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Prinz Harry "Ich will immer wissen, was die Leute über mich sagen"

Prinz Harry
© Getty Images
Prinz Harrys Rückzug aus dem britischen Königshaus sorgte für ordentlich Ärger. Eine britische Royal-Korrespondentin nahm diesen drastischen Schritt zum Anlass, um ein anderes Bild von Harry zu zeichnen.

Prinz Harry, 35, ist für viele der Sonnenschein der britischen Königsfamilie. Der jüngere Sohn von Prinz Charles, 71, und Prinzessin Diana (†36) ist für seinen frechen Humor, seine emotionale Stärke und seine zugängliche Art bekannt. Während der aktuellen Berichterstattung über den Rücktritt des Prinzen von den Pflichten eines Senior Royals, geht dieses Bild von ihm verloren. Royal-Korrespondentin Rebecca English, die für die britische "Daily Mail" schreibt und Harry gut kennt, versucht nun, das Bild über den Prinzen wieder gerade zu rücken - und gibt ihm einen ehrlichen Rat.

Prinz Harry und Rebecca English kennen sich seit vielen Jahren

English und Prinz Harry kennen sich von diversen gemeinsamen Reisen, wie die Journalistin in ihrem Kommentar schreibt. Sie seien zusammen unter anderem in Afrika, New York und Nepal gewesen. In Lesotho im Jahre 2006 haben sie eine Art Freundschaft geschlossen, so English. Während sie an ihrem Artikel über die Reise und Harrys Arbeit für die Organisation "Sentebale" saß, fühlte sie sich beobachtet. Harry schaute ihr beim Schreiben über die Schulter. "Ich wollte nur sehen, was du über mich gesagt hast", soll er mit einem frechen Grinsen gesagt haben. "Ich möchte immer wissen, was die Leute über mich sagen." Rebecca English habe ihn nach eigenen Angaben aufgefordert, nicht "so verdammt neugierig" zu sein. 

Harry will er selbst sein

Im Anschluss an diese Situation seien die beiden ins Gespräch gekommen und hätten sich besser kennengelernt. Ein wichtiger Punkt, um die heutige Situation einschätzen zu können, so English. Harry habe ihr erzählt, wie sehr er das Rampenlicht, in dem er aufgewachsen ist, hasse. Sein größter Traum war es - bevor er Meghan kennenlernte -  unerkannt in Afrika zu leben, erzählt die Journalistin weiter. "Ich würde gerne als Reiseleiter arbeiten, weißt du? Einfach in den Busch gehen und ich sein", zitiert sie ihn. Seine aber nunmal vorhandene Berühmtheit wolle er nun dazu nutzen, um die Stigmata im Bezug auf HIV und Aids zu brechen. Mit dieser Arbeit tritt er das Erbe seiner Mutter an, die sich ebenfalls jahrelang für infizierte Menschen eingesetzt hat. 

Obwohl ihn seine Berühmtheit störe, liest er English zufolge alle Berichte über ihn. Ab und an habe er sogar ganz offen mit ihr diskutiert, weil ihm nicht passte, was sie über ihn geschrieben habe. Dass falsche Dinge über ihn veröffentlicht werden, störe den Prinzen. Einmal soll er deshalb zu der Journalistin gesagt haben: "Eines Tages hätte ich wirklich gerne eine eigene Zeitungskolumne, damit ich die Wahrheit schreiben und den Leuten sagen kann, was ich denke." Worte, die einen ganz anderen Blick auf den sonst so lockeren und spitzbübischen Harry ermöglichen. 

Emotionale Intelligenz wie Prinzessin Diana 

Auch eine zweite Situation, von der Rebecca English erzählt, berührt. Als sie mit Harry 2016 nach Nepal reiste und mit ihm ein Kinderkrankenhaus besuchte, wurde sie von ihren eigenen Gefühlen übermannt. Weil ihr Sohn bis kurz vor dieser Reise ebenfalls lange Zeit im Krankenhaus lag und sie die Kinder in Nepal unweigerlich an ihn erinnerten, liefen ihr während des Besuchs die Tränen übers Gesicht. Trotzdem arbeitete sie weiter und brachte den Tag professionell zu Ende. Harry registrierte genau, was in der Reporterin vorging und informierte sich bei einem seiner Bodyguards, warum Rebecca English so aufgewühlt gewesen sei. Nachdem Harry von ihrer Lebenslage erfahren hatte, griff er zum Telefon. 

"Du warst so unglaublich professionell, ich weiß nicht, wie du das [sie Besuche bei den kranken Kindern, Anm. d. Red.] als Mutter schaffst. Ich finde es jetzt schon schwierig genug, geschweige denn als Elternteil", soll Harry ihr am Telefon gesagt haben. "Ich muss zu einem Empfang gehen, aber ich wollte nur sagen, dass du heute großartig warst, bei all dem, was du gerade durchmachst, und ich denke an dich." 

Wie viel Einfluss hat Herzogin Meghan?

Vier Monate später traf Harry auf Meghan und Rebecca English und der Prinz haben seitdem kaum mehr ein Wort miteinander gesprochen. Ob diese beiden Dinge zusammenhängen, da ist sich die Journalistin nicht sicher, sie glaubt aber schon. Herzogin Meghan, 38, schreibt die Reporterin im Zuge des Rücktritts die Rolle des Katalysators zu. Harry sei aber durchaus in der Lage, "sich selbstständig von seiner Familie zu entfernen", so ihre Einschätzung. 

Trotzdem beendet sie ihren Artikel mit einem Appell an Harry, wendet sich direkt an den 35-Jährigen, der gerade die ganze Monarchie in Atem hält: "Ich würde mein Vorstadtleben immer noch nicht gegen seins tauschen. Und ich verstehe seinen Wunsch, seine Frau und seinen kleinen Sohn mehr zu beschützen, als er jemals realisieren kann. Aber versteh, Harry, dass manchmal deine besten Freunde im Leben diejenigen sind, die bereit sind, dir zu sagen, wenn du Unrecht hast. Was auch immer die Konsequenzen sein mögen." 

Prinz William war Harrys Beschützer

In diesem Zuge geht die Reporterin auch noch einmal auf den Streit von Harry und William ein. William habe sich immer schützend vor seinen Bruder gestellt. Auch konkret zwischen ihn und Rebecca English. Als William die Journalistin vor über einem Jahrzehnt in einem Nachtclub traf, habe er sie gebeten, seinem kleinen Bruder in der Berichterstattung eine Pause zu gönnen. Er sei zu dieser Zeit einfach ein nur ein verliebter junger Mann gewesen. 

Viele Jahre im selben Team: Harry und William schienen unzertrennlich. Nun machen die Brüder eine schwere Zeit durch. 
Viele Jahre im selben Team: Harry und William schienen unzertrennlich. Nun machen die Brüder eine schwere Zeit durch. 
© Getty Images

An diese Anekdote schließt English ihre berührenden Schlussworte an: "William hat damals auf dich aufgepasst. Können die Dinge jetzt wirklich so anders sein? Ist es wirklich klug, sich so heftig von der einzigen Familie abzugrenzen, die den Druck, unter dem du stehst, jemals wirklich verstehen wird? Wenn du ehrlich denkst, dass es für dich und deine Familie besser ist, einen Schritt zurück zu machen, dann tu das - aber grenz dich nicht vollständig ab." Ob Rebecca English hofft, dass Harry wieder alle Artikel über sich durchforstet und diesen findet und liest, verrät sie nicht. Zu wünschen wäre das aber. 

Verwendete Quelle:Daily Mail

ame Gala

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