Prinzessin Margaret (†): Der wahre Grund für die Trennung von Peter Townsend

Die Liebesgeschichte von Prinzessin Margaret und Peter Townsend ist so tragisch, dass sie einem Hollywood-Drehbuch entspringen könnte. Schuld daran sei Margarets Schwester Queen Elizabeth, so die weitläufige Meinung. Doch in Wahrheit war alles ganz anders 

Peter Townsend und Prinzessin Margaret während einer Reise der Royals in Südafrika im Jahr 1947

Prinzessin Margaret lernt ihren Traummann bereits im zarten Alter von 14 Jahren kennen: Der ehemalige "Royal Air Force"-Pilot Peter Townsend, damals fast 16 Jahre älter als sie, wird 1944 als Stallmeister ihres Vaters König George VI. engagiert. Etwa sieben Jahre nach dem Kennenlernen, so soll es Townsend laut britischen Medien einst selbst berichtet haben, entsteht eine romantische Beziehung zwischen ihm und der Prinzessin. Das Problem: Townsend ist zu diesem Zeitpunkt verheiratet und Vater zweiter Söhne. Selbst als er sich 1952 scheiden lässt und Margaret um ihre Hand bittet, ist ein Happy End des Paares in weiter Ferne.

Prinzessin Margaret: Die Liebe zu Peter Townsend steht unter keinem guten Stern

Die Affäre des ungleichen Paares, über die man schon seit geraumer Zeit munkelt, wird 1953 öffentlich - und das durch ein winziges Detail: Bei der Krönung von Queen Elizabeth am 2. Juni 1953 bemerkt ein Zeitungsreporter, dass die Prinzessin einen Fussel von Townsends Jacke wischt. Worüber sich heute niemand wundern würde, gilt damals als intime Geste.

Im Schatten der Königin: Prinzessin Margaret (hinten) und ihre Schwester (vorne) besuchen am 27. Oktober 1952 eine Filmvorführung auf dem Leicester Square in London. Zu diesem Zeitpunkt sollen sich Margaret und Peter Townsend schon näher gekommen sein

Die Queen sieht sich der bis dato schwierigsten Entscheidung ihres Lebens gegenüber: Nach dem "Royal Marriages Act" von 1772 muss sie die Ehe genehmigen, weil Margaret 25 Jahre alt ist. Unter dem Druck des damaligen Premierministers Winston Churchill und der Church of England, die prinzipiell gegen die Wiederheirat eines Geschiedenen sind, verbietet die Queen ihrer Schwester die Hochzeit. Townsend trotzdem zu heiraten würde weitreichende Konsequenzen für Margaret haben: Sie würde alle königlichen Privilegien und ihre Apanage verlieren. Townsend wird kurzerhand aus der Schusslinie gebracht und nach Brüssel versetzt. Es heißt, man habe versucht, die Beziehung auf diese Weise zu unterwandern. Mit Erfolg - und das, obwohl Margaret mit dem Eintreten ihres 25. Geburtstags ein Mittel gehabt hätte, sich gegen ihre Schwester aufzulehnen.

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Prinzessin Charlotte ist bei ihrer Einschulung ganz schön aufgeregt. Ein Glück, dass Mama Kate sie etwas beruhigen konnte.
©Gala

Das Ende einer großen Liebe

Am 21. August 1955 feiert Margaret ihren 25. Geburtstag - und damit eine entscheidene Veränderung: Sie kann das Parlament bitten, die Ablehnung der Queen zur Hochzeit mit Townsend außer Kraft zu setzen. Doch dies wäre ein Skandal für das britische Königshaus gewesen, erst recht nach der Abdankung Edwards VIII. aus Liebe zur US-Amerikanerin Wallis Simpson. Also wird hinter den Kulissen ein Kompromiss ausgearbeitet, denn zu Margarets Glück ist mit Anthony Eden nun ein Premierminister an der Macht, der selbst geschieden und zum zweiten Mal verheiratet ist.

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Der Hochzeitsdeal: Eden verpflichtet sich, den jahrhundertealten "Royal Marriages Act" dahingehend zu ändern, dass Margaret und ihre zukünftigen Kinder bei einer Hochzeit mit Townsend aus der Thronfolge ausscheiden. Die Erlaubnis der Königin würde dadurch obsolet werden. Zu Margarets Wohlwollen gab es weder eine Klausel, die sie aus der königlichen Familie ausgeschlossen noch sie und Townsend ins Ausland gezwungen hätte. Die BBC zitiert 2004 aus einem Brief, den man dem Premierminister als Antwort übersendet haben soll: Obwohl die Königin aufgrund der Scheidung von Townsend die formelle Erlaubnis für die Ehe nicht erteilen würde, würde "Ihre Majestät dem Glück ihrer Schwester nicht im Wege stehen wollen". Doch dann passiert etwas, womit wohl niemand gerechnet hat. 

Hat Margaret kalte Füße bekommen?

Am 31. Oktober 1955, nur drei Tage, bevor der endgültige Entwurf des Hochzeitsdeals aufgesetzt werden soll, hat Margaret der Öffentlichkeit eine überraschende Mitteilung zu machen: "Ich möchte wissen lassen, dass ich mich entschlossen habe, Group Captain Peter Townsend nicht zu heiraten. In Anbetracht der Lehren der Kirche, dass die christliche Ehe unauflöslich ist, und dem Bewusstsein meiner Pflicht gegenüber dem Commonwealth habe ich beschlossen, diese Bedeutung über andere zu stellen." In einem offiziellen Brief soll Premierminister Eden die Entscheidung wie folgt mitgeteilt worden sein:  "Es ist Prinzessin Margarets Wunsch, dass sie weiterhin im Vereinigten Königreich leben und ihre öffentlichen Pflichten als Mitglied der königlichen Familie wahrnehmen kann." Warum Margaret trotz der Zugeständnisse seitens der Regierung auf Townsend verzichtete, ist offiziell nicht bekannt.

Auf diesem Foto, das Prinzessin Margaret anlässlich ihres 26. Geburtstages am 21. August 1956 zeigt, wirkt sie nachdenklich und beinahe unglücklich. Zehn Monate zuvor hatte sie öffentlich verkündet, ihre große Liebe Peter Townsend nicht heiraten zu werden

Peter Townsend selbst schrieb 1978 in seiner Autobiografie "Time and Chance": "Sie hätte mich nur heiraten können, wenn sie bereit gewesen wäre, alles aufzugeben - ihre Position, ihr Ansehen, ihre finanziellen Mittel. Ich hatte einfach nicht das Gewicht (...), um alles auszugleichen, was sie hätte verlieren können."

Tatsächlich: Inoffiziell soll Margaret Premierminister Eden laut "The Telegraph" bereits am 15. August 1995 einen Brief gesendet haben, in dem sie Zweifel an einer Trauung offenbarte. Etwas Ähnliches erzählt später auch ihre Freundin Lady Jane Rayne in der BBC-Dokumentation "Princess Margaret: The Rebel Royal": "Sie sah aus, als wäre sie absolut untröstlich, aber ich glaube nicht, dass sie das war. Sie hat alles abgewogen, um zu realisieren, wie ihr Leben gewesen wäre, hätten sie [und Peter] geheiratet."

Das Leben nach Peter Townsend

Margaret lernt den Fotografen Antony Armstrong-Jones, später Lord Snowden, 1958 bei einer Dinner-Party kennen. Im Oktober 1959 verloben sie sich im Privaten; bekannt wird dies im Februar 1960. Brisantes und tragisches Detail: Am Tag der Verlobung hatte Margaret einen Brief von Peter Townsend erhalten, in dem er ihr gestand, wieder heiraten zu wollen. Die Geschichtsbücher schreiben, beide hätten eigentlich einen Pakt geschlossen: Nie wieder würde einer von ihnen heiraten. Eine Art ewiges Andenken an die besondere Liebe, die sie miteinander geteilt hatten. Diesen Pakt hatte Townsend nun gebrochen, worüber Margaret tief enttäuscht gewesen sein soll. 

Später erklärte die Prinzessin dem damaligen konservativen Parlamentsabgeordneten Jonathan Aitken:  "Ich habe am Morgen einen Brief von Peter erhalten, und an diesem Abend entschied ich mich, Tony zu heiraten. Ich wollte eigentlich gar nicht heiraten. Warum habe ich es trotzdem? Weil er mich gefragt hat! Wirklich, er war damals so nett. In gewisser Weise hat er mich in eine neue Welt eingeführt."

Am 6. Mai 1960 findet die Hochzeit von Margaret und Armstrong-Jones in der Westminster Abbey statt. Das Paar bekommt zwei Kinder, David (geboren am 3. November 1961) und Sarah (1. Mai 1964). Doch das Glück - es sollte ihnen nicht erhalten bleiben. "Margarets Vorstellung von einer Ehe unterschied sich stark von Tony", sagt Anne de Courcy, die ein Buch über Lord Snowdon geschrieben hat. "Er hatte Eltern, die sich getrennt hatten, während die Ehe von Margarets Eltern und ihrer Schwester sehr glücklich war. Sie erwartete, dass ihr Mann mehr bei ihr sein würde, aber eines der stärksten Motive von Tony war die Arbeit." Beide beginnen Affären. "Es waren keine Racheakte", sagt Anne de Courcy über Margarets außereheliche Treffen. "Sie wollte sich nur begehrt fühlen." 1976 trennen Margaret und Armstrong-Jones sich, zwei Jahre später gibt der Palast die Scheidung bekannt. Das hatte es, schreiben britische Medien, seit dem 16. Jahrhundert nicht mehr gegeben. Armstrong-Jones zieht nach Frankreich und heiratet erneut.

Antony Armstrong-Jones und Prinzessin Margaret zeigen sich nach ihrer Hochzeit in der Westminster Abbey in London am 6. Mai 1960.

Auch für Townsend ist das Leben ohne Margaret weitergegangen: Er gibt 1959 einer Frau namens Marie-Luce Jamagne sein Jawort. Die Ehe, aus der eine Tochter hervorgeht, hält bis zu seinem Tod. Er und die Prinzessin, die nach der gescheiterten Ehe mit Armstrong-Jones nie wieder heiratete, sollten sich nur noch ein Mal wiedersehen.

Das letzte Treffen zwischen Prinzessin Margaret und Peter Townsend

Lady Anne Glencoccer, eine enge Freundin Margarets, erzählte 2018 in der Dokumentation "Elizabeth: Our Queen", dass sie sich mit Margaret über das Treffen unterhalten habe. "Peter Townsend ging mit ihr zum Mittagessen, und ich sagte: 'Wie war es, ihn zu sehen?' Sie sagte: 'Charmant, er hatte sich überhaupt nicht verändert.'" Dass er rein äußerlich gealtert war, machte für Margaret keinen Unterschied. "Ich schaute aus dem Fenster und sah ihn aus dem Auto steigen, er war ein alter Mann", soll sie zu Lady Anne Glenconner gesagt haben. Doch in ihren Augen sei er immer noch derjenige gewesen, in den sie sich damals verliebt habe.

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Zwei Jahre nach dem Wiedersehen mit Prinzessin Margaret stirbt Townsend im Alter von 80 Jahren in Paris. Die Schwester der Queen sollte nicht mehr glücklich werden: 1998 erleidet sie einen leichten Schlaganfall; kurze Zeit später folgt ein Sturz, der zu einer dauerhaften Beeinträchtigung ihrer Bewegungsfähigkeit führt. Weitere Schlaganfälle folgen in den Jahren 2000 und 2001, sie ist nun dauerhaft auf den Rollstuhl angewiesen. Am 8. Februar 2002 stirbt Prinzessin Margaret im Alter von 71 Jahren.

Einer der letzten Auftritte von Prinzessin Margaret: Beim 101. Geburtstag ihrer Mutter Queen Mum (l.) am 4. August 2001 ist sie bereits schwer gezeichnet, sitzt im Rollstuhl. Wenige Monate später, am 9. Februar 2002, stirbt auch Margaret im King Edward VII's Hospital in London

 Verwendete Quellen: CNN, BBC, The Express, Town & Country Magazine, Daily Mail, The Telegraph

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