Royal-News: Das Protokoll der Fast-Entführung von Prinzessin Anne

Prinzessin Anne, die Tochter der Queen, entkam 1974 nur um ein Haar einer Entführung. GALA zeichnet die dramatischen Momente nach. 

20. März 1974, gegen 20 Uhr abends. Die damals 23 Jahre alte Prinzessin Anne, Tochter der Queen, und ihr Mann Mark Phillips sind in einem Auto auf der Londoner Prachtstraße "The Mall" unterwegs. Begleitet werden sie von einem Leibwächter und einer Hof-Mitarbeiterin. Die Gruppe ist auf dem Rückweg von einem Charity-Event zum Buckingham Palast.

Royal in Gefahr

Nur wenige hundert Meter vor dem Ziel taucht plötzlich ein anderer Wagen auf. Am Steuer: Ian Ball. Er drängt das Auto hinter sich ab, zwingt den Chauffeur der Royals, an den Straßenrand zu fahren, steigt aus und attackiert die Gruppe. Der 26-Jährige ist bewaffnet - und feuert. Annes Bodyguard und der Chauffeur werden verletzt. Ian Ball versucht, Anne aus dem Auto zu ziehen. Sein perfider Plan: Er will die junge Royal entführen und drei Millionen Pfund (heute umgerechnet etwa 3,54 Millionen Euro) Lösegeld von der Königsfamilie für die Freilassung erpressen. Doch der Plan misslingt - dank Ronnie Russell.

20. März 1974: Das Auto, in dem Prinzessin Anne saß, und der weiße Ford Escort von Angreifer Ian Ball. 

Der Boxer ist ebenfalls auf der Mall unterwegs und stoppt seinen Wagen, als er die Auseinandersetzung zwischen Ian Ball und einem Polizisten sieht, der während seiner Patrouille zufällig zum Ort des Geschehens gestoßen ist. Russell will helfen und steigt aus. Die Situation eskaliert, als auch noch ein Reporter der Daily Mail zufällig auftaucht. Er und der Polizist werden von Ian Ball niedergeschossen. Die Prinzessin bleibt unterdessen ruhig. "Sie hat sich sehr, sehr zusammengerissen und sagte ihm: 'Geh einfach weg und sei kein so dummer Mann'", erinnert sich Russell gegenüber der BBC an Anne. 

Mark Philips und Prinzessin Anne heirateten am 1. November 1973. 

Als Ball sich der Prinzessin wieder nähert, schreitet Ronnie Russell ein und schlägt ihm heftig auf den Kopf. Doch der potentielle Entführer gibt nicht auf, feuert auf Russell. Der Schuss geht vorbei. Als Ball Anne weiter nachstellt, holt Ronnie Russell zum finalen Schlag aus. "Er stand da und starrte mich, mit der Waffe in der Hand, und ich schlug ihn. Ich schlug ihn so fest ich konnte und er lag flach auf dem Boden", erinnert er sich gegenüber BBC.

Royal-Retter Ronnie Russell bleibt bescheiden

Über seinen heroischen Einsatz sagt er laut "The Sun":

Ich glaube immer noch, dass das Leben eines Mitglieds der königlichen Familie viel wichtiger ist als meines.

Vier Menschen - Annes Leibwächter, ihr Chauffeur, der Polizist und der Journalist - werden durch die Schüsse verletzt. Prinzessin Anne und ihr Mann Mark Phillips überstehen die Attacke unversehrt.

Dem mental kranken Ian Ball wird der Prozess gemacht. Im April 1974 sagt er vor Gericht, er habe Anne kidnappen wollen, weil er "auf den Mangel an Einrichtungen zur Behandlung von Geisteskrankheiten im Rahmen des Nationalen Gesundheitsdienstes aufmerksam machen wollte." Ian Ball bekennt sich des versuchten Mordes und der Entführung schuldig. Er wird zu einer lebenslangen Haftstrafe in einer psychiatrischen Einrichtung verurteilt. 

Queen Elizabeth bedankt sich bei Ronnie Russell

Im Februar 2020, Jahrzehnte nach dem Kidnapping-Versuch in London, offenbart Anne-Retter Russell, dass die Queen ihm auf besondere Weise ihren Dank zeigte. Kurz nach dem Vorfall sei die Polizei zu ihm nach Hause gekommen. 

"Sie sahen sich in meinem Haus um und sagten: 'Oh, das ist ein schönes Haus.' Sie fragten, ob ich eine Hypothek habe und ich sagte: 'Ja, ja, warum?' Sie sagten: 'Nun, wir sagen Ihnen das wirklich ein bisschen zu früh, aber die Königin wird Ihre Hypothek als Geschenk für das zurückzahlen, was Sie getan haben.'" Er habe dies "wunderbar" gefunden, sagt der heute 72 Jahre alt Russell im Interview. Zumal er kurz davor gestanden hatte, sein Haus wegen Geldproblemen zu verlieren.

Queen Elizabeth (l.) und Prinzessin Anne (r.) mit ihren Rettern am 26. November 1974 im Palast. 

Von der Queen bekam er nicht nur ein Zuhause, sondern auch die George Medal, die zweithöchste zivile Auszeichnung des Vereinigten Königreichs und des Commonwealth. Sie wird für außerordentlichen Mut verliehen. Traurig: Weil Ronnie Russell erneut mit Geldproblemen kämpft, will er die Medaille in einer Auktion verkaufen. 

Verwendete Quellen: The Sun, The Mirror, smithsonianmag.com, Daily Mai, BBC

Themen

Erfahren Sie mehr:

Palastgeflüster: Das machen die Royals