Pierre Casiraghi: Monaco-Spross zeigt bei Atlantiküberquerung, was ihm wirklich wichtig ist

Pierre Casiraghi wollte nie in die Öffentlichkeit. Doch durch seine mutige Atlantiküberquerung mit Greta Thunberg steht plötzlich auch seine kleine Familie im Fokus

Ein gelber Südwesterhut, wasserdichte Latzhose, blaue Crocs, der Bart etwas struppig und vom Salzwasser verklebt: An Board der „Malizia II“ ähnelte Pierre Casiraghi, 31, jetzt eher einem alten Seebären als dem Sohn einer monegassischen Prinzessin. Doch in dieser Rolle an Bord fühlt er sich wohl. Funktionskleidung mag er lieber als Smoking oder Frack, die Planken der Rennyacht sind ihm wichtiger als jeder rote Teppich.

Dabei wurde der jüngste Sohn von Caroline von Hannover, 62, in die glitzernde Society-Welt hineingeboren. Elitäre Schulen, reiche Freunde, luxuriöse Sommerurlaube auf der Privatyacht „Pacha III“ seiner Mutter - die größten Annehmlichkeiten waren nie mehr als eine Armlänge entfernt.

Pierre Casiraghi tauscht Komfort gegen hohe See

Jetzt allerdings verzichtete er auf jeden Komfort. Die Atlantiküberquerung auf der „Malizia II“ war kein Spaß. Zwei Wochen, mehr als 5000 Kilometer auf hoher See. Das Boot ständig in Bewegung, eng und laut. Im Schichtwechsel mit Boris Herrmann, 38, einem der besten Hochseesegler Deutschlands, steuerte Pierre Casiraghi das Boot oft ganz allein, tagsüber wie nachts. Auch körperlich eine Grenzerfahrung

Ihr Ziel: Greta Thunberg,16, sicher vom englischen Plymouth nach New York zu bringen. Die Gründerin der „Fridays For Future“-Bewegung, mittlerweile eine weltweite Öko-Ikone, wollte auf emissionsfreie Weise zum UN-Klimagipfel reisen, der am 23. September beginnt. Sie entschied sich für die „Malizia II“, weil diese Rennyacht zu den wenigen Schiffen auf der ganzen Welt gehört, die so gut wie kein CO2 verursachen. Außerdem bot Pierre Greta eine kostenfreie Überfahrt an - einfach, um ihre Mission zu unterstützen. An Bord entpuppte er sich dann auch noch als Gute-Laune-Garant, war selbst bei Sturm und Seegang zu Scherzen aufgelegt.

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Day 6. Sunshine sailing north of the Azores!

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Monaco-Spross meidet gerne Öffentlichkeit

Aus welcher Familie der smarte Monegasse stammt, war Greta herzlich egal. Umgekehrt genoss Pierre es, dass sich die Öffentlichkeit während der Überfahrt weit mehr für das eigenwillige schwedische Mädchen mit den Zöpfen interessierte als für ihn. Das Scheinwerferlicht hat er bisher immer gemieden. Nie sieht man ihn und seine Ehefrau Beatrice Borromeo, 34, auf Partys. Dabei sind die beiden international eines der attraktivsten und spannendsten Paare: adelig, reich, schön, intelligent, mächtig.

Beatrice, eine gebürtige Italienerin, engagiert sich als Journalistin im Kampf gegen die kalabrische Mafia. Einmal im Jahr, am monegassischen Nationalfeiertag, stellen sie und ihre Kinder sich pflichtschuldig mit dem Rest der Familie auf den Palastbalkon. Zweiter Pflichttermin: der Rosenball in Monaco, organisiert von Pierres Mutter. Ansonsten: Funkstille.

Prinzessin Caroline hat von Anfang an alles dafür getan, um ihre Kinder aus der Öffentlichkeit herauszuhalten. Weder Pierre noch sein Bruder Andrea, 35, oder seine Schwester Charlotte, 33, tragen einen Adelstitel. Sie tauchen zwar in der monegassischen Thronfolge auf. Doch als Fürst Albert II., 61, vor fünf Jahren endlich Vater wurde, waren Caroline und ihre Kinder erleichtert. Mittlerweile belegt Pierre nur noch Platz acht, nach Alberts Zwillingen Jacques und Gabriella, seiner Mutter Caroline, seinem älteren Bruder und dessen Kindern.

Dem Fürstentum fühlt sich Pierre trotzdem eng verbunden. Nach einem Wirtschaftsstudium in Mailand trat er in die Fußstapfen seines Vaters Stefano Casiraghi und stieg in die Immobilienbranche ein. In Monaco sowohl eine Gold- wie eine Schlangengrube.

Pierre segelt unter deutscher Flagge

Heute ist er Mehrheitseigner der Baufirma Engeco, die sein Vater - ebenfalls ein Italiener - 1984 kurz nach der Hochzeit mit Caroline im Fürstentum gegründet hatte. Oft sieht man Pierre an der Seite seines Onkels Albert bei Fußballspielen des AS Monaco. Vermutlich seine Lieblingsrolle: Pierre ist (hinter Fürst Albert) Vizepräsident des Yachtclubs von Monaco - der Heimathafen der „Malizia II“.

Eigner der hochmodernen Rennyacht ist der Stuttgarter Unternehmer Gerhard Senft. Die „Malizia II“ segelt unter deutscher Flagge und sendet Forschungsdaten an das Max-Planck- Institut in Hamburg. Betrieben wird sie aber vom „Team Malizia“. Dessen Gründer Pierre Casiraghi ließ das Boot klimaneutral umrüsten und benannte es in Erinnerung an einen Urahn. Ende des 13. Jahrhunderts kam Francesco di Grimaldi übers Meer und eroberte, verkleidet als Franziskanermönch, die Festung auf dem Felsen. Seitdem trug er den Beinamen „Malizia“, was auf Italienisch „Die List“ bedeutet.

Fremde Territorien zu erobern, ist  Pierres Plan nicht. Vorrangig will er mit Profisegler Boris Herrmann an internationalen Regatten teilnehmen. Das nächste große Projekt ist die berühmte Weltumrundung Vendée Globe im kommenden Jahr. Zudem ist die Mischung aus Abenteuerlust und grünem Gewissen bei den Grimaldis weit verbreitet (siehe Kasten rechts). Auf den Segeln der „Malizia II“ steht: „Ein Rennen, das wir gewinnen müssen. Klimarettung jetzt!“

"Das Schwierigste ist, die Familie zu Hause zu lassen"

Eine große Aufgabe und keine ungefährliche. Nicht nur bei Greta Thunberg reiste die Sorge mit, ob sie heil in New York ankommen würde.

Auch Pierre hatte viel zu verlieren. Auf ihn warteten Ehefrau Beatrice und die beiden kleinen Söhne Stefano, 2, (benannt nach Pierres Vater) und Francesco, 1. Für Beatrice dürfte es nicht immer leicht gewesen sein, den Kindern zu versichern, dass der Papa bald gesund und munter wieder zurückkommt. Obwohl Pierre Casiraghi seit zehn Jahren Regatten fährt, war es für ihn erst das zweite Mal, dass er per Segelboot den Atlantik überquerte.

Pierre Casiraghi, Prinzessin Caroline, Beatrice Borromeo

„Das Schwierigste ist, die Familie zu Hause zu lassen“, sagte er kurz vor seiner Abreise der Tageszeitung „Monaco Matin“. Früher habe er bei Rennen auch waghalsige Manöver gefahren. Heute tue er das nicht mehr. „Es ändert dein komplettes Leben, wenn du Kinder hast.“

Für Prinzessin Caroline war es wohl besonders schwer, ihren Sohn in dieses Abenteuer der Atlantiküberquerung ziehen zu lassen. Sie weiß aus persönlicher Erfahrung, wie gnadenlos das Meer sein kann: 1990 kam ihr Mann, Pierres Vater Stefano, bei einem Speedboat-Rennen vor Monacos Küste ums Leben. Pierre war damals drei Jahre alt. Etwa so alt wie der kleine Stefano heute.

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