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Prinz Charles Warum ein rumänisches Dorf mächtig sauer ist

Prinz Charles
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© Getty Images
Prinz Charles wollte das kleine rumänische Dorf Viscri doch nur unterstützen und die Dorfstruktur erhalten, doch nun sind die Bewohner mächtig sauer.

Mit Viscri - einem kleinen Dorf mitten in Rumänien - ist es wie mit jedem anderen Ort auf der Welt, der von einem großen Star beworben wird: Die Menschen strömen hin. In diesem Fall ist es aber nicht irgendein Star, der vor einigen Jahren schon seine Liebe zu dem Dörfchen entdeckt hat, sondern Prinz Charles, 71. Doch diese Liebe wird den knapp 470 Bewohnern von Viscri langsam zu viel.

Prinz Charles: Verliebt in ein rumänisches Dorf

Viscri liegt im rumänischen Gebiet Siebenbürgen, besser bekannt als Transsilvanien, und wurde Ende des 12. Jahrhunderts von einer deutschen Siedlergruppe, den Siebenbürger Sachsen, gegründet. Das ist der Grund, warum auch heute noch einige wenige deutschsprachige Einwohner in Viscri leben. Berühmt ist Viscri heute für seine historische Kirchenburg sowie den gut erhaltenden Dorfkern mit seinen sächsischen Höfen. Beides steht seit 1999 auf der Liste des Weltkulturerbes der UNESCO. 

Wegen der schlechten Verkehrsanbindung gibt es dort fast keine Neubauten und nur wenig Autoverkehr. Sowohl die Einwohner als auch die Londoner Mihai-Eminescu-Stiftung, dessen Schirmherr Prinz Charles ist, bemühen sich um die Erhaltung der einzigartigen Siedlungsstruktur, die sich bis heute kaum verändert hat.

So kam es, dass der britische Thronfolger nicht nur aus beruflichen Gründen bereits mehrfach nach Viscri reiste, sondern auch, weil er dort zwei Ferienhäuser besitzt.

Eines der Gästehäuser von Prinz Charles
Eines der Gästehäuser von Prinz Charles
© Getty Images

Tourismus-Boom durch den britischen Thronfolger

Verständlich, dass viele Royal-Fans den Wunsch hegen, einmal in einer altdeutschen Wohnstube von Prinz Charles zu hausen. Und so stieg die Besucherzahl in Viscri in den letzten Jahren stark an. Die Zahl der Eintrittskarten für die Kirchenburg sollen laut "BBC" von 5.000 im Jahr 2005 auf 45.000 im Jahr 2019 gestiegen seien. Wegen der Coronapandemie und der Reisebeschränkungen haben in diesem Jahr besonders die rumänischen Besucher stark zugenommen.

"Alle kommen wegen Prinz Charles", sagt ein Anwohner. Eine andere Anwohnerin bezeichnet diese Entwicklung als "Segen und Fluch". Ein Segen, weil die Tourismusbranche durch die gestiegenen Zimmerpreise und Restaurant-Eröffnungen profitiert. Ein Fluch, weil auch die Immobilienpreise explodiert sind und es für Einheimische problematisch ist, ein Haus zu kaufen.

Doch besonders unangenehm empfinden die Einwohner die Menge an Menschen und Autos. "Wir haben Hunderte von Autos, die hier am Wochenende anhalten, es ist verrückt", beschwert sich ein Anwohner. Hühner und Enten könnten nun nicht mehr so ohne weiteres auf die Wiesen gelassen werden. Das Dorf gleiche heute vielmehr "einem städtischen Themenpark als einem traditionellen Bauerndorf". Die Sorge ist groß, dass Viscri nun immer mehr zu einem Museum verkümmert.

Das hat Prinz Charles mit seiner Unterstützung für das Dorf sicher nicht gewollt.

Verwendete Quellen: BBC, michael-mueller-verlag.de

jno Gala

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