Königin Margrethe + Prinz Henrik Der Prinzgemahl wird Pensionär

Königin Margrethe und Prinz Henrik besuchten 2015 noch gemeinsam Grönland - in Zukunft wird es solche Bilder wohl nicht mehr geben.
Königin Margrethe und Prinz Henrik besuchten 2015 noch gemeinsam Grönland - in Zukunft wird es solche Bilder wohl nicht mehr geben.
© Dana Press
Überraschende Ankündigung: In ihrer Neujahrsansprache hat Königin Margrethe verkündet, ihr Mann Prinz Henrik werde in Pension gehen

Damit hatte niemand gerechnet in Dänemark: Bei ihrer traditionellen Neujahransprache am Donnerstag (31. Dezember) wirkte Königin Margrethe von Beginn an ein bisschen nervöser als sonst. Warum erfuhren die Untertanen dann ganz am Ende der Rede, die mit sehr persönlichen Worten endete.

"Mein Mann hat beschlossen, dass es für ihn an der Zeit ist, kürzer zu treten - wenn ich mich in normalem Dänisch ausdrücken darf: Er geht in Pension. Deswegen wird der Prinzgemahl in Zukunft nur in sehr geringem Umfang an offiziellen Veranstaltungen, die seit so vielen Jahren Teil seines Lebens waren, teilnehmen. Es ist seine Entscheidung, ich verstehe und ich respektiere sie."

Die Königin lässt die Bombe platzen

"TV2" nannte diese unerwartete Ankündigung eine "Neujahrsbombe", denn niemand hatte den Rückzug des Prinzgemahls erwartet. Und schon gar nicht offiziell von der Königin angekündigt! Es hätte weniger überrascht, wenn der 81-jährige mit dezenten Hinweisen auf sein Alter nach und nach sein Termin- und Arbeitspensum reduziert hätte und einige seiner Ehrenämter abgegeben hätte.

Die von den dänischen Medien befragten Königshausexperten sind seither um Erklärungen bemüht. Natürlich tauchte sofort die Frage auf, ob die Königin in absehbarer Zeit womöglich abdanken wolle. Dies allerdings gilt als höchst unwahrscheinlich, hatte die 75-Jährige doch mehrfach betont, sie verstehe ihren "Job" als Lebensaufgabe und sie wolle weitermachen, bis sie eines Tages "tot vom Thron falle".

Königshausexperte Lars Hovbakke Sørensen sagte zu "Extra Bladet", er habe zwei mögliche Erklärungen für Prinz Henriks Entscheidung. Entweder sei er "alt und müde und wolle sich ein wenig zurückziehen." Dass er ernsthaft krank sei, denke er nicht. Möglicherweise habe der Pensionierungswunsch mit seiner wiederholten Forderungen nach einem Königstitel zu tun und die in seinen Augen mangelnde Anerkennung seiner Leistung. "Oder es ist eine Kombination beider Dinge", so Lars Hovbakke Sørensen.

Beliebtheit auf dem Tiefpunkt

Zum vermutlich letzten Mal ist Prinz Henrik beim Neujahrsempfang im "Christian VII. Palais" in Kopenhagen dabei und an der Seite seiner Frau. Danach beginnt sein Leben im Ruhestand.
Zum vermutlich letzten Mal ist Prinz Henrik beim Neujahrsempfang im "Christian VII. Palais" in Kopenhagen dabei und an der Seite seiner Frau. Danach beginnt sein Leben im Ruhestand.
© Dana Press

Während die Königin, die seit 1972 regiert, stets auf einer Welle der Beliebtheit schwamm, erreichte die Popularität ihres Prinzgehmahls 2015 einen Tiefpunkt: Im April ließ sich Henrik bei einem Teil der Feierlichkeiten zum 75. Geburtstag seiner Frau entschuldigen. Er sei krank. Wenige Tage später tauchte er in Venedig auf, ohne die Königin und offenbar fit genug zum Verreisen.

Weitere negative Schlagzeilen kassierte der gebürtige Franzose, als er bei einer Pressekonferenz im Frühjahr wieder einmal über seine Rolle als Nur-Prinzgemahl beschwerte und das gewohnt hartnäckig. Seit Jahren lässt er immer wieder verlauten, er fühle sich in der Rolle, die ihn immer einige Schritte hinter seine Frau zwingt, nicht wohl. Er verstehe nicht, warum dem Mann einer Königin nicht der Königstitel zustehe.
Auch deswegen wird der gewählte Zeitpunkt für die Ankündigung in vielen Medien als ungeschickt bewertet. So laufe der Prinzgemahl Gefahr, in die dänische Geschichte mit seinem eher negativen Image von 2015 einzugehen, heißt es.

Thomas Larsen, royaler Experte, sagte der Zeitung " Berlingskes Tidende", es sei kein Geheimnis, dass die Dänen oftmals mit Prinz Henrik nicht einverstanden gewesen seien. Es könne aber nicht bezweifelt werden, dass der Prinzgemahl von enormer Bedeutung für Königin Margrethe sei. "Für sie ist er eine entscheidende Unterstützung und er hat ihr geholfen, sie beraten und war eine Inspiration für sie."

Von Dänemarks Ministerpräsident Lars Løkke Rasmussen gab es, genauso wie von anderen Politikern, Dank und Anerkennung für Prinz Henrik und seine Verdienste. Er wünsche ihm "viel Glück mit diesem neuen Kapitel des Lebens."
Über Twitter hagelte es viele spöttische Stimmen, die wiederum auf die Möchtegernrolle des gebürtigen Franzosen abzielten. Unter dem Hashtag "#konghenrik" ("König Henrik") sammelten sich in kurzer Zeit viele Kommentare. So wurde unter anderem gefragt, wie man den Pensionär künftig nennen solle: Prinzgemahl Emeritus oder Pensionsprinz.

Neue Aufgabenteilung

Viel Zeit sich an die neue Situation zu gewöhnen, haben die Dänen nicht. Prinz Henriks Rückzug ins Privatleben beginnt tatsächlich schon am 1. Januar 2016. Er werde, so heißt es in der Erklärung des Hofes, nur noch am ersten Neujahrsempfang, der Neujahrstafel, teilnehmen. An allen weiteren bereits nicht mehr. Gleiches gelte für die Parlamentseröffnung sowie Staatsbesuche. Er bleibe allerdings weiterhin Schirmherr und Ehrenpräsident der verschiedenen Organisationen und wolle sich wie gehabt der Kunst und der Kultur widmen. Unterstrichen wurde außerdem, der Rückzug des Vaters von Prinz Frederik und Prinz Joachim werde voraussichtlich auf das Aktivitätsniveau der königlichen Familie keinen Einfluss haben, andere Mitglieder würden seine Aufgaben übernehmen. Es gebe deswegen keinen Grund, die jährliche Apanage zu verändern.

Frederik und Mary könnten mehr übernehmen

Möglicherweise wird nun also ein langsamer Generationswechsel eingeläutet und Prinz Frederik und Prinzessin Mary übernehmen mehr Aufgaben von Königin Margrethe, die sie sonst alleine hätte meistern müssen. 2013 sprangen sie bereits ein, als die Monarchin gesundheitsbedingt nicht nach Chile reisen konnte. Und wie die Agentur "Dana" berichtet, begleitet der Kronprinz seine Mutter schon seit Jahren zu Staatsratssitzungen, empfängt an ihrer Seite neue Botschafter, überreicht Medaillen und Auszeichnungen. Da hierzu keine Presse eingeladen sei, sei dies allerdings nicht so bekannt.

Möglich wäre also, dass man in Dänemark künftig wie in den Niederlanden verfährt: Hier hatte Königin Beatrix in den letzten Jahren ihrer Regierungszeit Kronprinz Willem-Alexander und seine Frau Máxima mit zu Staatsbesuchen ins Ausland genommen und bei vielen wichtigen Terminen an ihrer Seite gehabt.

Ruhestand mit Dackeln

Man darf gespannt sein, wie Prinz Henrik seine neue Rolle als "Prinzgemahl in Pension" gestalten wird. Als achtfacher Großvater könnte er sich vermehrt den Enkelkindern widmen. Außerdem besitzt er ein Weinschloss in Frankreich, dessen Weinproduktion er allerdings 2015 abgegeben hat. Bleiben also noch die schönen Künste, das Dichten – und natürlich die Dackel.

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