Mette-Marit von Norwegen: "Ich entsprach nicht den Erwartungen"

Prinzessin Mette-Marit von Norwegen spricht offen wie nie über ihre schwierige Jugend und wie sehr sie am Anfang mit ihrer Rolle als Kronprinzessin zu kämpfen hatte 

Es hat Jahre gedauert, bis Norwegen seine Kronprinzessin lieben lernte. Und auch die bürgerlich geborene Mette-Marit, 46, brauchte einige Zeit, bis sie ihren Platz in der Königsfamilie fand. So machte ihr zum Beispiel ihre Flugangst das Erfüllen repräsentativer Pflichten schwer, auch Krankheiten und Verletzungen sorgten für Ausfälle. Kurz nach ihrer Hochzeit 2001 verabschiedete sie sich mit Kronprinz Haakon, 46, für ein Studienjahr nach London. Auch ihr exklusiver Modegeschmack rief immer wieder Kritiker auf den Plan. 

„Die ersten zehn Jahre habe ich versucht, so zu sein, wie ich meinte, dass eine Kronprinzessin zu sein hat."

Über ihre Startschwierigkeiten als Ehefrau des Thronfolgers schwieg Mette-Marit stets - bis jetzt. „Die ersten zehn Jahre habe ich versucht, so zu sein, wie ich meinte, dass eine Kronprinzessin zu sein hat. Jetzt ist mir wichtig, ein Leben zu führen, für das ich eintreten und in dem ich ich selbst sein kann“, schilderte sie kürzlich im Gespräch mit dem Schriftsteller Geir Gulliksen, mit dem sie das Buch „Heimatland und andere Geschichten“ herausgegeben hat (ab 30. 9. auch auf Deutsch erhältlich). In dem Sammelband schreiben zwölf Autoren darüber, was es für sie bedeutet, norwegisch zu sein. Mette-Marit gibt hier Einblicke in ihre Jugend auf dem Land. 

Prinzessin Mette-Marits "Vorzeigefamilie" vom Land

Aufgewachsen sei sie in einer „Vorzeigefamilie“, erzählt sie. Die Mutter Bankkauffrau, der Vater Journalist. Doch: „Zu Hause wussten alle, dass es nicht die Wahrheit ist, aber wir sahen so aus.“ Als Mette-Marit elf Jahre alt ist, lassen sich ihre Eltern scheiden und sie lebt fortan bei ihrer Mutter Marit Tjessem.

Mette-Marit von Norwegen

Die Kämpfernatur wird 46

Mette-Marit hat sich zum royalen Liebling in Norwegen entwickelt

Der Ausbruch lässt nicht lange auf sich warten. Aus ihr, dem „pflichtbewussten jungen Mädchen“, wird eine „rebellische Jugendliche“. „Ich begriff, dass meine Kindheit etwas in mir aus- gelöst hatte; ich durchlief eine Phase, in der ich viel Böses in mir hatte, das heraus musste, und heraus kam es als Wut und Trauer“, erinnert sie sich heute. Sie rasiert sich die Haare ab und geht mit 16 für ein Jahr nach Australien. Als sie für das Abitur zurück nach Norwegen kommt, will sie alles anders machen. „Dann war wohl einfach Schluss, ich konnte nicht mehr, jedenfalls entsprach ich nicht mehr den Erwartungen, die andere an mich hatten“, sagt Mette-Marit. „Ich habe immer gewusst, dass ich im Erfüllen von Erwartungen nicht sonderlich gut bin.“   

Ihre Liebe zu Haakon verändert alles 

Ohne Ausbildung schlägt sich Mette- Marit als Kellnerin und Verkäuferin durch, experimentiert mit Drogen und feiert sich durchs Osloer Nachtleben. 1997 kommt Sohn Marius zur Welt, die Beziehung zu dessen Vater scheiterte. 

Ihre Liebe zu Haakon stellt alles auf den Kopf. Die beiden lernen sich 1999 bei einem Musikfestival kennen. Aus der Rebellin soll nun die künftige Königin Norwegens werden - unvorstellbar für viele ihrer Landsleute, die sich nicht mit ihrer schwierigen Vergangenheit anfreunden konnten. Doch Haakon steht zu Mette-Marit, 2001 heiraten sie. Ihre Kinder Prinzessin Ingrid Alexandra und Prinz Sverre Magnus, heute 15 und 13, machen ihr Glück perfekt. 

Mette-Marit + Haakon

Das ist der Kitt ihrer Ehe

Prinzessin Mette-Marit und Prinz Haakon

Doch so ganz kann Mette-Marit noch immer nicht aus ihrer Haut. Für ihr gemeinsames Buchprojekt wählte Co-Herausgeber Gulliksen eine Erzählung aus, die im Jahr 2032 spielt, kurz nach dem fiktiven Tod von König Harald. Der Ich-Erzähler ist der Kronprinz, der mit seinem Land hadert und schließlich abdankt. Für einige eine Provokation - für Mette-Marit Kunst. Sie gibt zu: „Es steckt noch immer eine Menge Protest in mir. Ich übe meine Rolle nicht so aus, wie viele es von mir erwarten. Eher im Gegenteil, glaube ich.“

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