Queen Elizabeth, die Große: Warum die Königin die Megxit-Gewinnerin ist

Queen Elizabeth gibt Prinz Harry und Herzogin Meghan den Weg für ein selbstbestimmtes Leben abseits des Hofes frei. Doch wer denkt, das mache sie zu einer Verliererin, der irrt.

Am Ende kam der Ausstieg aus dem Königshaus für Prinz Harry, 35, anders als geplant. "Unsere Hoffnung war es, weiterhin der Königin, dem Commonwealth und meinen Militärverbänden zu dienen, aber ohne öffentliche Gelder. Das war leider nicht möglich", sagte er in einer Rede am Sonntag (20. Januar) während eines Charity-Dinners in London für seine Wohltätigkeitsorganisation "Sentebale." Er sei "sehr traurig, wie es gekommen ist."

"Wie es gekommen ist" - damit meint Harry den für ihn ungewollt harten Megxit. Keinerlei Auftritte und Termine mehr im Namen der Queen, Ablegen des Titels "Königliche Hoheit" in der Öffentlichkeit, Verlust der militärischen Ehren-Titel. Auch, wenn Queen Elizabeth, 93, in ihren bisher veröffentlichten Statements zum Thema Rücktritt sanfte Töne angeschlagen hat und mehr als Großmutter denn Monarchin sprach - hinter den Palastmauern war sie es, die Harry und Meghan in ihre Schranken wies.

Queen Elizabeth beweist Stärke

Nichts empörte die britische Presse in den letzten 13 Tagen mehr als das angeblich "respektlose" Verhalten Harrys und Meghans gegenüber der Queen. Nicht einmal sie soll über das Rücktritt-Statement am 8. Januar informiert gewesen sein. Die Queen sei "verletzt" und "enttäuscht", schrieben die Zeitungen auf der Insel. Sollte dies der Wahrheit entsprechen, könnte man es der Königin nicht verdenken. Doch es gibt etwas, das für sie schwerer wiegt als jeder noch so starke, persönliche Rückschlag.

Queen Elizabeth

Ein Leben für die Krone

2. Juni 1953  Vor 66 Jahren wurde aus der jungen Elizabeth auch ganz offiziell eine Königin. Nach dem Tod ihres Vaters König Georg VI. im Februar 1952 hatte sie den Thron schon bestiegen, die Krönungsfeierlichkeiten brauchten jedoch Zeit. Diese seltene Farbaufnahme stammt aus der TV-Dokumentation "A Queen Is Crowned", ihre Krönung war schließlich die allererste, die im Fernsehen übertragen wurde.  Aber beginnen wir von vorne ...
1926: Elizabeth mit ihren stolzen Eltern.
29. Mai 1926  Queen Elizabeth wird in der Privatkapelle des Buckingham Palastes auf den Namen Elisabeth Alexandra Mary getauft. Ihre Paten waren ihre Eltern, Lord Strathmore, Prinz Arthur (Urgroßonkel väterlicherseits), Prinzessin Mary (Tante väterlicherseits) und Mary Elphinstone (Tante mütterlicherseits).
1927  Mit einem Jahr bezauberte die kleine Lizzie schon mit sonnigem Gemüt.

70

Ein Leben für das Volk

Seit 68 Jahren sitzt die Queen auf dem Thron des Vereinigten Königreiches und Nordirland - und genauso lange hält sie sich an ein Versprechen, das sie ihrem Volk bereits als 21-Jährige Prinzessin gegeben hatte. 

Ich erkläre vor Ihnen allen, dass mein ganzes Leben, sollte es kurz oder lange sein, Ihrem Dienst und dem Dienst an unserer großen, imperialen Familie gewidmet sein soll, zu der wir alle gehören.

Was die Queen an jenem 21. April 1947, ihrem 21. Geburtstag, vielleicht noch nicht ahnte: Auch ihre eigene Familie würde sich diesem Credo in den folgenden Jahrzehnten unterordnen müssen.

Prinz Harry und Herzogin Meghan müssen sich der Königin beugen

Als "half way out, half way in" beschrieb die britische Presse die von Harry und Meghan am 8. Januar erklärte Absicht, als "hochrangige Mitglieder der königlichen Familie zurückzutreten, um finanziell unabhängig zu werden und Ihre Majestät, die Königin, weiterhin uneingeschränkt zu unterstützen." Im Klartext: Teilzeit-Royals. Ein Novum in der britischen Zeitgeschichte, welches Gefahren barg für eine Institution, die die Queen als "von Gott gegeben" betrachten soll.

Herzogin Meghan und Prinz Harry

13 Fragen, 13 Antworten

Bye, bye, Meghan + Harry! Das bedeutet ihr Rücktritt

Als Mitglied der Königsfamilie muss man sich an deren Werte halten - und diese lebt der Monarch vor wie kein zweiter. "Der Souverän fungiert als Mittelpunkt für nationale Identität, Einheit und Stolz; verleiht ein Gefühl von Stabilität und Kontinuität; erkennt Erfolg und Leistungen an und unterstützt das Ideal des Freiwilligendienstes", heißt es auf der Website des Königshauses. 

Die Königsfamilie ist neutral, integer, unabhängig und vertrauenswürdig. Sie bleibt bei sich, ist herausgelöst aus Alltäglichkeiten und umgeben von einem jahrhundertelangen Mythos, der vor allem im Zeitalter der Massenmedien Menschen auf der ganzen Welt fasziniert. Und vor allem ist die Königsfamilie eines: nicht käuflich. Genau da wurden Meghan und Harry zu einem Risiko.

Am Ende des Tages müssen die Sussexes, die fortan keine Unterstützung mehr durch Steuergelder erhalten, die Rechnungen für ihren extravaganten Lebensstil mit Rund-um-die-Uhr-Bodyguards, Häusern in England und Kanada und Privatjets selbst begleichen. Dafür brauchen sie Geld. Viel Geld. Bekommen können sie es zum Beispiel durch die Zusammenarbeit mit Firmen, TV-Studios, Event-Veranstaltern und Merchandise-Produzenten. Das Königshaus muss sich zwar kontinuierlich modernisieren, um sich zu legitimieren, doch dass eine Königliche Hoheit als Markenbotschafter für Google oder Apple auftritt oder gar als Werbegesicht von einer Cornflakes-Packung grüßt - aktuell utopisch. 

Herzogin Meghan + Prinz Harry

Steht eine mögliche Influencer-Karriere auf dem Plan?

Herzogin Meghan und Prinz Harry
Herzogin Meghan und Prinz Harry könnten über eine möglich Influencer-Karriere nachdenken.
©Gala

Royale Pflichten sind von nun an passé

"Half way out, half way in" war für die Queen also keine Option. Und so entschied sie, dass Harry und Meghan "nicht länger arbeitende Mitglieder der königlichen Familie sind" - zum Schutz einer der exklusivsten und unantastbarsten Familienunternehmen der Welt, den Windsors. Die angeblichen Bedenken einiger Hofmitarbeiter, Harry könne seine Großmutter in persönlichen Gesprächen um den Finger wickeln - zerschlagen.

Die 93-Jährige mag über die Jahre ihrer Regentschaft vielleicht etwas weicher geworden sein und hat aus dem Fall Diana ihre Lehren gezogen (Ihr erkannte die Queen 1996 nach der Scheidung von Prinz Charles den Titel "Königliche Hoheit" gänzlich ab). Doch mit ihrer klaren und eindeutigen Megxit-Entscheidung hat sie einmal mehr gezeigt, dass der Bestand und die Zukunft des Hauses Windsor auf dem britischen Thron über jedem Einzelschicksal der Familie steht. Das mussten vor Harry und Meghan schon andere erfahren.

Auf diesem Foto, das Prinzessin Margaret anlässlich ihres 26. Geburtstages am 21. August 1956 zeigt, wirkt sie nachdenklich und beinahe unglücklich. Zehn Monate zuvor hatte sie öffentlich verkündet, ihre große Liebe Peter Townsend nicht heiraten zu werden

Britische Royals im Schatten der Krone | Teil 1

Die tragische Geschichte von Prinzessin Margaret

Prinz Philip musste seine Militärkarriere aufgeben, als König George VI. starb und seine Tochter damit zur Queen wurde. Ihrer Schwester Prinzessin Margaret verbot Elizabeth in ihrer Rolle als Oberhaupt der Church of England in den 1950ern die Hochzeit mit dem geschiedenen Peter Townsend. Zuletzt traf es Prinz Andrew, der im Zuge des Jeffrey-Epstein-Skandals von seinen royalen Pflichten zurücktrat (offiziell freiwillig, angeblich aber auf Druck).

In den Zeiten der wirtschaftlichen und politischen Unruhe, des Brexit, ist das Verhalten der Queen somit genau das, was man von ihr als Staatsoberhaupt erwartet: Stabilität und Kontinuität. Das quittiert auch das Volk mit Wohlwollen. Kein böses Wort ist seit dem Megxit in den Medien über die Königin geschrieben worden. In Social-Media-Foren wird sie hochgelobt und für ihr Pflichtgefühl respektiert. 

Und deshalb ist die Entscheidung, Harry und Meghan aus dem Königshaus auszuschließen, nur einer von vielen Gründen, warum die 93-Jährige es verdient hat, als Elizabeth, die Große, in die Geschichtsbücher einzugehen.

Themen

Erfahren Sie mehr:

Palastgeflüster: Das machen die Royals