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König Carl Gustaf Beim Thema Madeleine brachte er einst seinen Pressesprecher in Erklärungsnot

Prinzessin Madeleine und König Carl Gustaf
© Dana Press
Auch wenn das Amt des Monarchen einen gewissen Ernst erfordert, hat König Carl Gustaf sich bis heute seinen speziellen Humor erhalten. Als Tochter Madeleine mit ihrer Erstgeborenen schwanger war, brachte er bei einer Pressekonferenz sogar seinen erfahrenen Pressesprecher aus dem Konzept. 

Es war der 3. September 2013. Prinzessin Madeleine hatte am 8. Juni dem US-amerikanischen Geschäftsmann Chris O'Neill, 48, das Jawort gegeben und war schwanger mit ihrem ersten Kind, Prinzessin Leonore, 8, die am 20. Februar 2014 in New York City geboren werden sollte. Ein Thema, zu dem die schwedischen Medien natürlich viele Fragen hatten, denn die Prinzessin hatte just an jenem Tag auf Social Media ihre Schwangerschaft bekannt gegeben. Und so ergriff die Presse während eines Besuchs von König Carl Gustaf, 76, in Östergötland die Chance, ihre Neugier – und die ihrer Leser:innen – zu befriedigen.

König Carl Gustaf nimmt die Presse auf die Schippe

Doch der Monarch war offensichtlich nicht gerade in Plauderlaune, stellte das schwedische Medienmagazin "Resumé" fest. Als "Sveriges Radio"-Reporter Mathias Lindholm den König fragte, wie es sich anfühlte, Großvater zu werden, schien der König die Gelegenheit nutzen zu wollen, sich ein Späßchen mit dem Reporter zu machen. Er schnitt Grimassen und ahmte nervöse Laute nach: "Mehhhh oh, oh, oh, wie aufgeregt ich bin", rief er spöttisch aus. "Warten Sie ab, bis Sie selbst Großvater werden."

Auf die Frage, ob der König und Königin Silvia, 78, aktive Großeltern sein und Windeln wechseln werden, witzelte er weiter: "Natürlich werden wir aktiv sein! Ich werde den ganzen Laden dicht machen und einfach die ganze Zeit das tun", wurde er von "Hänt" zitiert. "Allerdings lebt sie natürlich in New York, sodass ich sicher jahrelang nicht in Schweden sein werde."

"Trolling auf höchstem Niveau"?

Ob Madeleine und Chris, die zu dem Zeitpunkt in New York City lebten, mit ihrem Baby nach Schweden zurückziehen würden, interessierte die Medienvertreter. "Auch das ist interessant, nicht wahr?", sagte Carl Gustaf. "Ja, sicher. Ich denke, sie könnte stattdessen nach Island ziehen. Dort ist es besser." Obwohl der König die Antworten offenbar mit einem Augenzwinkern gab, war die Presse nicht amüsiert. Der "Expressen" sprach von "Trolling auf höchstem Niveau".

"Das ist nichts anderes als Arroganz der Oberschicht – ganz im Sinne des Internatsgeistes, den wir in diesen Tagen verstärkt kennen lernen", hieß es in einer wenige Tage später veröffentlichten Kolumne der Boulevardzeitung. Das Blatt überlegte, ob der Monarch nach 40 Jahren seines Amtes überdrüssig geworden sein könnte und erinnerte an ähnliche Zwischenfälle, die sich in der jüngeren Vergangenheit zugetragen hatten. Als beispielsweise der "SVT"-Reporter Johan Zachrisson Winberg im Juni 2013 kritische Fragen zur Renovierung von Schloss Stenhammar stellte, rief der König aus: "Können Sie nicht einmal bei der Wahrheit bleiben? Verdammt noch mal!"

Pressesprecher erklärt Carl Gustafs Humor

Ein weiter Fall von "königlicher Arroganz", wie das Blatt schrieb, hatte sich während eines Staatsbesuchs in Botswana im März 2011 zugetragen. Die Königin war kurzfristig nicht mitgekommen, und man erklärte ihre Abwesenheit mit gesundheitlichen Gründen. Johan T. Lindwall, damals noch beim "Expressen", stellte die offensichtliche Frage, wie sie sich fühle. Der König entgegnete, dass es ihr sehr schlecht gehe und dass "es an der Zeit sei, dass der Arzt ihr die Ohren abschneide". 

Königin Silvia und König Carl Gustaf

Bertil Ternert, der den Posten des neuen Hofinformationschefs inmitten des Sturms angenommen hatte, der den König im Herbst 2010 nach Erscheinen des Skandalbuchs "Carl XVI. Gustaf: der widerwillige Monarch" umbrauste, erklärte Anfang September 2013 gegenüber "Resumé", die Presse trage selbst Schuld an den bizarren Antworten Carl Gustafs: "Normalerweise sage ich den Journalisten, dass der König gerne bereit ist, Fragen über den Besuch in der Grafschaft selbst zu beantworten. Aber dass sie keine Antworten erwarten können, wenn sie irrelevante Fragen stellen."

Dem Business-Magazin "Dagens Media" gegenüber wiegelte Ternert ab und sprach von einem Missverständnis – der König wolle nur lustig sein. "Ich fasse es so auf, dass der König versucht hat, zu spaßen und zu scherzen und auf diese Weise die Frage zu beantworten." Humor sei immer eine schwere Gratwanderung, fuhr er fort, "aber ich glaube, dass er versucht hat, lustig zu sein".

Harte Kritik an spitzer Zunge des Monarchen

Paul Ronge, Berater für Öffentlichkeitsarbeit, erklärte dem Magazin gegenüber, das "lächerliche Verhalten" des Königs sei ein Beweis dafür, dass er seine Aufgabe nicht ernst nehme: "Das sollte er aber, so gut bezahlt wie er ist", erklärte er.  "Als Staatsoberhaupt ist er Schwedens oberster Repräsentant in der Öffentlichkeit. Eine Aufgabe, die er wiederholt nicht erfüllt", kritisierte Ronge und fügte etwas spitz hinzu: "Meiner Meinung nach sollte Victoria das Amt übernehmen, sobald die Kleinkinderjahre (ihrer Tochter Prinzessin Estelle, Anm. der Red.) vorbei sind, weil der König immer wieder so nachlässig mit der Aufgabe umgeht."

Noch im September 2013 kündigte Bertil Ternert übrigens an, dass er Ende des Jahres in den Ruhestand treten werde. König Carl Gustaf hält trotz seines etwas ruppig anmutenden Humors das Zepter noch immer in der Hand – und seine Älteste hat gut lachen. 

Verwendete Quellen: resume.se, sverigesradio.se, hant.se, expressen.se, dagensmedia.se

ama Gala


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