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Tina Brown über ihre Freundin Diana "Sie wäre eine großartige Königin geworden"

Tina Brown
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Tina Brown war eine gute Freundin Dianas. Im Interview gibt die Biografin Einblicke in die Gefühlswelt der Prinzessin

Lange Zeit galt die gebürtige Britin als mächtigste Frau des Medienzirkus, leitete erfolgreich das US-Magazin "Vanity Fair" und den "New Yorker". Sie und Prinzessin Diana kannten einander und waren lose befreundet. Tina Brown, 63, darf sich übrigens Lady nennen – ihr Ehemann wurde von der Queen geadelt. Ein Titel, den die Journalistin bei ihren Recherchen im Hochadel zu nutzen wusste, wie sie im Gespräch mit GALA lachend zugibt.

Für ihr 2007 erschienenes Buch "Diana – die Biografie" hat Brown 250 Wegbegleiter der Prinzessin nach ihren persönlichen Erinnerungen befragt. Und dabei Erstaunliches herausgefunden. Etwa, dass Dianas letzter Geliebter Dodi Al-Fayed nur eine Sommeraffäre war, derer sie eigentlich schon überdrüssig wurde. Und auch der Lebemann selbst sei nicht gleich Feuer und Flamme für Diana gewesen, die publicityträchtige Beziehung kam auf Wunsch seines umtriebigen Vaters Mohamed zustande.

Des Weiteren enthüllt Brown, dass die ambitionierte Prinzessin davon träumte, den US-Millionär Teddy Forstmann zu heiraten und an seiner Seite ins Weiße Haus einzuziehen. Und kurz vor ihrem Tod habe Lady Di sich mit Prinz William zerstritten, weil der sie wegen ihrer Liaison mit Dodi kritisiert hatte. Eine Gelegenheit zur Versöhnung gab es für den damals 15-Jährigen nicht mehr.

Die Biografie ist keine angenehme Lektüre für William und Harry. Macht Ihnen das nichts aus?

Ein bisschen schmerzhaft ist mein Buch für sie wahrscheinlich schon. Aber ich denke, die beiden sind jetzt Männer und können damit umgehen. Und sie sind ja mittlerweile gewohnt, unangenehme Wahrheiten über ihre Mutter zu hören.

Zum Beispiel, wie Diana mit ihrer unliebsamen Stiefmutter Lady Raine verfahren ist …

Diana konnte unglaublich wütend werden, wenn ihr etwas missfiel. Und ja, als Jugendliche hat sie Lady Raine einmal die Treppe hinuntergeschubst. Nach dem Tod ihres Vaters beförderte Diana ihre Stiefmutter dann höchstpersönlich aus Althorpe hinaus, ließ ihre Sachen in schwarze Plastiksäcke einpacken und diese vor die Tür werfen. Viel von dieser unbändigen Wut liegt in Dianas unglücklicher Kindheit begründet, die eine tiefe Narbe bei ihr hinterlassen hat. Rührte man daran, verhielt sie sich wie ein verwundetes Tier und schlug um sich.Gleichzeitig besaß sie legendären Charme.

Standardwerk: "Diana – Die Biographie" von Tina Brown, Droemer TB, 823 Seiten, 14,99 Euro
Standardwerk: "Diana – Die Biographie" von Tina Brown, Droemer TB, 823 Seiten, 14,99 Euro
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Oh, ja. Sie konnte sehr intensiv zuhören und gab im Gespräch ihrem Gegenüber stets das Gefühl, dass sie etwas verriet, was sie noch nie zuvor jemandem erzählt hatte. Das wirkte, kombiniert mit ihrer Schönheit, unglaublich anziehend. Männer mochte sie allerdings lieber als Frauen.

Sah Diana Frauen als Konkurrentinnen?

Ja. Sie mochte es nicht, wenn andere charmante Frauen um sie waren. Auch deshalb waren die meisten ihrer Freundinnen älter, Mutterfiguren. Karrierefrauen empfand sie als besondere Bedrohung, weil sie sich selbst immer für ungebildet hielt. Verrückt eigentlich, weil sie doch diese großartige emotionale Intelligenz besaß.

Wie konnte sie sich dann mit so einer erfolgreichen Frau wie Ihnen anfreunden?

Hm, sagen wir mal so, sie hat sich in meiner Gegenwart sicher nie so entspannt wie im Gespräch mit einer Frau, die keine Karriere gemacht hat.

Was war ihr dann so wichtig, dass sie immer wieder Ihren Rat gesucht hat?

Ihre Söhne. Sie erzählte mir, wie sehr sie sich wünschte, dass sich William so entwickeln würde wie John F. Kennedy Jr. Der lebte damals noch. Und ich gab ihr Tipps für den Umgang mit den Medien. Die übten eine unheimliche Anziehungskraft auf Diana aus. Sie las jedes Fitzelchen, das über sie gedruckt wurde. Schlechte Presse machte sie verrückt.

Da hätte sie bei Ihrem Buch bestimmt einen Tobsuchtsanfall bekommen.

Natürlich wäre sie wegen einiger Passagen sauer gewesen. Aber vieles hätte ihr auch gefallen, wie beispielsweise die Schilderung ihrer Liebesgeschichte mit dem Arzt Hasnat Khan, zu dem sie sich nachts immer ins Krankenhaus schlich.

Sie schreiben, dass beide eine innige Liebe verband.

So war es auch. Immerhin hat Hasnat Khan erst fast zehn Jahre nach ihrem Tod geheiratet. Dieser Mann hat Diana wirklich geliebt. Trotzdem wollte er für sie seine Karriere und sein bisheriges Leben nicht aufgeben.

Glauben Sie eigentlich, dass die Ehe von Diana und Charles eine Chance gehabt hätte, wenn es Camilla Parker Bowles nicht gegeben hätte?

Vielleicht. Eine perfekte Beziehung wäre es wohl nie geworden, aber zumindest eine gute Freundschaft. Ein Großteil von Dianas Zorn resultierte aus dieser unglücklichen Verbindung. Sie wollte einen richtigen Ehemann und war viel zu jung, um sich mit der Rolle einer ungeliebten Gattin abzufinden. Ein paar Jahre später hätte sie das vielleicht gekonnt. Sehr tragisch.

Glauben Sie, dass Diana eine gute Königin geworden wäre?

Eine großartige!

Gala

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