bruch im Frühjahr 2013 hat Carmen mich dann darum gebeten, die Rolle der Ersatzmama komplett auszufüllen, ich war mit den Kindern wiederholt mehr als eine Woche allein", sagt Fördös, der trotz ihrer Bitte nie eine vertragliche Anstellung angeboten wurde. Stattdessen gab es von Carmen Geiss 1000 Euro Monatspauschale ohne Arbeitsvertrag.

Anfang 2012 hatte sich Fördös auf eine Online-Stellenanzeige beworben. Alarmirdendes fiel ihr während ihrer 35 Monate bei Familie Geiss immer wieder auf: So hätten beide Mädchen regelmäßig unter Schlafstörungen gelitten oder seien mitten in der Nacht weinend aufgewacht. Davina habe manchmal plötzlich neben ihrem Bett gestanden und sie angeschaut. Einmal sei Norà Fördös’ Mutter Kati zu Besuch gewesen und habe mit ihr und den Kindern im Penthouse der Geissens in Monaco übernachtet, als Robert und Carmen wieder mal auf Reisen waren. "Shania schmiegte sich an die Schulter meiner Mutter und fing an zu weinen. Sie beklagte, dass ihre Eltern sie ständig alleine lassen und sie sich so einsam fühle. Dass es ihr schlecht gehe und dass sie dieses Leben so nicht mehr wolle", erinnert sich Norà Fördös.

Die Mädchen gelten als angeberisch

Regelmäßig sei in der Familie viel Alkohol getrunken worden, es habe mehrere Partys gegeben, bei denen Shania und Davina bis in die Nacht mitfeiern durften. Auch in der International School of Monaco sah das Lehrerkollegium Unterstützungsbedarf. Sitzungen bei einer Psychologin sollten helfen. "Doch schon bei der ersten Besprechung hat Carmen keine Zeit gehabt, um persönlich mit den Mädchen hinzugehen." GALA recherchierte vor Ort in Monaco. Das, was Mitschüler über die Familie sagen, ist wenig charmant. Die Mädchen gelten als angeberisch, die Eltern als "vulgär".Die Geiss-Kinder würden im Schulalltag immer wieder unangenehm auffallen.

So trug Davina wiederholt Lippenstift im Unterricht, und sie kassierte ein Handy-Verbot. Zudem hätten Shania und Davina laut Norà Fördös dauerhaft Lernprobleme gehabt. Doch durch konsequentes gemeinsames Büffeln hätten sich die Leistungen der Kinder vor allem in Französisch und Mathe inzwischen verbessert, betont die Ex-Nanny und Privatlehrerin. Alarmrufe an die Eltern verhallten. Sobald Fördös versuchte, mit Carmen Geiss über die Probleme der Kinder zu reden, sei die Mutter sofort erstarrt und habe abgeblockt: "Ich hatte das Gefühl, dass sie einfach nicht zuhören wollte. Es war so, als ob Carmen Angst vor der Wahrheit hatte."

Während ihrer Zeit bei den Geissens sei sie die einzige pädagogisch qualifizierte Nanny gewesen, stellt Fördös im Gespräch mit GALA fest. "All die anderen Blondinen mit den großen Brüsten waren doch nur Fake!" Angeheuerte Schauspielerinnen, die nicht vornehmlich zum Wohle der Kinder eingestellt wurden, sondern um die Reality-Show aufzupeppen. "Als ich erfuhr, dass sie vom Sender bezahlt wurden und bis zu fünfmal mehr verdienen als ich, war ich sprachlos." RTL2 wollte sich gegenüber GALA zu dieser Behauptung nicht äußern. Ebenso wenig zum Vorwurf der Ex-Nanny, dass man sie persönlich nie um Dreherlaubnis gebeten hätte.

"Es reichte nicht mehr zum Leben"

Stattdessen habe man ihr, so Fördös, eines Tages einfach eine Kamera ins Gesicht gehalten. Doch warum hat sie nicht schon viel eher die Notbremse gezogen? Warum hat sie ihren schlecht bezahlten Job – nebenbei fertigte Fördös noch Modeschmuck an, um finanziell über die Runden zu kommen – nicht viel eher an den Nagel gehängt? Sie habe die Mädchen bereits nach kurzer Zeit tief ins Herz geschlossen, erklärt die Ex-Nanny. "Die Zeit mit ihnen bereitete mir sehr viel Freude, und ich wollte ihnen helfen."

Zudem war der Job in der Sonne am Meer immer noch zehnmal besser als der Riesenstress, den sie während der fünf Jahre als Pressesprecherin in ihrer Heimat Ungarn gehabt hatte. Sie hatte Lust auf etwas ganz anderes – ein verrücktes Abenteuer in ihrem Leben. Geld sei ihr bis heute nicht so wichtig. Die Freude an der Arbeit dafür umso mehr. "Außerdem wurde mir schnell klar, dass Shania und Davina mich brauchten."

Im Herbst 2014 habe sich Carmen Geiss dann allerdings dazu entschieden, Norà Fördös nur noch stundenweise mit 15 Euro bezahlen zu wollen. "Die Folge war, dass sie mich manchmal erst ein paar Stunden vor meinem Einsatz abbestellte und ich noch weniger verdiente als vorher. Es reichte trotz des zweiten Nebenjobs nicht mehr zum Leben." An ihrem letzten Tag im Dezember hätten sie und die Kinder viel geweint, sagt Norà Fördös. Einen besonderen Dank zum Abschied von Carmen und Robert gab es nicht. "Robert ging ohne ein Wort einfach aus dem Apartment. Carmen sagte nur: ‚Auf Wiedersehen und viel Glück. Dein Geld liegt auf dem Küchentisch."

GALA konfrontierte Carmen und Robert Geiss mit den Vorwürfen. Beide wollten dazu keine Stellung nehmen. Norà Fördös, die heute weiterhin als Privatlehrerin und Nanny im Ausland arbeitet, ist davon überzeugt, dass nicht nur die Eltern, sondern auch Shania und Davina sie für den Schritt in die Öffentlichkeit hassen werden. "Aber ich habe auch die Hoffnung, dass die Mädchen vielleicht in zehn oder zwanzig Jahren begreifen werden, dass ich es einfach tun musste. Ich hoffe, dass beide irgendwann einsehen, dass ich nur die Wahrheit gesagt und versucht habe, ihnen zu helfen."

Gala


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