Britische Royals: Wie "normal" kann die Kindheit für einen royalen Spross sein?

Elizabeth II. mit Corgi, Charles im Kinderwagen – Adels-Expertin Ingrid Seward über vier Generationen Windsor-Kinder und ihre Sehnsucht nach Normalität

Seit Jahrhunderten ist die Geburt eines Prinzen oder einer Prinzessin sowohl für die Familie als auch für das Land Anlass zum Feiern, denn sie symbolisiert Hoffnung und Kontinuität für die Zukunft. Zu Zeiten der Tudors zogen sich solche Feste über mehrere Tage hin, mit dem König als zentraler Figur, der sich in der Bewunderung für seine Zeugungskraft sonnte. Die Königin hingegen wurde kaum beachtet, war sie doch bis zur Geburt in einem stickigen, mit Gobelins behängten Zimmer versteckt worden. Queen Elizabeth II. brachte jedes ihrer vier Kinder im "Buhl Room" im Buckingham-Palast zur Welt, der für diesen Anlass in eine Art Kreißsaal verwandelt worden war. Prinzessin Diana war 1982 die erste Mutter, die im öffentlichen St. Mary’s Hospital einen Thronfolger auf die Welt brachte, wenngleich auf der Privatstation.

Der Wunsch einer normalen Kindheit

Königsfamilien wünschen sich für ihren Nachwuchs eine möglichst normale Kindheit. Doch wegen des großen öffentlichen Interesses an den Nachfahren erweist sich das oft als unmöglich. In den Dreißigerjahren, als die heutige Queen unweit ihres Londoner Zuhauses im Park spielte, wurden sie und ihre Schwester Prinzessin Margaret von Menschentrauben umgeben und angestarrt. Sie hatten nur wenige Freundinnen außerhalb der königlichen Kreise, verließen sich also aufeinander oder kuschelten mit ihren Haustieren. Elizabeths Mutter "Queen Mum" fand, dass eine Kindheit voller glücklicher Erinnerungen sein sollte, die man für schwere Zeiten auf bewahren kann. Sie hielt wenig von Disziplin.

Queen Elizabeth: Zugenähte Taschen, Klavier und Pferdebücher

Queen Elizabeth musste als Kind mit geradem Rücken sitzen.

Elizabeths Großmutter Queen Mary hingegen war streng. Sie lehrte Elizabeth, nicht herumzuzappeln, und ließ deren Taschen zunähen, damit sie ihre Hände nicht darin verstecken konnte. Elizabeth musste mit geradem Rücken sitzen wie ein Wachposten und beim Stehen ihre Füße exakt nebeneinander stellen, ohne das Gewicht von einem Bein aufs andere zu verlagern. Die junge Elizabeth liebte das Singen und Klavierspielen mit ihrer Schwester, und sie las so viele Pferdebücher wie möglich. Als sie Königin wurde, war ihr Sohn Charles gerade mal drei und ihre Tochter Anne zwei Jahre alt. Als Regentin sah sie ihre Sprösslinge weitaus seltener, als sie es sich gewünscht hätte.

Prinzessin Diana verbrachte Wochenenden mit ihren Jungs

Prinz William, Prinz Harry, Herzogin Meghan und Herzogin Kate (v.l.) zusammen auf einem öffentlichen Termin

Die Fab Four

Kein Charity-Team mehr?

Prinz Philip spielte als Vater eine wichtige Rolle. Im Wesentlichen wurden die Kinder jedoch von Nannys und Hauslehrern erzogen. Mit dieser Tradition brach in der nächsten Generation Diana, indem sie sehr viel Zeit mit ihren Söhnen verbrachte. Aber auch sie musste William und Harry wegen der vielen royalen Pflichten öfter in der Obhut der Nannys lassen. Zum Ausgleich verbrachte sie ihre gesamte Freizeit und die Wochenenden mit den Jungs. Diana gelang es, so etwas wie Normalität ins Leben der Prinzen zu bringen. Sie zeigte ihnen das Leben außerhalb des goldenen Käfigs, ging mit ihnen ins Kino, den Freizeitpark oder den Zirkus und verputzte mit ihnen bei McDonald’s Hamburger. Und sie nahm sie mit zu Obdachlosen und HIV-Patienten, auch das war Kontakt zur Außenwelt. Dianas größter Verdienst: William und Harry engagieren sich heute genauso beherzt in Sachen Charity wie sie damals. Und sie bekamen dank Diana zumindest einen Funken Ahnung davon, wie ein normales Leben aussieht.

Prinz William: Angst vor Plaudereien

Prinzessin Charlotte

Lieblingsfarbe, Hobbys, Kindergarten-Alltag

Süße und spannende Details über Prinzessin Charlotte

Der tragische Tod der geliebten Mutter und die nachfolgende Berichterstattung ließ die Prinzen jedoch vorsichtig werden bei allem, was ihr Privatleben betrifft. Das wirkt bis heute nach. Aus Angst vor Plaudereien wollte Prinz William ursprünglich weder Hausangestellte noch eine Nanny für seine Kinder einstellen. Ohne Hilfe hätten er und Kate jedoch keine zwei Haushalte führen und dazu ihre royalen Pflichten erfüllen können. Also entschied man sich doch für ein Kindermädchen.

Prinzessin Diana

Besonderes Denkmal in Paris

Prinzessin Diana (1961-1997)

Zwischen Distanz und Bürgerlichkeit

Auch Kate hätte ihre Kleinen am liebsten immer um sich, doch George, Charlotte und Louis führen von Anfang an ein Leben, das dem ihres Vaters im selben Alter nicht unähnlich ist. Sie wohnen im Kensington-Palast sowie in einem großen Haus auf dem Land, und eine Nanny begleitet sie bei fast jedem ihrer Schritte. Der wesentliche Unterschied ist die Nähe zu ihrer Großmutter mütterlicherseits, Carole Middleton. Beide Omas von William, die Queen und Dianas (2004 verstorbene) Mutter Frances Shand Kydd, waren eher distanziert, sowohl räumlich als auch emotional. Carole hingegen ist eine Großmutter wie aus dem Bilderbuch. Wenn die Kids bei ihr sind, verläuft ihr Alltag normal. Natürlich erkennen sie heute noch nicht den Unterschied, ob sie bei ihrer bürgerlichen Oma Carole oder ihrer Urgroßmutter, der Queen, am Tisch sitzen, aber eines Tages werden sie ihn verstehen. Wann dieser Tag kommt, hängt davon ab, welcher Teil der Familie mehr Einfluss auf ihre Erziehung hat.

Privilegiertes Leben fordert Verantwortung

Kates bürgerliche Werte haben auch William bewusst gemacht, welche Nachteile das privilegierte Leben der Königskinder mit sich bringt und wie es einen Menschen auch verderben kann. Prinz Michael von Kent, ein Cousin der Queen, sagte einmal mahnend:

"Wenn man privilegiert ist, hat man keine andere Wahl, als Verantwortung zu übernehmen. Man kann nicht die Vorteile genießen, ohne die Pflichten zu akzeptieren." 

Dieses Pflichtgefühl wird allen Royal- Kindern mitgegeben, auch dem Kind von Prinz Harry und Meghan. Doch das schließt Geborgenheit heute nicht mehr aus.

Queen Elizabeth

Ein Leben für die Krone

2. Juni 1953  Vor 66 Jahren wurde aus der jungen Elizabeth auch ganz offiziell eine Königin. Nach dem Tod ihres Vaters König Georg VI. im Februar 1952 hatte sie den Thron schon bestiegen, die Krönungsfeierlichkeiten brauchten jedoch Zeit. Diese seltene Farbaufnahme stammt aus der TV-Dokumentation "A Queen Is Crowned", ihre Krönung war schließlich die allererste, die im Fernsehen übertragen wurde.  Aber beginnen wir von vorne ...
1926: Elizabeth mit ihren stolzen Eltern.
29. Mai 1926  Queen Elizabeth wird in der Privatkapelle des Buckingham Palastes auf den Namen Elisabeth Alexandra Mary getauft. Ihre Paten waren ihre Eltern, Lord Strathmore, Prinz Arthur (Urgroßonkel väterlicherseits), Prinzessin Mary (Tante väterlicherseits) und Mary Elphinstone (Tante mütterlicherseits).
1927  Mit einem Jahr bezauberte die kleine Lizzie schon mit sonnigem Gemüt.

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