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Prinz William Hochemotionale Rede in Jamaika – doch das Land will seine Unabhängigkeit

Prinz William
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© Samir Hussein / Getty Images
Beim Besuch von Prinz William und Herzogin Catherine in der Karibik ist nicht alles eitel Sonnenschein. Die Tour der Cambridges wurde von Protesten begleitet. In Jamaika fordern Demonstrant:innen eine Entschuldigung der britischen Krone für ihre Rolle beim Sklavenhandel. Ein Thema, dem der künftige Thronfolger nun nicht mehr ausweichen konnte.  

Nach wunderbaren Tagen beim Tauchen und Tanzen in Belize und beim Trommeln und Kicken in Jamaika, erwartete Prinz William, 37, am fünften Tag der gemeinsamen Karibiktour mit Herzogin Catherine, 40, ein Termin, der ihm im Vorfeld vermutlich Bauchschmerzen bereitet hat. Bei einem Abendessen in der offiziellen Residenz des Generalgouverneurs Patrick Allen, 71, kam der Enkel von Queen Elizabeth, 95, nicht umhin, die Rolle Großbritanniens im Sklavenhandel anzusprechen. Dabei drückte er seine "tiefe Trauer" über das Geschehene aus, eine deutliche Entschuldigung blieb jedoch aus. 

Prinz William: "Die Sklaverei war abscheulich"

William zeigte sich emotional, nannte den Sklavenhandel eine "entsetzliche Gräueltat" und bezog sich laut "Mirror" auf ein früheres Statement des britischen Thronfolgers Prinz Charles, 73: "Ich stimme meinem Vater, dem Prinzen von Wales, zu, der letztes Jahr auf Barbados sagte, dass die entsetzliche Grausamkeit der Sklaverei unsere Geschichte für immer befleckt." Eine Aussage, der er offenbar nur zustimmen kann: "Die Sklaverei war abscheulich. Und hätte nie passieren dürfen", betonte der 37-Jährige. Hunderttausende Afrikaner:innen waren während der Zeit der britischen Kolonialherrschaft (1655–1962) nach Jamaika gebracht und als Sklaven und Sklavinnen ausgebeutet worden. "Während der Schmerz tief sitzt, schmiedet Jamaika weiterhin mit Entschlossenheit, Mut und Standhaftigkeit seine Zukunft", so William. 

Seine Worte strebten nach Linderung, doch ob die zahlreichen Demonstrant:innen damit zufriedenzustellen sind? Sie fordern unter anderem Entschädigungszahlungen. Der Besuch des royalen Paares ist ihnen ein Dorn im Auge. "Sie haben dieses adlige Privileg, dass sie einfach hier auftauchen können und wir sollen den roten Teppich für sie ausbreiten. Doch diese Tage sind vorbei", erklärte Clement "Jawari" Deslandes laut "Tagesspiegel" am Rande eines Protests bei der Ankunft des Paares in Kingston. Die Organisator:innen der Demonstration vom Advocates Network hatten einen offenen Brief veröffentlicht, der "60 Gründe für Entschuldigungen und Wiedergutmachungen von Großbritannien und seiner königlichen Familie" beinhaltet.

Auch auf den Bahamas wird William und Catherine ein rauer Wind entgegenwehen. Dort hat eine Organisation bereits eine Aufforderung an die Royals publik gemacht, endlich die Rolle der britischen Königsfamilie bei der Kolonialisierung anzuerkennen. Die Verantwortlichen fordern eine Entschuldigung und Reparationszahlungen.

Jamaika will die Unabhängigkeit von der Krone

Jamaika indes will angeblich versuchen, Queen Elizabeth als Staatsoberhaupt des Landes abzusetzen. Bereits im Dezember 2021 hatte Premierminister Andrew Holness, 49, die Bemühungen angesprochen. Nun nutzte er die Gelegenheit, mit Prinz William ein Wort zu wechseln. "Hier gibt es Probleme, die – wie Sie wissen – ungelöst sind. Aber Ihre Anwesenheit hier bietet die Möglichkeit, diese Probleme in einen Kontext zu stellen, in den Mittelpunkt zu stellen und so gut wie möglich anzugehen", sagte Holness den Royals. "Jamaika ist, wie Sie sehen werden, ein Land, das sehr stolz auf seine Geschichte und sehr stolz auf das ist, was wir erreicht haben“, erklärte er den königlichen Ehrengästen. "Und wir machen weiter. Und wir beabsichtigen, unsere Entwicklungsziele in kurzer Zeit zu erreichen und unsere wahren Ambitionen und unser Schicksal als unabhängiges, entwickeltes und wohlhabendes Land zu erfüllen."  

Herzogin Catherine, Prinz William, Andrew Holness, Patrick Allen
Herzogin Catherine und Prinz William im Gespräch mit Premierminister Andrew Holness und Generalgouverneur Patrick Allen.
© Getty Images

Jamaika möchte seine Unabhängigkeit durchsetzen, das steht fest. Pläne, die der Königin und ihrer Familie nicht unbekannt sind. Die Karibiktour der Cambridges im Rahmen des Platinjubiläums der 95-Jährigen wurde zwar als Dankeschön der Monarchin an die Commonwealthmitglieder deklariert. Doch natürlich sollen William und Catherine im Auftrag der Krone die Monarchie vor Ort stärken. Ein Plan, der nur verhalten aufgeht, wie es scheint. 

Jamaikanische Ministerin Lisa Hanna stimmt sanftere Töne an

Kritische Stimmen mokieren sich über ihre Ausflüge und Fototermine. Doch es gibt auch mildere Töne. Lisa Hanna, 46, Mitglied des jamaikanischen Parlaments und Ministerin für Jugend und Kultur, weiß den Besuch der Royals durchaus zu schätzen. "Ich denke, die königliche Tour ist aus mehreren Gründen wichtig, insbesondere vor dem Hintergrund eines neuen sozialen Bewusstseins, das von einer jüngeren Generation in dieser Region noch verstärkt wird", erklärte die Politikerin gegenüber der "HuffPost" und verwies dabei auf die "Black Lives Matter"-Bewegung. 

"Prinz William und Herzogin Catherine haben eine einzigartige Gelegenheit, ihre eigenen Themen und Interessen zu vertreten. Und sicherlich ist es mein Wunsch, dass sie diesen Besuch nutzen, um ihre eigenen Emotionen und vielleicht ihre Gedanken zu wecken, während sie zur Führung aufsteigen", so Hanna. Dabei bleibt sie jedoch ganz klar bei der Zukunft ihres Landes. "Zum jetzigen Zeitpunkt besteht kein Zweifel daran, dass wir alle unsere wahre Unabhängigkeit anstreben und Systeme und Strategien entwickeln wollen, um uns von der Monarchie zu befreien. Aber bis dahin werden wir immer ein höfliches und respektvolles Land bleiben“, erläuterte die Ministerin auf Twitter.  

"Wir hatten während des gesamten Ablaufs ein sehr interaktives und angenehmes Gespräch, als wir über Familie, unsere Kulturen und unsere Leute sprachen", resümierte Hanna ihr Treffen mit William und Catherine. Doch ihr Standpunkt als Jamaikerin steht fest: "Ich möchte, dass die nächste Generation völlig eigenständig und mutig in ihrer Tapferkeit ist und Jamaika in ihrer Tapferkeit alleine voranbringt, ohne das Gefühl zu haben, dass es ein aus eigenem Antrieb motiviertes oder historisches Vertrauen in die Monarchie geben muss.“

Verwendete Quellen: mirror.co.uk, tagesspiegel.de, huffpost.com, twitter.com

ama Gala

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