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Prinz Harry gibt offenes Interview "William und ich standen unter Schock"

Prinz Harry
© Getty Images
Prinz Harry hat in der fünfteiligen Doku-Serie "The Me You Can't See" mit Oprah Winfrey offen über den Tod seiner Mutter, sein damit verbundenes Trauma, seinen Kampf mit dem Leben als Royal und die psychischen Probleme seiner Frau Herzogin Meghan gesprochen. GALA fasst die eindringlichsten Aussagen über Prinzessin Diana zusammen, bei denen auch Prinz William zur Sprache kommt. 

Prinz Harry war am Tag der Beerdigung von Prinzessin Diana verärgert

Es sind Bilder, die sich tief in das kollektive Gedächtnis eingebrannt haben: Am 6. September 1997 folgen der 12-jährige Prinz Harry und der 15-jährige Prinz William mit gesenktem Kopf dem Sarg ihrer Mutter in einer Trauerprozession durch London. Woran er sich am meisten erinnere, sagt Harry heute, sei das Geklapper der Pferdehufe auf dem Asphalt – eine Kutsche transportierte den Sarg. Er und William hätten während des Marsches "unter Schock" gestanden. "Es war, als wäre ich außerhalb meines Körpers und würde einfach mitgehen, und das tun, was von mir erwartet wurde." Von der überwältigenden Trauer der Menschen um ihn herum war er, der seine Emotionen unterdrückte, irritiert und verärgert. "Ich dachte: 'Das ist meine Mutter. Ihr habt sie noch nie getroffen'". Es war nicht das Einzige, was ihn aufwühlte. "Ich war so wütend auf das, was mit ihr passiert ist und auf die Tatsache, dass es überhaupt keine Gerechtigkeit gab."

Dianas Verlust war ein Tabu-Thema

Sowohl der Tod seiner Mutter als auch das Thema Therapie sei in seiner Familie totgeschwiegen worden, behauptet Prinz Harry in der Serie, die seit 21. Mai 2021 auf AppleTV+ abgerufen werden kann. Die Schuld gibt er sowohl den Medien als auch der Institution, in der er groß geworden ist. Es ist. weitläufig bekannt, dass die Royals dazu angehalten sind, in der Öffentlichkeit keine Emotionen zu zeigen. Laut Harry gilt das auch hinter den Kulissen.

Die Situation nach Dianas Tod beschreibt er mit den Worten: "Ich möchte nicht an sie denken, denn wenn ich an sie denke, wird das die Tatsache zur Sprache bringen, dass ich sie nicht zurückbringen kann und es wird mich nur traurig machen. Was bringt es, über etwas Trauriges nachzudenken? Was bringt es, über jemanden nachzudenken, den du verloren hast und den du nie wieder zurückbekommen wirst? Und ich habe einfach beschlossen, nicht darüber zu reden. Niemand hat darüber gesprochen." Sein innerer Kreis habe Veränderungen in seinen Verhaltensweisen bemerkt und ihm geraten, sich professionelle Hilfe zu suchen. Doch dies habe er zunächst von sich gewiesen.

Prinz Charles zeigte seinen Söhnen die kalte Schulter

Laut Aussage von Harry zeigte Prinz Charles wenig Empathie und leistete keine Hilfe, das Leben als Royal und den Verlust der Prinzessin zu bewältigen. "Mein Vater sagte mir immer, als ich jünger war ... er sagte es sowohl zu William als auch zu mir: 'Nun, es war so für mich, also wird es für dich so sein'. Das macht keinen Sinn. Nur, weil du gelitten hast, heißt das nicht, dass deine Kinder leiden müssen, im Gegenteil." Man müsse alles tun, damit die negative Erfahrungen, die man gemacht habe, nicht auf den Nachwuchs übertragen werde.

Bereits einige Tage vor der Ausstrahlung von "The Me You Can’t See" hatte Harry im Podcast "Armchair Expert" für Aufsehen gesorgt, weil er die Erziehungsmethoden seines Vaters und seiner Großmutter Queen Elizabeth kritisiert hatte. Es gebe einen "genetischen Schmerz" und ein "genetisches Leid" in der Royal Family, dass von Generation zu Generation weitergegeben werde.

Prinz Charles und Prinz Harry 

Flucht in Alkohol und Drogen

Als Teenager und junger Erwachsener schlug Harry über die Stränge, war als Party-Prinz verschrien. Was von außen nach Spaß aussah, war tatsächlich eine dunkle Zeit. "Ich war bereit zu trinken, ich war bereit, Drogen zu nehmen, ich war bereit zu versuchen, die Dinge zu tun, die mich weniger fühlen ließen." Er habe allein am Freitag- und Samstagabend so viel getrunken, wie andere in einer Woche, "nicht, weil ich es genoss, sondern weil ich versuchte, etwas zu überspielen". Der Verdrängungsmechanismus sei ihm damals aber nicht bewusst gewesen.

Harry litt unter Panikattacken und Schuldgefühlen

Als Sohn des künftigen Königs steht Prinz Harry seit seiner Geburt 1984 im Rampenlicht. Doch diese Aufmerksamkeit belastet ihn früher stark. "Bevor ich das Haus verließ, war ich schweißgebadet, meine Herzfrequenz raste", sagt er über seine Zeit als Senior Royal. "Ich war im Kampfmodus oder auf Autopilot. Jedes Mal, wenn ich ins Auto sprang, jedes Mal, wenn ich eine Kamera sah, flippte ich aus. Ich fing einfach an zu schwitzen. Ich habe mich gefühlt, als ob meine Körpertemperatur zwei oder drei Grad wärmer als die aller anderen im Raum." Die Presse und Social Media mache ihn "wütend", denn es erinnere ihn daran, was mit Prinzessin Diana passiert sei. Dass er sie vor den Paparazzi nicht schützen konnte, bereitet ihm Schuldgefühle. "Ich war zu jung, um einer Frau, in diesem Fall meiner Mutter, zu helfen."

Die Stadt London sei diesbezüglich ein Trigger für ihn, erzählt Harry weiter. Wenn er im Ausland gewesen und zurückgekommen sei, habe er sich "angespannt" und "besorgt" gefühlt. So auch im April 2021, als er anlässlich der Trauerfeier für seinen Großvater Prinz Philip erstmals nach dem Megxit nach London kam. Lange habe er überlegt, was der Grund für seine negativen Gefühle gewesen sei und dann zu dem Schluss gekommen, dass es an dem Verlust Prinzessin Dianas liege. "Es geht darum, gejagt zu werden, hilflos zu sein und zu wissen, dass man nichts dagegen tun kann. Es gibt kein entkommen. Es gibt keinen Ausweg", beschreibt Harry den Druck der Medien.

Herzogin Meghan half ihrem Mann bei seiner Heilung

Irgendwann kamen all die jahrelangen, unterdrückten Emotionen nach oben. Im Juli 2016, mit 31 Jahren, lernte Harry seine zukünftige Frau kennen – und diese inspirierte ihn dazu, ernsthaft eine Therapie zu machen. Zwar habe er schon zuvor Ärzt:innen und Expert:innen für mentale Probleme getroffen, sagt der Royal. Doch die "Suits"-Schauspielerin gab offenbar den entscheidenden Anstoß. "Es war das Kennenlernen und Zusammensein mit Meghan. Ich wusste, dass ich diese Frau, mit der ich den Rest meines Lebens verbringen", sagt der Royal in der Doku-Serie. Die Therapie, die bis heute andauert, habe ihm geholfen, seine Vergangenheit zu bewältigen. Harry: "Ich fühle mich jetzt wohler in meiner Haut. Ich bekomme keine Panikattacken. Ich habe in den letzten vier Jahren mehr über mich gelernt als in den 32 Jahren zuvor. Und dafür muss ich meiner Frau danken."  Der einzige Weg, sich zu befreien und auszubrechen, bestehe darin, die Wahrheit zu sagen, ergänzt er an anderer Stelle.

Prinzessin Diana, Prinz Harry und Prinz William 

Archies erste Wörter waren "Oma Diana"

Seine Mutter vermisst Prinz Harry bis heute schmerzlich. "Ich wünschte, sie hätte Meghan treffen können. Ich wünschte, sie wäre für Archie da. Ich habe ein Foto in seinem Kinderzimmer ... und es war eines der ersten Worte, die er sagte. Abgesehen von Mama, Papa war es dann Oma, Oma Diana. Es ist das Süßeste überhaupt, aber es macht mich auch traurig, weil sie hier sein sollte.“

Diana wäre stolz auf Harry

Der Prinzessin von Wales war es nicht vergönnt, ihre Söhne aufwachsen zu sehen. Was würde sie wohl zum Megxit sagen? "Ich habe keinen Zweifel daran, dass meine Mutter unglaublich stolz auf mich sein würde“, entgegnet Harry in "The Me You Can't See". "Ich lebe das Leben, das sie für sich selbst leben wollte. Das Leben, von dem sie wollte, dass wir es führen können. Ich weiß also nicht nur, dass sie unglaublich stolz auf mich ist, sondern dass sie mir geholfen hat, hierher zu kommen. Und ich habe ihre Anwesenheit nie mehr gespürt als im letzten Jahr."

Bewegende Aussagen von Prinz Harry in der Dokumentation über Herzogin Meghan lesen Sie hier.

Verwendete Quellen: AppleTV+, people.com, mailonline.co.uk

jre Gala


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