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Wegen Skandal um Prinz Andrew Schließt Prinz Charles seinen Bruder aus dem Königshaus aus?

Prinz Andrew, Prinz Charles
Prinz Andrew, Prinz Charles
© Getty Images
Prinz Andrew hat im Zuge des Skandals um seine Freundschaft zu Sex-Straftäter Jeffrey Epstein den Rückzug von seinen royalen Pflichten erklärt - auf "absehbare Zeit", wie es in einer Mitteilung des Palastes hieß. Doch es könnte auch anders kommen.

Prinz Charles, 71, spiele mit dem Gedanken, das britische Königshaus nach dem Tod seiner Mutter Queen Elizabeth, 93, neu aufstellen, behaupten Royal-Kenner bereits seit geraumer Zeit. Der Skandal um seinen jüngeren Bruder Prinz Andrew, 59, könnte dem Vorhaben neuen Aufwind geben. Doch von vorne.

Prinz Andrew und der Fall Epstein

Was Prinz Andrew, 59, am 20. November 2019 zu verkünden hatte, wird als Negativ-Eintrag in die Historie des Hauses Windsor eingehen: Mit Erlaubnis der Königin werde er auf "absehbare Zeit" von seinen öffentlichen Pflichten als Royal zurücktreten. Als Grund nannte der Prinz die "Umstände, die mit meiner früheren Verbindung mit Jeffrey Epstein zusammenhängen", welche die "Arbeit meiner Familie" sowie "die wertvolle Arbeit, die in den vielen Organisationen und Wohltätigkeitsorganisationen geleistet wird, die ich mit Stolz unterstütze, erheblich beeinträchtigt". Charles sowie Prinz William, 37, so munkelt die britische Presse, sollen starke Fürsprecher der Rücktritts-Entscheidung gewesen sein.

Vorausgegangen war ein in Großbritannien mit Entsetzen aufgenommenes TV-Interview Andrews über die Freundschaft zu dem verurteilten Sex-Straftäter Epstein, †66, und dem Vorwurf, er, Andrew, habe 2001 mit dem damals erst 17 Jahre alten Epstein-Opfer Virginia Roberts Sex gehabt. 

Könnte aus dem vorläufigen Rücktritt Andrews auch einer für immer werden?

Prinz Charles' Pläne für die Zukunft der Royals

In der Channel-5-Dokumentation "Royal Family at War", die im April 2019 ausgestrahlt wurde, behauptet Ingrid Seward, Chefredakteurin des Magazins "Majesty" und Biographin der Queen, Charles wolle "die Öffentlichkeit auf den Kern der königlichen Familie lenken". Dies bedeutet ihrer Meinung nach, dass unter anderem für Prinz Andrew und seine Töchter Prinzessin Beatrice und Prinzessin Eugenie keinen Platz mehr ist. "Ich denke, Prinz Charles hat das Gefühl, dass es zu viele von ihnen [Royals] gibt “, ergänzt Seward. "Es gibt zu viele Nutznießer, wenn Sie möchten."

Royal-Kommentatorin Victoria Arbiter, deren Vater Dickie Arbiter von 1998 bis 2000 als Pressesprecher der Royals fungierte, sieht es ähnlich wie Seward. "Ich denke, Charles braucht eine abgespeckte Monarchie, um für künftige Generationen relevant zu bleiben. Weil die Menschen frustriert sind von den sogenannten "Strap-Hangers" - denjenigen Leuten, die von der Monarchie finanziert werden, aber nicht genug für sie tun."

In der Tat: Eine am 24. November 2019 veröffentlichte Umfrage unter 2.038 Briten im Auftrag der Zeitung "Sunday Express" zeigt, dass 54 Prozent der Meinung sind, die Zeit sei gekommen für eine "abgespeckte, königliche Familie". 

Wer gehört eigentlich zum britischen Königshaus?

Im Vereinigten Königreich gibt es keine strikte Regel, die besagt, wer zum Königshaus gehört und wer nicht. Nimmt man in einem engeren Sinne an, dass seine Mitglieder diejenigen Personen sind, die das Prädikat Königliche Hoheit tragen, so legte König George V., der Großvater von Queen Elizabeth, 1917 mit der Gründung des Hauses Windsor die Ordnung für das heutige Königshaus fest. 

Er verfügte, dass "die Kinder eines Souveräns des Vereinigten Königreichs und die Kinder der Söhne eines solchen Souveräns und der älteste lebende Sohn des ältesten Sohns des Prinzen von Wales zu jeder Zeit den Titel halten und sich daran erfreuen". 2012 verfügte die Queen außerdem, dass alle Kinder des ältesten Sohnes des Prinzen von Wales, also alle Kinder von Prinz William, Königliche Hoheiten ("Royal Highness") sind. Insgesamt gibt es derzeit im britischen Königshaus 23 Träger des Titels.

Für die Generation des aktuell amtierenden Souveräns, Queen Elizabeth, bedeutet das: Königliche Hoheiten sind alle vier Kinder der Queen (Charles, Anne, Andrew, Edward) sowie die Kinder von Charles und Andrew (Prinz Harry, Prinz William, Prinzessin Eugenie und Prinzessin Beatrice) sowie alle Enkel von Charles (George, Charlotte, Louis). Außerdem tragen die Cousins und die Cousine der Queen mitsamt Ehepartnern das Prädikat Königliche Hoheit.

Die Kinder von Prinz Edward sind keine Königlichen Hoheiten, weil Edward darauf verzichtete. Gleiches gilt für Archie Mountbatten-Windsor, den Sohn von Prinz Harry und Herzogin Meghan.

Wichtig: Der Titel "Prinz" ist Andrew angeboren und kann nicht von der Queen (oder später Charles) aberkannt werden. Anders verhält es sich mit dem Prädikat "His Royal Highness". 1997 hat die Queen erstmals - und bis dato zum einzigen Mal - einem Familienmitglied diese Bezeichnung entzogen: Prinzessin Diana, nach der Scheidung von Prinz Charles.

Diese Royals repräsentieren aktiv

Nicht jeder der Königlichen Hoheiten ist gleichzeitig aktiv für das Königshaus tätig. Aktuell weißt der "Court Circular", der auf der Website des britischen Königshauses öffentlich einsehbare Terminkalender der Royals, 18 Aufgabenträger aus. Dabei handelt es sich um:

  • Die Queen
  • Prinz Charles und Herzogin Camilla (Sohn und Schwiegertochter der Queen)
  • Prinz William und Herzogin Catherine (Enkel der Queen und seine Frau)
  • Prinz Harry und Herzogin Meghan (Enkel der Queen und seine Frau)
  • Prinz Andrew(Sohn der Queen)
  • Prinz Edward und Gräfin Sophie von Wessex (Sohn und Schwiegertochter der Queen)
  • Prinzessin Anne(Tochter der Queen)
  • Der Herzog und die Herzogin von Gloucester(Cousin der Queen und seine Frau)
  • Der Herzog und die Herzogin von Kent (Cousin der Queen und seine Frau)
  • Prinzessin Alexandra (Cousine der Queen)
  • Prinz und Prinzessin Michael von Kent (Cousin der Queen und seine Frau)

Zum Träger des Titels Königliche Hoheit zählen außerdem noch Prinz George, Prinzessin Charlotte, Prinz Louis, Prinzessin Beatrice und Prinzessin Eugenie. Die Kinder von William und Kate sind noch zu jung, um zu repräsentieren. Prinzessin Beatrice und Prinzessin Eugenie gehen zivilen Berufen nach und müssen keine Aufgaben im Namen ihrer Großmutter wahrnehmen.Auf Twitter merkt Royal-Reporter Richard Palmer (schreibt für "Daily Exress") an, dass keine andere Monarchie in Europa so viele offizielle Repräsentanten hat wie das Vereinigte Königreich. Seine Kommentatoren-Kollegin Marlene Koenig gibt daraufhin einen interessanten Hinweis: "Die anderen Länder sind nicht so groß wie Großbritannien (...). Kein Commonwealth, keine wirkliche internationale Berichterstattung (leider). Eine kleinere königliche Familie würde funktionieren, wenn das Vereinigte Königreich sich trennen würde und nur England und Wales übrig blieben."

Eine Frage des Geldes

Immer wieder ist die Finanzierung der Royals aus Steuergeldern ein Thema in den britischen Medien. Mit dem sogenannten Sovereign Grant werden die offiziellen Pflichten der Königin und anderer Mitglieder der Royals finanziert. Dazu gehört zum Beispiel der Erhalt der königlichen Paläste, das Gehalt von Mitarbeitern, Kosten für Reisen und Termine. 92 Millionen sind für das Haushaltsjahr 2019/2020 vorgesehen. Je weniger Mitglieder das Königshaus hat, umso kleiner würde auch der Sovereign Grant ausfallen. Möglicherweise auch ein Kriterium für die Überlegung von Prinz Charles.  

Wie eine Verkleinerung des Königshauses vonstattengehen kann, hat am 7. Oktober 2019 König Carl Gustaf von Schweden, 73, vorgemacht: Er schloss fünf seiner sieben Enkel aus dem Königshaus aus und verringerte damit die Anzahl der Repräsentanten der schwedischen Krone von fünfzehn auf zehn. 

Verwendete Quellen:Daily Mail, royal.uk, The Express

jre Gala

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