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Prinz Harry Feminist wird Vater

Prinz Harry
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© Getty Images
Vom ungestümen Heißsporn zum modernen Ehemann. Der Queen-Enkel durfte sein Temperament stets voll ausleben. Das liegt auch an seiner Großmutter

Ein Satz wie Donnerhall, zumindest im britischen Königshaus: "Mein Mann ist Feminist!", sagte Herzogin Meghan über Prinz Harry Anfang März bei einer Podiumsdiskussion – und niemand regte sich auf. Denn dass der Queen-Enkel nicht bereit ist, verstaubte Traditionen um ihrer selbst willen zu bedienen, ist spätestens seit dem 8. November 2016 klar. Da ließ er verkünden, dass er mit der geschiedenen (!), dunkelhäutigen (!), amerikanischen (!) Schauspielerin (!) liiert sei – und attackierte die britische Presse zugleich für ihre "unerträglich rassistische Berichterstattung". Ein Befreiungsschlag.

Lieblings-Royal stellt Regeln auf

Bis dahin hatte Prinz Harry sein Leben als Repräsentant der britischen Krone leidlich akzeptiert. Nun aber machte er klar: Wenn die Briten ihn weiterhin als Lieblings-Royal feiern wollen, dann nach seinen Regeln. Es folgte eine erstaunlich schnelle Verlobung und im Mai 2018 eine Hochzeit, die in vielen Details mit den althergebrachten Vorgaben für ein Fest dieses Ranges brach. Ein schwarzer US-Bischof predigte von der "Macht der Liebe", ein Gospelchor sang "Stand By Me" – manch Aristokrat hob pikiert die Augenbraue, die Queen aber verzog keine Miene. Harry nimmt sich diese Freiheiten mit auffallender Selbstverständlichkeit, denn er weiß, dass er nicht den Unmut seiner Oma erregt.

Prinz Harry ist Omas Liebling

Der Grund dafür? "Harry ist ihr Liebling. Sie mag seine offene und überhaupt nicht berechnende Art sehr und nimmt ihn oft gegenüber Kritikern in Schutz", sagt ein Palastmitarbeiter zu GALA. Außerdem kommt Harry in seinem ganzen Wesen so sehr nach Prinz Philip, ihrer Lebensliebe, dass die Queen gar nicht anders kann, als völlig vernarrt in ihren Enkel zu sein. Über die gefühlskalte Kindheit von Königskindern ist viel geschrieben worden; auf Harry trifft das nicht zu. Im Gegenteil: Seine Mutter Diana überschüttete ihn mit Liebe, wie er voriges Jahr in einer TV-Dokumentation sagte. Harrys Persönlichkeit – ungestüm, witzig, charmant – konnte sich frei entfalten.

Rebellion statt Trauer

Die Zäsur, die der Unfalltod seiner Mutter in sein Leben riss, hätte nicht einschneidender sein können. Er unterdrückte die Trauer und rebellierte. Als 16-Jähriger bekam Harry im Internat Ärger, weil er Marihuana rauchte. Später, schon volljährig, sah man ihn torkelnd aus Clubs kommen – und sein unsäglicher Auftritt bei einer Kostümparty 2005 als Nazi sowie die Pool-Bilder aus Las Vegas 2012 erweckten den Eindruck, das Leben des Prinzen laufe aus dem Ruder.

Prinz Harry: "Kein Kind sollte so etwas tun müssen"

Herzogin Meghan und Queen Elizabeth haben auf einem gemeinsamen Auftritt viel Spaß. 
Herzogin Meghan und Queen Elizabeth haben auf einem gemeinsamen Auftritt viel Spaß. 
© Getty Images

Blonde, selbstbewusste junge Frauen kamen – mit Chelsy Davy war er sechs Jahre zusammen, mit Cressida Bonas zwei – und gingen. Immerhin: Die Offiziersausbildung an der Militärakademie Sandhurst ging Harry mit großem Ernst an. Zweimal war er sogar in Afghanistan an der Front. Sein unbedachter Spruch, er sei ein treffsicherer Schütze, weil er gern Computergames spiele, sorgte kurz für Empörung, doch nachhaltig nahm ihm derlei Aktionen weder das Volk noch die Königin übel. Vielleicht, weil man bei allen Sperenzchen immer wieder an den zwölfjährigen Harry denken musste, der 1997 hinter dem Sarg seiner Mutter ging. Eine so herzerweichende Szene, dass sie sich ins kollektive Gedächtnis der Briten einbrannte. "Kein Kind sollte so etwas tun müssen“" sagte Harry vor zwei Jahren über diesen Moment. Auch das fasste die Queen nicht als Affront auf. Sie würde der Öffentlichkeit zwar nie einen solchen Blick in ihr Innerstes gewähren, doch sie erkennt an, dass ihr Enkel einer ganz anderen Generation angehört.

Modernes und mutiges Familienleben

Auch Meghan, dieser gänzlich unroyalen, selbstbewussten Frau, begegnet sie aufgeschlossen. Bei einem Auftritt steckten die beiden kichernd die Köpfe zusammen. Von diesem Wohlwollen getragen – das Volk hat er eh auf seiner Seite – wird Prinz Harry auch seine Rolle als Familienvater so ausleben, wie er und Meghan das für richtig halten. Modern und mutig.

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Gala

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