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Die Prinzessin und das "Panorama"-Interview Warum Diana ihr Schweigen bricht

Prinzessin Diana
Prinzessin Diana am 26. Oktober 1995 bei einem Auftritt in London. Zehn Tage später wird sie Martin Bashir heimlich ein Interview geben.
© Getty Images
Am 20. November 1995 erschüttert Prinzessin Diana das britische Königshaus mit dem sogenannten "Panorama"-Interview. Ob die Affäre von Prinz Charles mit Camilla Parker-Bowles, die Schattenseiten des Lebens am Hof oder ihre Bulimie-Erkrankung: Nie hat sich ein Royal derart exponiert über sein Privatleben in der Öffentlichkeit geäußert wie Diana. Anlässlich des 25. Jubiläums der TV-Ausstrahlung fasst GALA die spannenden Fakten rund um das Interview zusammen. Teil 1.

Wie lernen sich Prinzessin Diana und Martin Bashir kennen?

Bashir tritt zuerst mit Charles Spencer, Dianas Bruder, in Kontakt. Nicht wegen eines Enthüllungsinterviews, sondern einer Recherche zum Thema "Die Situation der Königsfamilie und ihre Überwachung durch den Staat". Im September 1995 arrangiert Spencer ein Treffen zwischen sich, Diana und Bashir in der Wohnung eines Freundes in London – und plötzlich geht es um alles für den BBC-Reporter. Er gewinnt Dianas Vertrauen. Ein Exklusiv-Interview rückt in greifbare Nähe. Was niemand weiß: Bashirs Vorgehen wird später zu einer internen Untersuchung bei der BBC und allerhand Negativ-Schlagzeilen führen 

Warum stimmt Diana einem TV-Interview zu?

Diese Frage beantwortet Diana öffentlich nicht. Eine simple Erklärung ist, dass sie ihre Version der Geschichte erzählen will. Dafür spricht, dass Prinz Charles im Juni 1994 gegenüber Autor Jonathan Dimbleby zugegeben hat, Diana während der Ehe betrogen zu haben. Die öffentliche Beichte habe sie am Boden zerstört, sagt Diana später im "Panorama"-Interview. Des Weiteren hat sich die Berichterstattung in den letzten Wochen gegen sie gerichtet. Diana sei entschlossen gewesen, "ihren Ruf zurückzugewinnen", aus Angst, "dass die königliche Familie ihr die Jungen nehmen würde", behauptet Royal-Autorin Ingrid Seward in der Dokumentation "Diana – The Truth Behind die Interview".

Dianas Biograf Andrew Morton erzählt in der Doku wiederum, die Prinzessin habe an Verfolgungswahn gelitten und sei sich sicher gewesen sei, von ihren eigenen Angestellten ausspioniert zu werden. "Die Möglichkeit, direkt mit dem Land zu sprechen, war für die Prinzessin mehr als verlockend", schreibt Dianas Vertrauter Richard Kay im Oktober 2020 in "Daily Mail". "Trotzdem war sie vorsichtig und es dauerte einige Zeit, bis sie [von dem 'Panorama‘'-Interview] überzeugt war."

Sind der Palast und Dianas Familie informiert?

Diana offenbart weder ihrer Familie noch ihren Freunden und Mitarbeitern den wahren Grund für das Treffen mit Martin Bashir. Im Oktober 1995 wird der Journalist das erste Mal für ein Gespräch in den Kensington Palast gebracht – unter höchster Geheimhaltung.

In der "Channel 5"-Dokumentation "Diana: An Interview that Shocked the World" berichtet Dianas ehemaliger Butler Paul Burrell: "Ich erinnere mich, wie die Prinzessin zu mir sagte: ‚'Ich möchte, dass Sie jemanden in White City abholen. Es ist ein Geheimnis. Wir wollen nicht, dass jemand davon erfährt‘'. Ich weiß noch, dass ich Martin Bashir in meinem Auto abgeholt habe. Er legte sich auf den Rücksitz des Autos und ich deckte ihn mit einer Decke zu." Er habe niemals erwartet, dass aus der Nacht-und-Nebel-Aktion solch ein Paukenschlag entstehen würde, resümiert Burrell.

Auch der Reporter hält sich bedeckt. Selbst Marmaduke Hussey, der Vorsitzende der BBC, ist nicht über den Vorgang informiert. Dem Palast erzählt Diana erst sechs Tage vor der Ausstrahlung des Interviews, dass sie mit der BBC zusammenarbeitet - und gibt vor, dass der Inhalt harmlos sei.

Warum die ganze Heimlichtuerei?

Man fürchtet, der Palast oder die BBC - die eine gute Beziehungen zur Königsfamilie unterhält- könnte ein Veto einlegen. "Es wäre entweder komplett abgesagt oder in etwas völlig anderes verwandelt worden", sagt Diana ihrem Vertrauen Richard Kay später. "Sie hätten es einfach nicht zugelassen." Die Aufzeichnung des Interviews findet am Abend des 5. Novembers 1995 im Kensington Palast statt.

Prinzessin Diana und Martin Bashir bei ihrem Gespräch am 20. November 1995 im Kensington Palast.
Prinzessin Diana und Martin Bashir bei ihrem Gespräch am 20. November 1995 im Kensington Palast.
© Getty Images

Außer Diana und Bashir sind nur ein TV-Produzent und ein Kameramann anwesend. Als das Interview im Kasten ist, wird es rund um die Uhr von Sicherheitspersonal bewacht. Aus Angst vor einer Entdeckung wird das Material nicht im Gebäude der BBC geschnitten, sondern in einem Hotel in Eastborune, 120 Kilometer nördlich von London gelegen.Der ehemalige Pressesprecher des Buckingham Palasts, Dickie Arbiter, sagt Jahre später, dass Dianas Geheimhaltung perfekt funktioniert habe. "Wir wussten nichts darüber."

Diana stellt für das "Panorama"-Interview nur eine Bedingung

Diana nennt Bashir nur eine Kondition für die Zusammenarbeit: Sie will Queen Elizabeth über das Interview informieren. Als das passiert ist, werden auch die Verantwortlichen der BBC ins Bild gesetzt. Richard Ayre ist damals für die Einhaltung redaktioneller Richtlinien bei der BBC verantwortlich. Er erinnert sich in der Doku "Diana: An Interview that Shocked the World" an seine Reaktion auf das explosive Material: "Ich sagte: 'Diese Sendung wird entweder das Ende der BBC oder das Ende der königlichen Familie - oder möglicherweise beides - bedeuten. Es besteht absolut kein Zweifel, dass wir es ausstrahlen müssen'".

Lesen Sie in Teil zwei zum "Panorama"-Interview, welche für das Königshaus schockierenden Aussagen Diana tätigte und wie der Palast auf den Skandal reagierte.

Verwendete Quellen:bbc.com, mailonline.com, express.co.uk, telegraph.co.uk, people.com, theindependent.co.uk

jre

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