Königin Sonja + König Harald: Die Skandalfreien

Vor 45 Jahren feierte Oslo eine besondere royale Hochzeit: Kronprinz Harald gab seiner Braut Sonja Haraldsen das Jawort. Dass ein Thronerbe eine Bürgerliche heiratet, war nicht selbstverständlich. 45 skandalfreie Ehejahre später steht fest: Die "Sonja-Revolution" in Norwegen ist geglückt

Prinz Harald + Prinzessin Sonja

Dass königliche Hoheiten sich eine bürgerliche Braut suchen, ist heute keine Seltenheit mehr: Frederik, Felipe und zuletzt William haben schließlich gezeigt, dass es geht. Aber vor mehr als 50 Jahren war eine bürgerlich geborene Königin undenkbar und Vorreiterinnen in der Rolle gab es keine. Thronfolger hatten standesgemäß und damit adelig zu heiraten. Dass Prinz Harald, der norwegische Thronerbe, statt einer royalen Blaublüterin lieber seine Langzeitfreundin, die Kaufmannstochter , heiraten wollte, sorgte entsprechend für großes Missfallen im Volk, in der Regierung und bei König , dem Vater des Prinzen.

Das Paar hatte sich 1959 auf einer Feier, die ein Klassenkamerad des Prinzen ausgerichtet hatte, kennengelernt. Man traf sich im privaten Rahmen in nächster Zeit häufiger, hielt aber anschließend die frische Beziehung wohlweislich geheim.

Irgendwann fiel aber den Medien auf, dass man Prinz Harald, den einzigen Sohn des verwitweten Königs, ziemlich häufig an der Seite einer gewissen Osloerin sah. Sonja Haraldsen, damals wie Prinz Harald Mitte 20, hatte nach dem Ende ihrer Schulausbildung eine Lehre als Schneiderin absolviert, ehe sie in Lausanne ihr Abitur machte und ein Studium an der Universität in Oslo begann.

Bald gab es erste Berichte über die Beziehung und Spekulationen über eine Verlobung, doch etwas stand dem Happy-End im Wege. König Olav fürchtete, angesichts der nichtadeligen Herkunft der Prinzenfreundin, um die Zukunft der Monarchie und verweigerte die Zustimmung zur Heirat. Und er blieb im sogenannten "Fall Sonja Haraldsen" hartnäckig bei seiner Haltung und den Bedenken, eine solche Verbindung sei verfassungsrechtlich bedenklich und schade dem Ansehen der Königsfamilie.

Der König hatte sein Einverständnis gegeben: Im März 1968 wird offiziell Verlobung gefeiert. Und am 29. August kann der norwegische Thronfolger Harald seine bürgerliche Braut Sonja im Dom zu Oslo schließlich auch vor den Traualtar führen.

Schließlich gelang es Prinz Harald, seinen Vater und konservative Regierungskreise umzustimmen. Verschiedene Medien berichten sogar, er solle damals gedroht haben, für immer ledig und damit ohne Chance auf einen legitimen Erben zu bleiben, wenn er nicht die Erlaubnis zur Heirat mit Sonja Haraldsen erhalten hätte. Das wäre für die noch junge norwegische Monarchie ebenfalls eine Katastrophe gewesen: Die beiden Töchter des Königs, Ragnhild und Astrid, waren nämlich laut Verfassung ausgeschlossen von der Thronfolge und noch dazu ebenfalls mit Bürgerlichen verheiratet.

Auch im Nachhinein bewertete Königin Sonja die Jahre damals als schwierig. Zu ihrem 75. Geburtstag 2012 gab sie in verschiedenen Medien zitierte Interviews und bekannte darin, sie habe sich "unerwünscht" gefühlt und unter der Ablehnung gelitten.

Nachdem König Olav aber endlich sein Einverständnis gegeben hatte, wurde im März 1968, neun Jahre nach dem Kennenlernen, die Verlobung von Kronprinz Harald mit Sonja Haraldsen offiziell bekanntgegeben. Das junge Paar zeigte sich noch etwas schüchtern händchenhaltend der Presse.

Brautmode

Royale Hochzeitskleider

Unterschiedlicher könnten Brautkleider wohl nicht sein: Nach ihrem traditionellen Gewand am Vormittag erscheint Japans Prinzessin Ayako zu den Feierlichkeiten in einem rosafarbenen Abendkleid. Die Robe ziert ein transparenter Überwurf mit zahlreichen weißen Blumenstickereien. Ihr Haar trägt Ayako halb hochgesteckt. Bräutigam Kei Moriya setzt auf einen klassischen schwarzen Smoking mit Fliege. 
Blick auf die Details: Feine Blumenapplikationen zieren den runden Ausschnitt des Kleides, die weit geschnittenen Ärmel sind ebenfalls transparent und mit Stickereien versehen. Ihre Frisur krönt Prinzessin Ayako mit einem Diadem und den dazu passenden Ohrringen. 
Tradition ist alles! Die japanische Prinzessin Ayako heiratet ihren bürgerlichen Verlobten Kei Moriya im Meiji-Schrein in Tokio, und dabei trägt sie als Brautgewand einen traditionellen Kimono mit Vogelmotiven. Ihr Verlobter hingegen bevorzugt mit seinem Frack den westlichen Bräutigamslook.
Besonders eindrucksvoll ist Prinzessin Ayakos Brautfrisur, hierbei verzichtet aber auf die in der Shintō-Tradition übliche weiße Haube für die Braut.

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Nach Tochter Märtha Louise kommt 1973 der Thronfolger, Prinz Haakon, zur Welt und macht das Familienglück des Kronprinzenpaares perfekt.

Am 29. August 1968 traten die beiden im Dom zu Oslo vor den Traualtar. König Olav, der lange gezögert hatte mit der Zustimmung, führte die Braut, deren Vater 1959 gestorben war, in festlicher Galauniform zum Altar, was als große Geste gegenüber der schließlich doch akzeptierten Schwiegertochter gedeutet wurde. Die adelige Hochzeitsgesellschaft, die königlichen Verwandten aus anderen regierenden Häusern, erlebten in Oslo eine glanzvolle Hochzeit zwischen einem Prinzen und einer Bürgerlichen. Und wenige Jahre später wiederholte sich die Geschichte: Denn auch der junge schwedische König heiratete keine blaublütige Prinzessin oder Gräfin sondern die bürgerliche Deutsche .

Die Verbindung von Kronprinz Harald und Kronprinzessin Sonja stürzte die Monarchie nicht in die Krise, im Gegenteil: 1971 bekam das Paar eine Tochter, . Zwei Jahre später kam Prinz Haakon, der Thronfolger, auf die Welt, sodass die Dynastie gesichert war. Kronprinzessin Sonja "lernte" das royale Tagesgeschäft, übernahm Repräsentationspflichten und engagierte sich unter anderem in sozialen Projekten, beim norwegischen "Roten Kreuz" und international für Flüchtlinge. Das brachte ihr viele Sympathien und Anerkennung ein.

König Olav erlitt im Sommer 1990 einen Schlaganfall und Kronprinz Harald übernahm als Regent die Amtsgeschäfte in Vertretung des Vaters. Am 17. Januar 1991 starb Olav V. und wenige Tage später legte Harald als neuer König von Norwegen den Eid auf die Verfassung ab. Gemeinsam mit Ehefrau Sonja, der neuen Königin, ließ er sich einige Monate später im Dom von Trondheim in einer feierlichen Zeremonie segnen.

Die Ehe von Königin Sonja und war nach außen hin über all die Jahre skandallos, trotz des schwierigen Starts und vieler familiärer Schicksalsschläge, zu denen - auch das erfuhren die Norweger 2012 in der neuen Biografie über ihre Königin - neben den schweren Krankheiten von König Harald auch zwei Fehlgeburten gehörten. Während es in den Nachbarmonarchien immer wieder Schlagzeilen über angebliche Geliebte, amouröse Rotlichtabenteuer, Sinn- und Rollenkrisen und sogar Scheidungen gab, gilt die Ehe des norwegischen Königspaares als vorbildlich-krisenfest.

Patchwork royal: Das Königspaar feiert am 18. August den 40. Geburtstag von Schwiegertochter Mette-Marit mit der ganzen Familie. Mit dabei Tochter Märtha (halb verdeckt ganz rechts), die Enkelkinder, Schwiegersohn Ari Behn (3. v. r.) und Mette-Marits Sohn Marius (mitte).

Ingar Sletten Kolloen, der Autor der 2012 erschienenen Biografie "Dronningen" ("Die Königin"), hat für das Einheiraten der bürgerlichen Kaufmannstochter in die norwegische Königsfamilie auch laut "mdr.de" einen passenden Titel gefunden und nennt es die "Sonja-Revolution". Andere Medien bezeichnen Königin Sonja als die "Urmutter" aller bürgerlichen Kronprinzessinnen und Königinnen, die den Weg für Máxima, Mary und Letizia geebnet habe. Letztlich tat sie dies sogar für die eigene Schwiegertochter , die bürgerliche, alleinerziehend und mit einer recht unköniglichen Vergangenheit ausgestattete Freundin, die Kronprinz Haakon seinen Eltern und der Öffentlichkeit vor rund 13 Jahren präsentierte. In diesem Fall sorgte aber nicht die bürgerliche Herkunft der Auserwählten für Diskussionen, sondern deren Drogen- und Partyvergangenheit. Nach der Hochzeit wurde das Kronprinzenpaar schnell überaus beliebt, bescherte der gesamten Königsfamilie steigende Popularitätswerte und ein modernes Gesicht.

Der offizielle Kalender der Königsfamilie verzeichnet für den 29. August 2013 zwei Termine von Kronprinz Haakon und seiner Frau Mette-Marit. Dass König Harald und Königin Sonja ihren 45. Hochzeitstag öffentlich feiern werden, ist also unwahrscheinlich. Eine Feier im privaten Rahmen, mit den beiden Kindern und den fünf Enkelkindern, wird es aber vielleicht geben.

Gratulerer med bryllupsdagen, Majestets!

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Königliche Hochzeit in Norwegen 1968

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