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Grace Kelly (†) Das war der Wendepunkt in ihrem Leben als Fürstin

Grace Kelly (†)
Grace Kelly (†)
© dpa | Georg Göbel / Picture Alliance
Sechs Jahre, nachdem Grace Kelly Fürst Rainier das Jawort gegeben hat, fasste sich ihr Lieblings-Regisseur Alfred Hitchcock ein Herz und fragte die ehemalige Schauspielerin für seinen Film "Marnie" an. Die Fürstin sagte begeistert zu, nur um wenig später wieder zurückzurudern – gegen ihren Willen.

Reisen wir zurück ins Jahr 1962, genauer gesagt in den Monat März. Jener Frühling, der für Schmetterlinge in Grace Kellys, †52, Bauch sorgte, denn: Die Fürstin wurde sechs Jahre nach ihrer Hochzeit mit Monacos Regenten Rainier, †81, für einen neuen Film angefragt – und dann auch noch von ihrem größten Fan der Branche, dem gefeierten Regisseur Alfred Hitchcock, †80. Die Freude im Fürstenpalast war riesig, Grace Kelly sagte Hitchcock begeistert zu! Viel zu lange stand sie nun schon nicht mehr vor der Kamera, viel zu oft musste sie in den letzten Jahren Rollenangebote ablehnen. Mit "Marnie" sollte es anders werden, dieser Film könnte ihr großes Comeback bedeuten, da war sich Grace sicher ... 

Grace Kelly hoffte auf großes Hollywood-Comeback

Die Dreharbeiten waren für Spätsommer und Herbst 1962 angesetzt, ein verlängerter Amerika-Urlaub der Fürstenfamilie sollte mit den Dreharbeiten verbunden werden. "Wir haben miteinander darüber gesprochen, sie und ich. Und wir haben auch mit Hitchcock darüber gesprochen. Sie wollte unbedingt wieder mit dem Drehen anfangen. Und zu dem Zeitpunkt konnte ich auch nichts Falsches daran finden, also habe ich den Vorschlag gemacht, ihre Arbeit an dem Film mit einem Familienurlaub zu verbinden. Die Dreharbeiten sollten irgendwo in New England stattfinden. Ich habe vorgeschlagen, dass wir in der Nähe ein Haus mieten und die Kinder mitnehmen", sagte Fürst Rainer 1989 in einem Interview über das Rollenangebot seiner Frau. Weiter erklärte er:

Der Reiz an 'Marnie' war Hitchock. Ich glaube, er mochte uns beide sehr gern, und wir vertrauten ihm auch beide. Grace hätte nie in Erwägung gezogen, einfach mit irgendwem einen Film zu machen. Aber das war schließlich Hitchcock.
Grace Kelly (†52) und Alfred Hitchcock (†80)
Grace Kelly (†52) und Alfred Hitchcock (†80) besprechen 1955 ein Drehbuch am Set des Films "To Catch a Thief".
© Hulton Archive / Getty Images

Palast unterstützte ihre Pläne – eigentlich ...

Auch Graces Freundin Rita Gam bestätigte in den TV-Dokumentationen "The Hollywood Collection: Grace Kelly – The American Princess" und "Secret Lives: Grace Kelly", wie begeistert die Fürstin von der Rolle war und alle davon ausgingen, dass sie das Angebot tatsächlich umsetzen würde. "Im Ehevertrag stand nirgends geschrieben, dass ihr als Fürstin das Filmen untersagt war", so Rita Gam.

Und sie sollte Recht behalten: Am 18. März 1962 gab der Fürstenpalast in einer offiziellen Pressemitteilung bekannt, dass Grace Kelly für Hitchcocks Film "Marnie" wieder vor die Kamera treten wird. Zudem wurde betont, dass ihre Familie sie zu den Dreharbeiten im Spätsommer begleiten wird und sie nach Drehschluss umgehend zurück nach Monaco kommen werden.

Welle der Empörung überrollte die Fürstenfamilie

Alles hätte so schön sein können, doch binnen kürzester Zeit wurden etliche kritische Stimmen laut, mit denen wohl niemand gerechnet hat. Monaco war entrüstet, die Bewohner:innen des Stadtstaats empfanden es als beleidigend, ihre Fürstin in einem Hollywoodfilm zu sehen. Auch die Gage sorgte für Furore, doch dieses Problem ließ sich schnell klären: In einer kurzen Erklärung gab der Palast bekannt, dass die Gage der Fürstin in vollständiger Höhe an bedürftige monegassische Kinder, junge Sportler:innen sowie Künstler gespendet werde. 

Grace Kelly schloss sich eine Woche ein und weinte

Doch auch das konnte die Welle der Empörung nicht stoppen, und so musste Grace Kelly nach nur kurzer Zeit ihre Zusage widerrufen und ihre Rolle in "Marnie" absagen. Schließlich wandte sich sogar Papst Johannes XXIII., †81, an Grace und forderte sie als "katholische Fürstin" persönlich dazu auf, den Film nicht zu drehen. Eine Entscheidung, die wohl zu ihren schwersten gehörte, wie Wendy Leigh in ihrem Buch "True Grace. The Life an Times of an American Princess" enthüllte: Grace soll sich nach ihrer Absage eine Woche lang eingeschlossen und nur geweint haben, in dieser Zeit befürchtete man einen Nervenzusammenbruch sowie Depressionen.

Schmerzlich musste sie sich eingestehen, dass sie in diesem Leben nie wieder als Schauspielerin vor einer Kamera stehen wird – ihre Karriere war endgültig vorbei. Ein Wendepunkt in ihrem Leben als Monacos Fürstin. Graces Freundin Judith Balaban Quine sagte 1997 in der Doku "Secret Lives: Grace Kelly" über diese schwere Zeit:

Grace war unglücklich, weil sie keine wirkliche Aufgabe hatte und nicht mehr arbeiten durfte. Sie fühlte sich so überflüssig. Das mag für viele Ehemänner komisch klingen, und Rainier hatte dafür überhaupt kein Verständnis.
Trotz des ihres Kummers muss die Fürstin ihre Pflichten weiter wahrnehmen: US-General Seitz, Grace Kelly und Roger Crovetto, ein monegassischer Beamter (v.l.n.r.), bei einer Gala des Roten Kreuzes in Monaco am 27. Juli 1962.
Trotz des ihres Kummers muss die Fürstin ihre Pflichten weiter wahrnehmen: US-General Seitz, Grace Kelly und Roger Crovetto, ein monegassischer Beamter (v.l.n.r.), bei einer Gala des Roten Kreuzes in Monaco am 27. Juli 1962.
© ASSOCIATED PRESS / Picture Alliance

Das sagt Fürst Albert zu der Misere seiner Mutter

Fürst Rainier sagte 1966 über die Enttäuschung seiner Ehefrau, dass es Zeiten gegeben habe, in denen die Fürstin "etwas melancholisch" war, erklärte ihre Absage allerdings mit ihrem Wohnort: "Nehmen wir mal an, wir hätten in New York oder in London oder in Paris gelebt, wo sie ihrer Schauspielerei weiterhin hätte nachgehen können. Hier war sie davon getrennt, dabei liebte sie ihren Beruf."

Der Regent konnte den Schmerz seiner Liebsten verstehen, doch ihm waren die Hände gebunden. Das bestätigte auch sein Sohn Fürst Albert, 64, im Gespräch mit dem Autor Thilo Wydra der Biographie "Grace – Die Biographie" im November 2011. "Ich glaube, mein Vater war nicht völlig dagegen, aber wissen Sie, er saß gewissermaßen zwischen den Stühlen, und ihm war auch klar, dass das hier in Monaco sicher nicht gern gesehen worden wäre – das musste er dann nach reiflichem Nachdenken akzeptieren", so Albert.

"Lieber Hitch, es hat mir schier das Herz gebrochen ..."

Auch Grace akzeptierte die Entscheidung nach einigen Wochen schweren Herzens und schrieb am 18. Juni 1962 einen persönlichen Brief an Alfred Hitchcock, in dem sie ihren Vertrauten um Entschuldigung und Verständnis bat. "Lieber Hitch, es hat mir schier das Herz gebrochen, den Film absagen zu müssen. Ich hatte mich so sehr darauf gefreut, ihn zu machen und darauf, wieder mit Dir zusammenzuarbeiten [...]", hieß es in dem Schreiben. Weiter betonte die Fürstin: "Es ist ein Jammer, dass es so kommen musste, und es tut mir zutiefst leid. [...]."

Hitchcock reagierte verständnisvoll: "Liebe Grace, ja, das war wirklich sehr schade, nicht? Ich hatte mich schon darauf gefreut, was für ein Spaß und Vergnügen es geworden wäre, wenn wir wieder einen Film zusammen machen. Aber Du hast zweifellos nicht nur die beste, sondern auch die einzig mögliche Entscheidung getroffen [...]."

Trotz dieser Enttäuschung blieben Grace und Hitch ein Leben lang befreundet.

Verwendete Quellen: "Secret Lives: Grace Kelly", "The Hollywood Collection: Grace Kelly – The American Princess", "True Grace. The Life an Times of an American Princess", "Grace – Die Biographie"

Gala

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