Fürst Albert von Monaco: Kann er Monaco aus der Krise befreien?

Fürst Albert von Monaco will sein Land modernisieren. Stattdessen beherrschen ein Mordprozess, Korruption und die Folgen des Baubooms die Schlagzeilen. GALA analysiert sein Dilemma

Fürst Albert von Monaco

Hoch oben auf dem Grimaldi-Felsen scheint die Welt noch in Ordnung. Die Leibgarde von Fürst Albert, 60, patrouilliert in schneeweißen Uniformen vor dem Palast auf und ab. Schöne Frauen, behängt mit kostbaren Juwelen, sitzen vor den Restaurants der Altstadt, nippen an einem Hugo, streicheln ihre Hündchen, blicken auf das azurblaue Meer. 

Der Bauboom belastet Monaco

Unten rund um den Yachthafen ist es vorbei mit der Idylle. Hupen dröhnen, Fahrer gestikulieren genervt hinter ihren Windschutzscheiben, Mofas schlängeln sich durch Abgaswolken. Monaco erstickt im Verkehrschaos. Und es wird von Tag zu Tag schlimmer. "Für die knapp zwei Kilometer vom Hafen bis zum Casino braucht man an schlechten Tagen bis zu 30 Minuten", klagt ein Anwohner GALA. Schuld ist der Bauboom. Wohin man blickt, ragen Kräne in den Himmel. Der Lärm der Presslufthammer geht den Anwohnern an die Substanz. Aktuell gibt es über 50 Großbaustellen – ein Wahnsinn, bedenkt man, dass Monaco mit zwei Quadratkilometern gerade mal so groß ist wie der Berliner Tiergarten. Die Lebensqualität sinkt, und im Volk regt sich jetzt massiver Unmut. 

Der Zorn des Volkes: Seit 13 Jahren herrscht Fürst Albert über den zweitkleinsten Staat der Welt, seit 2011 mit Ehefrau Charlène an seiner Seite. Nun begehren die Monegassen erstmals öffentlich gegen Bau-Chaos und hohe Lebenshaltungskosten auf. Die ersten sind bereits weggezogen.

Fürst Albert von Monaco setzt sich für den Umweltschutz ein

Albert II. steckt in der Zwickmühle. Nach dem Tod seines Vaters trat er an, sein kleines Reich in einen Öko-Staat mit Vorbildfunktion zu verwandeln. Der Fürst fährt Elektroauto, ist bekannt dafür, Pastikmüll aufzulesen und setzt sich seit Jahrzehnten für den Schutz der Meere ein. "Jeder von uns kann dazu beitragen, dass wir unseren Kindern keinen zerstörten Planeten hinterlassen", mahnte Albert II., als er vergangene Woche die Hamburger Klimawoche eröffnete. Sein Dilemma: Monaco platzt aus allen Nähten. Wohnraum muss her. Einerseits möchte der Fürst sein Land vom Image einer Steueroase reinwaschen. Andererseits drängen nach wie vor Vermögende aus aller Welt darauf, sich hier niederzulassen. Privatpersonen zahlen in Monaco schließlich keine Einkommenssteuer. 

Monaco wird durch eine Insel erweitert

Die Lösung: Monaco soll ins Meer wachsen. Auf einer künstlichen Halbinsel entsteht ein neuer Stadtteil, Anse du Portier, ein autofreies Leuchtturmprojekt des nachhaltigen Luxus. Ende Juli weihte Albert die erste Plattform ein. Doch ganz ohne Umweltsünden ist das nicht machbar. "Jahrelang wuchsen Zitronenbäume auf meinem Balkon. Jetzt sind sie eingegangen, so sehr verpesten die Bohrschiffe die Luft", kritisiert ein Wahl-Monegasse. Der Larvotto-Strand, bisher gerade auch für die einheimischen Familien eine Oase mit feinem Sand, Palmen und Blick aufs Meer, sei wegen der Bauarbeiten nicht mehr nutzbar, schimpfen andere. Im Parlament wird heftig über die Missstände diskutiert. Die Tageszeitung "Monaco-Matin" berichtet ausführlich mit lauten Schlagzeilen. Und das in Monaco, wo bisher die Devise galt, den Fürsten nicht öffentlich zu kritisieren. 

Die royale Familie erntet Sympathiepunkte

Vorzeige-Familie: Von Anfang an bemühte sich Albert, als "Prinz zum Anfassen" zu erscheinen. Womit er bei den Monegassen heute besonders viele Sympathien gewinnen kann: Wenn er und Charlène die beiden Kinder Jacques und Gabriella der Öffentlichkeit präsentieren. Die süßen Zwillinge verbreiten stets Volksnähe.

Tatsächlich waren die ursprünglichen Pläne für die Insel noch kühner, nach langwierigen Diskussionen wird der schwimmende Stadtteil nun doch nicht ganz so groß wie einst am Reißbrett entworfen. Wie sehr den Fürsten die angespannte Situation belastet, zeigte sich diesen Sommer: Er bekam eine Lungenentzündung und musste seine Termine absagen. "Ich war ausgelaugt und müde. Es war ein anstrengendes Jahr", gab er zu. Viel ist es nicht, was Albert tun kann, um das Volk bei Laune zu halten. Nur wenn er sich mit Ehefrau Fürstin Charlène, 40, und den Zwillingen Jacques und Gabriella, 3, zeigt, kann sich das Volk für die Fürstenfamilie begeistern. Und wird berichtet, dass die Kinder seit drei Wochen eine Vorschule besuchen und dort mit bürgerlichen Kindern spielen, nährt das ein Gefühl der Zusammengehörigkeit, so wie es in Monaco früher war. Sympathiepunkte sammelt Albert auch, wenn er bei Events berichtet, dass Jacques bereits Müll trenne. 

Die ersten Bürger verlassen Monaco

Doch schöne Worte reichen vielen jetzt nicht mehr. Die Mehrzahl der nur knapp 7000 gebürtigen Monegassen sind ja keine Millionäre, sondern Bürger mit regulären Jobs. Einzelhändler, Hotelbesitzer, Politiker sind nun an Albert herangetreten, um ihm die Lage dramatisch zu schildern: Sinkende Kaufkraft und steigende Mieten zwingen die ersten zum Auswandern, darunter auch der Leibfriseur des Fürsten. Kleine Obstläden, Pâtisserien, Buchläden und Cafés verliehen Monaco bislang Charme. Muss man bald rüber nach Frankreich, um ein Croissant zu kaufen? Seit Ende September kommt zu dieser schwierigen Lage noch ein Prozess, der zwar hinter der Grenze, in Aix-en-Provence, geführt wird, Monaco aber in in seinem Inneren erschüttert. Das Opfer, Hélène Pastor, die vor viereinhalb Jahren vor einem Krankenhaus in Nizza erschossen wurde, galt als reichste Frau des Fürstentums. 

Der Mord von Hélène Pastor kratzt am Image Monacos 

Gebannt verfolgen die Monegassen derzeit einen spektakulären Mordprozess: Hélène Pastor, eine der reichsten Frauen des Fürstentums, wurde vor vier Jahren im Mai 2014 erschossen; Hauptangeklagter ist der Lebensgefährte ihrer Tochter Sylvia Ratkowski. Pikant: Der Verdächtige war als polnischer Honorarkonsul in Monaco und damit nah an Albert. 

Seit mehr als hundert Jahren kontrolliert ihre Familie das Baugeschäft und die Immobilienbranche; ihre Verbindungen zu den Grimaldis sind eng. Hauptangeklagter ist der Schwiegersohn der Getöteten – er stand dem Fürstenpaar ebenfalls nah. Wojciech Janowski, 69, war zum Tatzeitpunkt  polnischer Honorarkonsul und ein guter Freund von Alberts Berater. Sein mutmaßliches Motiv: Habgier. Hélène Pastor hinterlässt ein Erbe von rund 3,1 Milliarden Euro. Der Prozess um die Pastors kratzt an der polierten Oberfläche von Alberts strahlendem Sauberstaat. Zutage treten Skrupellosigkeit, Korruption und Machtspiele, die genau jenes Image von Monaco befeuern, das Albert verändern wollte: das eines zwielichtigen Piratenfelsens, auf dem Glücksritter aller Couleur mächtiger sind als der Regent. 

Gibt es einen Ausweg für Fürst Albert von Monaco?

Einen Ausweg aus dieser Zwickmühle gibt es nicht, jedenfalls nicht von heute auf morgen. Es sind gewachsene Strukturen, die den Erfolg Monacos begründen. Plötzlich Steuern erheben, wie es vielfach gefordert wird? Das würde natürlich manchen dazu bewegen, die neue Heimat wieder zu verlassen. Und ohne begüterte Teilzeit-Monegassen würden auch die Einheimischen weniger verdienen. Gleichzeitig weiß Albert natürlich auch, dass er bei dieser Klientel mit seinen ökologischen Zielen einen langen Atem braucht. Wer begeisterter Maserati-Fahrer ist, wird die Elektroroller, die man in Monaco leihen kann, höchstens pittoresk finden, nicht aber selbst nutzen. Am vorigen Donnerstag war Albert mit seiner schönen Frau und den süßen Zwillingen in Monaco bei einer Schiffstaufe. Dass der Katamaran "Piraten des Abgrunds" heißt, ist sicher nur ein dummer Zufall.

Fürst Albert + Fürstin Charlène

Der Fürst und die schöne Schwimmerin

17. März 2019  Zum St. Patrick's Day haben Prinz Jacques und Prinzessin Gabriella fleißig gebastelt. Mama Fürstin Charlène postet bei Instagram stolz das Ergebnis. 
14. März 2019  Im ganz kleinen Familienkreis haben Albert, Charlène und ihre süßen Zwillinge den 61. Geburtstag des Fürsten gefeiert, und zwar mit einer funkensprühenden Schokotorte. Ob Prinzessin Gabriella ihren Papa wohl fragt, ob er die "Kerze" ausblasen kann? 
14. März 2019  Das mit dem Ausblasen funktioniert leider nicht, aber die Jacques und Gabriella strahlen beim Anblick auch viel zu niedlich. Fürstin Charlène teilte diesen intimen Familien-Moment mit ihren Instagram-Fans.
22. Februar 2019  Für die Eröffnung eines neuen Luxus-Komplex in Monte-Carlo erscheint die ganz Familie: Fürstin Charlène, Fürst Albert und ihre süßen Zwillinge Gabriella und Jacques.

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