VG-Wort Pixel

Royals Königliche Bekenntnisse

Prinzessin Victoria
© Picture Alliance
Prinzessin Victoria hat an einem Gebetbuch mitgearbeitet, das den Titel "Prinzessin Estelles Gebetbuch" trägt. Sie tritt damit nicht nur in die Fußstapfen ihrer Mutter, sie zeigt damit auch einmal mehr, wie fest der Glaube und die Königsfamilien verbunden sind

Eine strahlende Kronprinzessin Victoria hat am Donnerstag (23. Mai) einen ganz besonderen Termin absolviert: Nicht weit entfernt von ihrem Wohnort Schloss Haga präsentierte sie "Prinzessin Estelles Gebetbuch", an dem sie mitgearbeitet hatte. Im Vorwort schreiben sie und ihr Ehemann Daniel, dass sie hoffen, der bunt illustrierte Band könne anregen, gemeinsam innezuhalten und über Momente des Glücks und der Sorge im Leben nachzudenken. Die Prinzessin erzählte am Rande der Buch-Präsentation "svenskdam.se", dass sich ihre kleine Tochter schon für das Buch interessiert habe, besonders das Bild eines Elefanten habe es ihr angetan.

Ungewöhnlich ist es nicht, dass ein Mitglied der schwedischen Königsfamilie ein Buch mit Gebeten herausbringt. Anfang 2010 kam "Drottning Silvias bönbok" ("Königin Silvias Gebetbuch") heraus, das mit Naturfotografien von König Carl Gustaf illustriert wurde. Einige Monate später erschien der Band sogar auf Deutsch. In der ARD-Talkshow "Beckmann" äußerte sich die Monarchin 2009: "Ich hoffe, dass viele Menschen Hilfe in ihrem Glauben finden, was auch immer dieser Glaube sein mag. Das Gebet finde ich sehr, sehr wichtig. Es gibt mir Halt, es gibt mir Stütze und es gibt mir auch eine Sprache." Eine ähnliche Äußerung konnten die Dänen 2008 von ihrem Staatsoberhaupt lesen: Der "Nordjyske Stiftstidende" vertraute Königin Margrethe an, wie sie ihre Flugangst überwand. Sie nutzte dazu ein "gutes, altmodisches Gebet", das Vaterunser, wodurch sie Hilfe bekommen habe.

In den skandinavischen Staaten gab es lange eine enge Verknüpfung von Königshaus und Kirche. Bis heute ist Königin Margrethe Oberhaupt der dänischen Volkskirche. Ihre Amtskollegen in Schweden und Norwegen allerdings mussten dieses Amt 2000 (König Carl Gustaf) und 2012 (König Harald) aufgeben. Anders sieht es aus bei Queen Elizabeth: Selbst auf britischen Münzen sieht man ein "fd" hinter dem Namen der Königin."Fidei defensatrix" steht für "Verteidigerin des Glaubens". Während ihrer Krönung 1953 gelobte sie, die Institution der anglikanischen Kirche zu schützen und unantastbar aufrecht zu erhalten. Als Kirchenoberhaupt ("Supreme Governor of the Church of England") kann sie Erzbischöfe und Bischöfe ernennen. Allerdings geschieht dies auf Vorschlag des Premierministers, der hierfür eine kirchliche Kommission zurate zieht. Wie alle Geistliche leisten die Bischöfe einen Treueeid auf die Queen.

Prinzessin Mary, hier bei der Taufe ihrer beiden jüngsten Kinder im April 2011, konvertierte zur dänischen Volkskirche, ehe sie in die dänische Königsfamilie einheiratete.
Prinzessin Mary, hier bei der Taufe ihrer beiden jüngsten Kinder im April 2011, konvertierte zur dänischen Volkskirche, ehe sie in die dänische Königsfamilie einheiratete.
© Reuters

Auch wenn König Harald und König Carl Gustaf nicht mehr Oberhäupter einer Staatskirche sind, besonders in Norwegen wird als ungeschriebenes Gesetz empfunden, dass sich die Königsfamilie zum evangelisch-lutherischen Glauben bekennt. Mit ihrer Glaubens-Interpretation eckte aber die älteste Königstochter Märtha Louise bereits mehrfach an: Die dreifache Mutter hat in Oslo ein Zentrum gegründet, in dem sich Menschen zu "Engelsmissionaren" schulen lassen können. Die Prinzessin gab dort Engelsseminare und tourte mit ihren Geschichten über Engel durchs In- und Ausland. Dies wurde in Norwegen belächelt, aber hingenommen. Als die Königstochter aber bekannte, sie würde selber Kontakt zu Toten herstellen und ihren Landsleuten in einem christlichen Missionszentrum Kurse hierin anbot, brachte sie damit Politiker, Theologen genauso wie Royalisten auf die Barrikaden. Wie die "Badische Zeitung" damals berichtete, wurde sogar gefordert, Märtha Louise solle sich entweder zähmen und mit politischen und religiösen Äußerungen zurückhalten. Oder sie solle aus Erbfolge und Königshaus ausscheiden, dann könne sie tun, was sie wolle.

Die Frage, welcher Religion ein Mitglied des Königshauses angehört, kann durchaus entscheidend sein: Im britischen Königshaus galt seit 1701 der "Act of Settlement", der die Thronfolge regelte. Die Heirat eines Thronanwärters mit einem Katholiken bedeutete demzufolge automatisch den Verlust der Anwärterschaft. Wäre Prinz Williams Auserwählte Kate Middleton also katholisch gewesen, hätte er keine Aussicht gehabt, Großmutter und Vater auf den Thron zu folgen. Bei diesen beiden gab es diesen Stolperstein nicht, beim ältesten Enkel der Queen, Peter Phillips, schon. Seine Verlobte Autumn war katholisch. Ehe die beiden vor den Traualtar traten, musste die Kanadierin zur anglikanischen Konfession wechseln, damit ihr Künftiger seinen Platz in der Thronfolge (aktuell Platz elf) nicht verliert. Prinz Michael von Kent, ein Cousin von Queen Elizabeth, hatte genau dies 1987 bei seiner Heirat mit der katholischen Marie Christine von Reibnitz hinnehmen müssen.

Ähnliche Regelungen gelten in Schweden ebenfalls: Auch hier ist in der "Successionsordningen" festgeschrieben, dass die Mitglieder des Königshauses der Evangelisch-Lutherischen Kirche angehören müssen. Im Nachbarland Dänemark gibt es diese Bestimmungen zwar nicht, aber sowohl Prinzgemahl Henrik, also auch seine Schwiegertöchter Prinzessin Marie und Mary konvertierten in die dänische Volkskirche, bevor sie in die königliche Familie einheirateten. Ein modernes Königspaar unterschiedlicher Konfession regiert seit dem 30. April in den Niederlanden. Denn Königin Máxima ist Katholikin, ihr Mann Willem-Alexander stammt aus einem traditionell evangelischen Königshaus. Konvertieren musste die gebürtige Argentinierin vor ihrer Heirat nicht, aber zustimmen, dass ihre Kinder evangelisch erzogen werden.

Máxima Zorreguieta blieb auch nach ihrer Hochzeit mit dem niederländischen Thronfolger katholisch. Inzwischen hat das Königspaar drei Töchter, die evangelisch erzogen werden.
Máxima Zorreguieta blieb auch nach ihrer Hochzeit mit dem niederländischen Thronfolger katholisch. Inzwischen hat das Königspaar drei Töchter, die evangelisch erzogen werden.
© Reuters

In Großbritannien könnte in naher Zukunft etwas ähnliches wie in den Niederlanden geschehen: Die jahrhundertealte Thronfolgeregelung des "Act of Settlement" steht kurz vor einer grundlegenden Reform. Mit dem "Succession To The Crown Bill", das kurz vor dem endgültigen Inkrafttreten steht, wurde nämlich bestimmt, dass Mitglieder des Königshauses künftig Katholiken heiraten können, ohne damit ihren Thronanspruch zu verlieren. Nur der Monarch selber darf kein Katholik sein. Das Gesetz soll sogar rückwirkend gelten, so dass Prinz Michael seinen Platz in der Thronfolge wieder einnehmen könnte.

Wenn Kronprinzessin Victorias Tochter Estelle einmal ihren Traumprinzen gefunden hat, wird man in Schweden vielleicht auch einmal genau hinschauen, ob der Auserwählte der künftigen Königin denn ein passendes Glaubensbekenntnis vorweisen kann.


Mehr zum Thema