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Ari Behn (†47) Wie können die drei Töchter seinen Tod nur ertragen?

Kronprinz Haakon und seine Schwester und Prinzessin Märtha Louise geben den drei Töchtern des verstorbenen Ari Behn Halt. 
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Die Trauerfeier war unglaublich bewegend: Am Freitag nehmen Familie und Freunde Abschied von Ari Behn. Ein schmerzhaftes Lebewohl, vor allem für seine drei Töchter. 

Familie und Freunde trauern gemeinsam in der Domkirche zu Oslo. Viele Tränen fließen um Ari Behn, der mit erst 47 Jahren vor rund einer Woche den Freitod gewählt hat. Seine endgültige Entscheidung hat die Anwesenden bis ins Mark erschüttert, am intensivsten jedoch sicher seine drei Töchter Maud Angelica, 16, Leah Isadora, 14, und Emma Tallulah, elf. Die drei Mädchen haben ihren Vater verloren.

Experte: "Fragen nach der eigenen Schuld sind unvermeidlich"

Dass dieser sich freiwillig dazu entschieden hat, aus dem Leben, ihrem gemeinsamen Leben als Familie zu scheiden, muss traumatisch für die jungen Heranwachsenden sein.

"Ein Selbstmord ist immer ein aktiver und kann am Ende ein aggressiver Akt gegenüber den Hinterbliebenen sein. Gedanken und Fragen nach der eigenen Schuld sind unvermeidlich", sagt Prof. Dr. Michael Schulte-Markwort, ärztlicher Leiter im Zentrum für Psychosoziale Medizin im Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. "Kinder haben schnell das Gefühl, dass sie entweder zu wenig getan haben, um den Selbstmord zu verhindern oder gar Schuld daran haben, weil das Leben mit ihnen für den verstorbenen Elternteil zu belastend gewesen sein könnte."

Maud Angelica Behn: "Wir hätten mehr für dich da sein können"

Diese beunruhigenden Gedanken scheinen auch die 16-jährige Maud und ihre beiden jüngeren Schwestern umzutreiben. In ihrer Rede vor der Trauergemeinde richtet die junge Frau direkte Worte an ihren geliebten Vater. "Wir wussten, dass du sehr traurig warst, aber du sagtest, dass es dir besser ging. Du hast es geheim gehalten und versucht zu verbergen, wie schlecht es dir wirklich ging, um uns keine Sorgen zu bereiten. Ich denke oft, wir hätten mehr für dich da sein können, aber ich weiß, dass das falsch ist." Tapfer formuliert Maud die letzten Worte. Doch ihre Zweifel schwingen unweigerlich in der trauergeschwängerten Luft der Kirche nach. Diese Kinder machen Fürchterliches durch.

Auf Schuldgefühle achten

"Für Kinder und Heranwachsende kann es besonders schmerzlich sein, die eigene Zukunft nicht mehr mit einem Elternteil teilen zu können", formuliert Prof. Dr. Schulte-Markwort das schreckliche Leid, das die Kinderherzen erschüttert. "Das kann ein Gefühl des Im-Stich-Gelassen-Seins auslösen. Der Schmerz wird dann kompliziert, wenn sich Trauer und Enttäuschung, für die oft kein Platz ist, mischen."

Gefragt ist jetzt vor allem der enge Familienverbund. Prinzessin Märtha Louise, 48, ist nun besonders gefordert, ihre Kinder liebevoll und achtsam im Auge zu behalten. "Es ist besonders wichtig, auf mögliche Schuldgefühle zu achten und zu versuchen, die Kinder davon zu entlasten", rät der Experte. "Im Zweifelsfall sollte man sich nicht scheuen, professionelle Hilfe zu etablieren, mit der ein Raum auch für schwierige und in der Öffentlichkeit oft wenig akzeptierte Gefühle, wie Wut und Enttäuschung, geschaffen wird".

Prinz William & Prinz Harry: Trauer um Diana ist noch heute eine Wunde

Behutsam müssen die Bedürfnisse der Kinder ertastet werden, um ihnen die Trauer und die damit verbundene Last leichter zu machen. Dass der plötzliche Tod eines Elternteils noch Jahre späte offene Wunden berührt, zeigt das Beispiel der englischen Prinzen William, 37, und Harry, 35. Auch zwanzig Jahre nach dem Unfalltod ihrer Mutter Prinzessin Diana (†36) brechen bisher offenbar unverarbeitete Emotionen aus ihnen hervor, die nur erahnen lassen, wie allein sich die damals erst 15- und 12-jährigen Teenager gefühlt haben müssen.

Prinz Philip, Prinz William, Earl Spencer, Prinz Harry und Prinz Charles folgen dem Sarg von Prinzessin Diana.
Prinz Philip, Prinz William, Earl Spencer, Prinz Harry und Prinz Charles folgen dem Sarg von Prinzessin Diana.
© Getty Images

Anlässlich des 20. Todestages ihrer Mutter im Jahr 2017 sprechen die beiden Royals in einer BBC-Dokumentation über das Ereignis, das ihr Leben so einschneidend verändern sollte. "Das war eines der schwierigsten Dinge, die ich jemals tun musste", erinnert sich William an die unendlich scheinenden Minuten, die er gemeinsam mit seinem Bruder Harry hinter dem Sarg der Mutter herlaufen muss. "Ich weiß nur noch, dass ich mich praktisch hinter meinen Pony versteckt habe und viel auf den Boden sah", erinnert der heute 37-Jährige. Im Fokus der Kameras, umgeben von einem unüberschaubaren Teppich weinender Menschen, wie soll ein trauernder Junge das ertragen?

"Ich habe mich komplett taub gefühlt"

"Die Leute haben uns angefasst, uns in ihre Arme gezogen und so. Das werfe ich natürlich keinem vor. Aber diese Momente waren sehr schockierend", fügt Harry hinzu. "Die Leute haben geschrien und geweint, die Hände, die ich schüttelte waren nass vom Wegwischen der Tränen", und man sieht die Bilder noch vor dem inneren Auge: Die beiden Kinder, die nur einen Tag zuvor vom Tod ihrer Mutter erfahren haben, müssen vor Schloss Balmoral treten, Beileidsbekundungen der Trauernden entgegennehmen und vermeintlich aufmerksam ein Meer an Trauerblumen und -kerzen betrachten. Ein herzzerreißender Anblick.

Prinz Charles, Prinz Harry und Prinz William betrachten für Diana abgelegte Trauerblumen und -kerzen.
Prinz Charles, Prinz Harry und Prinz William betrachten für Diana abgelegte Trauerblumen und -kerzen.
© Getty Images

"Damals habe ich nicht verstanden, warum alle so laut weinten und auf diese Art Gefühle zeigten, obwohl sie unsere Mutter doch gar nicht kannten", erklärt William und offenbart: "Ich weiß nur noch, dass ich mich komplett taub gefühlt habe. Orientierungslos, schwindelig und sehr verwirrt. Ich habe mich immer wieder gefragt, warum das mir passiert".

Ob die beiden Heranwachsenden psychologische Hilfe in Anspruch genommen haben, verraten die heute Erwachsenen nicht. Liebevoll jedoch beschreiben sie die Sorge ihres Vaters Prinz Charles, 71: "Er war für uns da, er war derjenige, der von beiden noch übrig war und hat sein Bestes versucht, um sicherzustellen, dass wir beschützt und umsorgt werden. Aber er musste auch mit seiner eigenen Trauer klarkommen". Auch das sollte nicht in Vergessenheit geraten: Trotz einer gescheiterten Beziehung hat auch der hinterbliebene Ex-Partner Gefühle, die verarbeitet werden müssen.

Information zu Hilfsangeboten

Sie haben suizidale Gedanken? Die Telefonseelsorge bietet Hilfe an. Sie ist anonym, kostenlos und rund um die Uhr unter 0800/1110111 und 0800/1110222 erreichbar. Eine Liste mit bundesweiten Hilfsstellen findet sich auf der Seite der "Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention".

Prinzessin Märtha Louise wird die Trauer der Kinder begleiten

Prinzessin Märtha Louise wird ähnlich wie Charles versuchen, ihre Trauer um den noch immer geschätzten Ex-Mann Ari Behn zugunsten der Kinder zurückzunehmen. Vielleicht wird ihr intensives Interesse für Spiritualität hilfreich sein, die tiefe Wunde langsam zu heilen, die der unerwartete Tod ihres Vaters bei Maud Angelica, Leah Isadora und Emma Tallulah verursacht hat.

Verwendete Quelle:Eigenrecherche, Stern

Gala

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