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Prinz Harry Mission gescheitert?


Nach den unglücklichen Interviews zu seinem Einsatz in Afghanistan steht Prinz Harrys Militärkarriere vor dem Aus - für den jungen Royal ein Schock

Zwei große Lieben gibt es im Leben von Prinz Harry: und das Militär. Erstere hat er schon vor zwei Jahren verloren, die andere vergangene Woche. Als der Dritte der britischen Thronfolge nach vier Monaten Fronteinsatz aus Afghanistan zurückkehrte, tat er das nicht als Kriegsheld, sondern als Risikofaktor. Er hat es selbst vermasselt, indem er kurz vor Ende seines Einsatzes als Apache-Hubschrauberpilot ein verheerendes Interview gab, in dem er unter anderem erzählte, Taliban-Kämpfer getötet zu haben. Schlimmste Passage: "Schießen macht mir Spaß, denn ich gehöre zu diesen Leuten, die es lieben, an der Playstation oder Xbox zu daddeln. Deshalb glaube ich, dass ich ganz brauchbare Daumen habe."
image Unangemessene Rambo-Rhetorik oder bestürzende Schlichtheit? Ein Taliban-Sprecher reagierte prompt: "Den Krieg in Afghanistan als Spiel zu beschreiben ist demütigend." Woraufhin Scotland Yard die Sicherheitsstufe für den royalen Spross erhöhte - auch wenn das nicht offiziell kommuniziert wird. "Es war unvorsichtig von Prinz Harry, so die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Er ist ja auch für die Menschen verantwortlich, die ihn schützen", sagte Dai Davies, Ex- Chef des königlichen Personenschutzes Royal Protection.

Einen weiteren aktiven Einsatz bei der Luftwaffe kann sich Harry nach diesem PR-Desaster sehr wahrscheinlich abschminken. Man muss sich nur vorstellen, was passiert, wenn in Afghanistan der nächste britische Soldat getötet wird und die Taliban auf die Idee kommen, von einer "Vergeltung" für Prinz Harry zu sprechen. Für den Prinzen ist sein Scheitern bei der Armee eine vernichtende persönliche Niederlage. Ohne das Militär ist Harry verloren - oder empfindet zumindest so, denn die Truppe ist der einzige Ort, an dem er sich wohlfühlt und funktioniert. Hier wähnt er sich unter Gleichen, ist einer von den "Jungs", auch wenn natürlich ein Team von Sicherheitsbeamten mit im Feldlager Camp Bastion war. "Harry zieht es vor, als Captain Wales bekannt zu sein statt als Bruder des künftigen Königs", sagt ein Kamerad.

Zivilist Harry: Die Charity-Arbeit seiner verstorbenen Mutter Diana will der Prinz mit Elan fortsetzen.
Zivilist Harry: Die Charity-Arbeit seiner verstorbenen Mutter Diana will der Prinz mit Elan fortsetzen.
© Picture Alliance

Das persönliche Dilemma des Prinzen: Harry weiß nicht, was er jenseits der Air Force mit seinem Leben anfangen soll. Das große Ziel fehlt - genau wie die Freiheit, sich losgelöst von allen royalen Vorgaben ein solches zu suchen. Diese Orientierungslosigkeit ist sicher ein Grund, weshalb der jüngste Sohn von Prinz Charles immer wieder Dampf ablässt, indem er ausgelassen feiern geht, wie zuletzt in Las Vegas. Dabei besitzt er durchaus auch eine ernsthafte Seite: Harry kümmert sich um diverse Charity- Projekte, betont regelmäßig, wie wichtig es ihm ist, das Erbe seiner Mutter Diana im Kampf gegen Aids und Landminen fortzusetzen. Ein tagfüllendes Programm ergibt sich daraus allerdings nicht. Hof- Insider vermuten, dass die Queen ihren Enkel nun dazu drängen wird, mehr und mehr royale Pflichten zu übernehmen. Doch das ist für den Prinzen eine Horrorvorstellung - obwohl er bisher bei offiziellen Terminen mit seinem Charme und seinem Humor überall gut ankam. Die britische Adelsexpertin Ingrid Seward formuliert es so: "Für ihn bedeutet das Leben als Royal eine lebenslange Strafe ohne Aussicht auf Bewährung."

Nicht einmal die Liebe kann ihn retten. Erst kürzlich klagte Harry im Interview: "Man wird einfach keine Frau finden, die bereit ist, die Rolle zu übernehmen, die damit verbunden ist. So einfach ist das." Das Traurige: Er kokettiert nicht. Die große Liebe seines Lebens, die südafrikanische Anwältin Chelsy Davy, gab ihm genau aus diesem Grund den Laufpass: Sie konnte sich ein Leben nach den Regeln des höfischen Protokolls nicht vorstellen.
Da nützt es auch nichts, dass Harry jüngst vom amerikanischen Magazin "Town & Country" zum begehrtesten Junggesellen der Welt gekürt wurde. Begründung: "Der jüngere Bruder von Prinz William flirtet und fliegt Apache-Hubschrauber mit derselben Souveränität." Wie er in den vergangenen zwei Jahren als Single feststellen konnte, sind es leider stets die falschen Mädchen, die sich auf einen Flirt einlassen. Sie sehen ihn eher als Trophäe denn als Traumprinzen.

Harrys große Liebe Chelsy Davy wollte sich nicht ins royale Korsett sperren lassen. Er selbst rebelliert gegen zu viel höfische Etikette mit wüsten Gelagen wie 2012 in Las Vegas.
Harrys große Liebe Chelsy Davy wollte sich nicht ins royale Korsett sperren lassen. Er selbst rebelliert gegen zu viel höfische Etikette mit wüsten Gelagen wie 2012 in Las Vegas.
© Reuters

Nach schnellen Flirts scheint ihm trotz der viermonatigen Abstinenz aber gerade gar nicht zu sein. Als Harry vergangene Woche in der Nacht zum Freitag auf der Oxfordshire Air Base landete, gab es statt martialischer Posen nur leise Töne von ihm. Gefragt, ob er sich nun auf das normale Leben freue, sagte er nachdenklich: "Ich weiß gerade gar nicht mehr, was normal ist." Und berichtete von einem siebenjährigen Mädchen, das vor wenigen Tagen von Aufständischen getötet wurde.
Schon 2007, als der Prinz von seinem ersten Kriegseinsatz zurückkam, war sein Gemütszustand sehr labil - das kommt bei Soldaten, die von der Front heimkehren, oft vor. "Harry scheint in ein schwarzes Loch gefallen zu sein", vertraute ein Palastmitarbeiter "Gala" an. Man kann nur hoffen, dass das jetzt nicht wieder passiert.

Bettina Klee, Stefanie Richter Mitarbeit: Arndt Striegler


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