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Thomas Kluge "Es bleibt nur der wahre Mensch"

Thomas Kluge
Thomas Kluge
© Picture Alliance
Der Maler Thomas Kluge beschönigt nichts. Auch nicht, wenn er die dänische Königsfamilie porträtiert

Provozieren will er wirklich nicht mit seiner Malerei. Trotzdem ecken die Bilder von Thomas Kluge, 44, immer wieder an: altmeisterlich im Stil, befremdlich surreal in der Wirkung. Erfolgreich ist der Däne trotzdem, hat er doch ausgerechnet in seiner Königin einen treuen Fan gefunden. Sein neues Werk, ein riesiges Porträt der gesamten Königsfamilie, wurde jetzt auf Schloss Amalienborg in Kopenhagen enthüllt - bevor es für immer in Margrethes Privatgemächer wandert.

Vierzehn Royals auf einem Bild - wie haben Sie die alle zusammenbekommen?

Für die erste Skizze haben wir tatsächlich die ganze Familie auf Schloss Fredensborg versammelt. Ich habe auf dem Fußboden abgemessen, wer wo stehen sollte, damit alle in der quadratischen Form untergebracht werden können.

Wie wichtig ist es für Sie, Ihre Modelle persönlich zu kennen?

Sehr wichtig. Mit den kleinen Kindern habe ich gesprochen und sie fotografiert. Mit Prinz Christian habe ich Fußball gespielt, und wir sind auf einen Baum geklettert. Die Königin habe ich eine Woche lang auf Schloss Fredensborg gemalt, nur ihr Gesicht. Alle anderen haben mich in meinem Atelier besucht und Modell gesessen.

Hatten die so viel Zeit für die Kunst?

Mehr als drei Jahre brauchte Kluge für sein jüngstes Werk.
Mehr als drei Jahre brauchte Kluge für sein jüngstes Werk.
© PR

Manchmal haben sie gefragt: "Warum sollen wir hier eigentlich sitzen, wenn du doch deine Fotos hast?" Die, die ich schon mal gemalt hatte, kannten das ja. Aber den zwei Damen, den zwei Prinzessinnen, musste ich das erst einmal erläutern. (lacht)

Was haben Sie ihnen gesagt?

Dass es für mich wichtig ist, auf sie zuzugehen und sie herauszufordern, etwas über sich selbst preiszugeben. Deshalb war es für mich auch nicht wichtig, dass sie still sitzen, sondern eher, dass sie lebendig sind und etwas erzählen.

Im Mittelpunkt des Bildes steht Prinz Christian, der älteste Sohn des Kronprinzenpaars. Warum?

In dem Bild soll es auch um die Zukunft gehen. Christian darf nicht spielen wie die anderen Kinder, weil er eine Bürde auf seinen Schultern trägt: die Verpflichtung, das Königshaus weiterzuführen.

Haben Sie ihn auch in Wirklichkeit so ernst erlebt?

Nein! Er ist ein sehr spielerisches Kind, ein sehr süßer, netter Junge. Aber der Ernst liegt in unserer Erwartung an ihn. Er trägt diese Last ja nicht nur für sich selbst und für das Königshaus, sondern auch für uns, das Volk.

Was bedeutet es Ihnen, dass jemand wie Königin Margrethe, die selbst malt und Bühnenbilder entwirft, Sie so schätzt?

Viel! Königin Margrethe ist mutig, mutiger als viele andere. Weil sie selbst Künstlerin ist. Und weil sie Stellung nimmt zur Kunst.

1995 haben Sie das erste Porträt von ihr gemalt …

… und in den Augen vieler eine Grenze überschritten. Die Königin sah das aber anders. Sie sagte: "Sie haben wirklich nichts weggelassen!"

Traditionell stellen Maler wichtige Persönlichkeiten oft schöner dar, als sie sind.

Ungeschönt und im Strickpulli: Sein erstes Porträt von Dänemarks Königin Margrethe malte Thomas Kluge 1995.
Ungeschönt und im Strickpulli: Sein erstes Porträt von Dänemarks Königin Margrethe malte Thomas Kluge 1995.
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Ich hatte die Idee, die Königin so zu malen, dass nur der wahre Mensch übrig bleibt, dass sie sich nirgendwo verstecken kann. Ich wollte herausfinden, ob Royals aus ihrer Rolle herauskönnen.

Und?

Königin Margrethe kann zwischen sich und dem Amt unterscheiden. Außerdem besitzt sie eine große Portion Selbstironie. Ich denke, das ist auch wichtig für ein Königshaus in einem kleinen Land, wo es keine große politische, aber doch eine symbolische Bedeutung hat. Es ist der Kitt, der die Dänen zusammenhält. Deshalb müssen wir auch weiterhin über das Königshaus diskutieren.


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