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Prinzessin Mette-Marit + Prinz Haakon Klage wegen Urlaubsfotos


Die norwegische Königsfamilie fühlt sich in ihrer Privatsphäre verletzt: Eine Boulevardzeitung hatte die Royals leicht bekleidet am Strand und in privaten Momenten im Weihnachtsurlaub gezeigt

Die norwegische Königsfamilie ist "not amused" über die Boulevardzeitung "Se og Hör": Das Blatt hatte im vergangenen Sommer und nach den Weihnachtsferien auf mehr als 40 Seiten Urlaubsbilder des Kronprinzenpaares abgedruckt. Darauf konnten die Leser Prinzessin Mette-Marit, Prinz Haakon und ihre Kinder leicht bekleidet beim Baden, Kanufahren und Stadtbummeln sehen. Hinzu kam, dass "Se og Hör" noch im Januar behauptete, der royale Badeurlaub habe den Steuerzahler fast 68.000 Euro gekostet. Illustriert wurde das Ganze mit Bildern eines Hauses und einer Jacht, die das Kronprinzenpaar angeblich gemietet habe.

Dies alles ist frei erfunden, stellte jetzt Marianne Hagen, Kommunikationschefin des Hofes der Königsfamilie klar. Weder das Haus noch die Jacht seien dem Kronprinzenpaar bekannt. Die "Se og Hör"-Fotografen hätten aus großer Entfernung Fotos mit Teleobjektiven fotografiert, so dass der Eindruck entstanden sei, man sei eingeladen gewesen auf die privaten Grundstücke und zu den privaten Gesellschaften. Dies sei nicht der Fall gewesen. Auch hätten Mette-Marit und Haakon der Zeitschrift keine exklusiven Interviews gegeben - solche seien aber abgedruckt worden.

Der Hof reichte gegen die Berichterstattung Klage beim norwegischen Presserat ein und drängt auf eine Richtigstellung der Fakten. "Wir sind besorgt über die Entwicklung und darüber, dass das Blatt ein falsches Bild erzeugt von der königlichen Familie", begründet Marianne Hagen und stellt fest: Im Jahr 2011 hätten die Mitglieder der königlichen Familie insgesamt 655 öffentliche Auftritte und Engagements absolviert. Im Rahmen dieser Termine stünden König Harald und seine Familie auch für Fragen zur Verfügung und würden die Öffentlichkeit einladen, daran teilzunehmen. Weil die Königsfamilie aber den Großteil der Zeit in der Öffentlichkeit stehe, sei es eine besondere Notwendigkeit, dass sie die restliche Zeit ungestört und unbeobachtet verbringen könne. Der Zeitschrift "VG" sagte die Kommunikationschefin des Hofes, das Kronprinzenpaar fühle sich Fotografen verfolgt. "Nun ist es soweit, dass wir zu diesem ungewöhnlichen Schritt greifen, um ein Ende der Privatsphärenverletzungen und Falschinformationen zu erreichen".

Das Vorgehen des Hofes gegen "Se og Hör" ist umstritten. Der Medienethiker Gunnar Bodahl-Hansen sagte gegenüber der "Bergens Tidende": "Ich habe die erwähnten Bilder gesehen und sehe darin kein presseethisches Problem." Man sehe eine Familie wie jede andere im Urlaub. Es sei außerdem schwierig zu definieren, wann das Privatleben der Royals anfange, schließlich gebe es ein Interesse der Norweger an ihrer Köngsfamilie. Andere Medienvertreter sehen es ähnlich.

Bislang galt die norwegische Königsfamilie als relativ liberal der Presse gegenüber. Prinzessin Mette-Marit und Prinz Haakon nutzen Twitter und YouTube, um die Öffentlichkeit auch an privaten Momenten teilhaben zu lassen. Im Gegenzug wurden sie von Paparazzi vergleichsweise wenig behelligt - ganz im Gegensatz zu ihren royalen "Kollegen" beispielsweise aus Großbritannien. Auch dort gibt es aktuell wieder eine Diskussion über Paparazzi-Fotos von Herzogin Catherine am Strand. Ob der Burgfrieden zwischen der norwegischen Königsfamilie und den Medien halten wird, bleibt abzuwarten.


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