Prinz Harry + Herzogin Meghan: Ihr gefährliches Spiel mit den Medien

Prinz Harry überraschte Royal-Reporter mit einem hoch emotionalen Statement, in dem er die Presse für die negative Berichterstattung über seine Frau Herzogin Meghan attackiert. Doch das ist nicht alles, was für Staunen sorgt.

Die Abrechnung mit der britischen Presse, die Prinz Harry, 35, am Dienstagabend (1. Oktober) im Internet veröffentlichte, schlug ein wie eine Bombe. Von "Propaganda" und einer "rücksichtslosen Kampagne" gegen Herzogin Meghan, 38, war die Rede, von Schmerz, Manipulation und Lügen. "Ich habe meine Mutter verloren und jetzt sehe ich, wie meine Frau denselben Mächten zum Opfer fällt", lauteten die hoch emotionalen Schlussworte Harrys in dem Schreiben. Worte, wie sie nie ein Royal zuvor in der Öffentlichkeit gegen die Medien verwendet hat und selbst erfahrene Reporter sprachlos macht.

Prinz Harry veröffentlicht Statement während Afrika-Reise

Das Statement publizierte der Prinz zu einem Zeitpunkt, der viele Beobachter überraschte. Er und Herzogin Meghan weilten gerade für eine lange im Voraus geplante Royal-Tour in Afrika und hatten in den acht Tagen zuvor ausnahmslos positive Berichterstattung hervorgerufen .

"Die große unbeantwortete Frage (...), die Harry und Meghan hier in Südafrika aufgeworfen haben, lautet: Timing. Warum jetzt? Warum den letzten Tag einer überaus erfolgreichen Tour überschatten?" fragt Reporter Chris Ship, der für den Sender ITV stets balanciert, fair und seriös über die Königsfamilie berichtet. Der Zeitpunkt sei "beispiellos", beurteilt auch sein Kollege Richard Fitzwilliams das Vorgehen Harrys.

Queen Elizabeth, Prinz Harry

Prinz Harry vs. Presse

Wie Queen Elizabeth auf seine Attacke reagiert

Ein besonderer Zeitpunkt

Das Timing stehe nicht im Zusammenhang mit der Reise, sondern sei das Resultat einer "konkreten rechtlichen Empfehlung", berichtet der US-Nachrichtensender unter Berufung auf einen Insider. Die Klage im Namen Meghans gegen die "Mail on Sunday" (die Zeitung hatte im Februar 2019 einen privaten Brief von Meghan an ihren Vater Thomas Markle veröffentlicht), ist 29. September, zwei Tage vor der öffentlichen Bekanntgabe, online bei der Chancery Division des High Court eingereicht und am nächsten Tag bearbeitet worden. Das schreibt "The Telegraph". Auf diese Weise vermieden die Anwälte der Herzogineine Gesetzesänderung, die am Dienstag, dem 1. Oktober, in Kraft getreten ist und die sie dazu gezwungen hätte, die Klage in einem anderen Teil des High Court zu erheben. Unter den Medienanwälten ist die Chancery Division dafür berüchtigt, gegen Zeitungen zu ermitteln. Warum Meghan und Harry den 1. Oktober so knapp abwarteten - unklar.

Doch ist die Gesetzesänderung der einzige Grund für die Bekanntgabe während der Afrika-Tour? Oder zündeten die Royals die Bombe an jenem Dienstag aus einem anderen Grund, nämlich reinem Kalkül?

Prinz Harry + Herzogin Meghan

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Sind Harry und Herzogin Meghan selbst manipulativ?

Bevor die Afrika-Tour am 23. September startete, erreichte die PR-Krise um Harry und Meghan nach Monaten der Negativ-Schlagzeilen ihren Höhepunkt: Weil Harry und Meghan trotz ihres Engagements für den Umwelt- und Klimaschutz innerhalb von elf Tagen zweimal einen Privatjet für kurze Urlaubstrips nach Ibiza und Nizza genutzt hatten, gerieten sie ins Sturmfeuer der Kritik. Vor allem deshalb, weil Harry kurz davor mit der Aussage für Aufsehen gesorgt hatte, er und Meghan würden maximal noch ein weiteres Geschwisterchen für Baby Archie Mountbatten-Windsor haben wollen - der Umwelt zuliebe.

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Herzogin Meghan


Einem Punkt waren sich Beobachter - und auch Meghan und Harry - vor dem Beginn der Afrika-Tour also bewusst: Die Reise ist die Chance, das beschädigte Image aufzupolieren. Und tatsächlich nutzen die Royals ihre Chance. In den zehn Tagen der Tour, bei der Harry und Meghan auf Themen wie Bildung, Rechte von Frauen und Mädchen, Tierschutz, HIV/AIDS und Landminen aufmerksam machten sowie ihren Sohn der Öffentlichkeit präsentierten, lag ihnen die Presse zu Füßen.

"Benehmen Sie sich nicht so!"

Prinz Harry legt sich mit einer Reporterin an

Prinz Harry
Prinz Harry hat genug: Als ihn eine Journalistin mit forschen Fragen konfrontiert, platzt ihm der Kragen. Seine ungehaltene Reaktion sehen Sie im Video.
©Gala

Er könne sich also nicht erklären, warum Meghan und Harry die Presse ausgerechnet dann attackiert hätten, schreibt Reporter Chris Ship in einem seiner Artikel. Und liefert ganz am Ende dann doch eine interessante Erklärung: 

"Es ist möglich, dass Harry und Meghan zu dem Schluss kamen, dass sie nach einer so erfolgreichen Tour jetzt die maximale Hebelwirkung in ihrer öffentlichen und moralischen Kampagne gegen die 'Mail on Sunday' haben - was unweigerlich in den bevorstehenden Rechtsstreit einfließen wird." 

Es wäre in der Tat ein cleverer Schachzug der Sussexes, die seit Tagen aufgebaute Sympathie der Öffentlichkeit für ihre Belange zu nutzen. Darauf deutet auch Harrys letzter Satz in seinem Statement hin: "Wir danken Ihnen, der Öffentlichkeit, für Ihre fortwährende Unterstützung. Es wird sehr geschätzt. Auch wenn es nicht so scheint, brauchen wir es wirklich."

Wie wird sich das Verhältnis mit der Presse entwickeln?

Roy Greenslade, 72, ehemaliger Herausgeber der Zeitung "Daily Mirror" und Kommentator für britische Zeitungen, bezeichnet in einem Interview mit BBC Radio 4 Harrys Statement als "riskante Handlung". Nicht wegen der Klage gegen die "Mail on Sunday", sondern weil "seine Aussage die gesamte Presse für die Sünden einer bestimmten Zeitung angreift." Es könne zu einer Entfremdung der Royals mit der Presse kommen, mutmaßt Greenslade. Und tatsächlich.

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Ein Tross von 80 internationalen Journalisten begleitete Harry und Meghan nach Afrika, dazu kamen lokale 300 Journalisten in den vier bereisten Ländern Südafrika, Malawi, Angola und Botswana. Am Tag nach dem Statement sei die Stimmung bei den Reportern vor Ort "vorsichtig" und "gedämpft" gewesen, berichtete Ship am Rande eines Termins mit den Royals in Johannesburg. Vor den Objektiven der Kameras agierte Herzogin Meghan gewohnt professionell und souverän, lächelte das Statement gekonnt weg. Ehemann Harry wirkte deutlich angespannter, schaute immer wieder ernst drein.

Wie sich die Beziehung zwischen dem Paar und der Presse zukünftig gestalten wird, bleibt abzuwarten. Der Wunsch nach Privatheit, dem Harry und Meghan vor allem rund um die Geburt von Baby Archie Ausdruck verliehen haben, mag nur allzu menschlich sein. Doch als Nummer sechs der britischen Thronfolge, die auch finanziell vom Volk profitiert, wird Harry mit einer Tatsache leben müssen: Ohne die Presse kann die britische Monarchie nicht überleben, denn sie ist das Sprachrohr zum Volk und damit unerlässliches Instrument, um die Zustimmung des Volkes für die Krone zu gewinnen.

Verwendete Quellen: CNN, ITV News, townandcountrymag, sussexofficial.uk, Twitter

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