Prinz Charles: Krisengespräche über Prinz Andrew

Als Prinz Andrew in einem TV-Interview über seine Verbindung zu Sexualstraftäter Jeffrey Epstein Rede und Antwort stand und damit das Königshaus in eine Krise stürzte, war Prinz Charles auf Royal-Tour in Neuseeland und auf den Salomonen unterwegs. Nun ist der künftige König zurück - und wird mit Queen Elizabeth über das Schicksal Andrews entscheiden, berichtet eine britische Zeitung.

Prinz Charles, 71, soll am gestrigen Dienstag (26. November) nach seiner zweiwöchigen Dienstreise nicht wie erwartet für eine Aussprache zu seinem Bruder Prinz Andrew, 59, nach Windsor gefahren sein, sondern nach Sandringham House. Auf den privaten Landsitz der Königsfamilie zieht sich Prinz Philip, 98, seit dem Beginn seines Ruhestandes 2017 die meiste Zeit des Jahres zurück. Wie "Daily Mirror" berichtet, plant Charles, den Rest der Woche mit seinem Vater zu verbringen und sich Zeit zu nehmen, im Fall Andrew "auf seinen Rat zu hören und ihn zu durchdenken".

Prinz Charles und Prinz Philip beraten sich über Prinz Andrew

An den Beratungen rund um Andrew soll neben Charles, Philip und Queen Elizabeth, 93, auch Prinz William, 37, beteiligt sein. Verständlich, immerhin wird er eines Tages seiner Großmutter und seinem Vater auf den Thron folgen und damit die Zukunft der Monarchie in seinen Händen halten. "Es ist eine dringende Angelegenheit, sich mit Andrew und seinem Platz in der Familie zu befassen", erklärte ein Informant dem "Daily Mirror" und ergänzte, dass es innerhalb der Familie das Gefühl gebe, dass Andrew nun in einer Position sei, aus der es kein Zurück mehr gebe.

Aussprache zwischen Vater und Tochter?

Erwischt! Hier verlässt Beatrice das Anwesen von Andrew

Prinzessin Beatrice (auf dem Rücksitz) und ihr Verlobter Edoardo Mapelli Mozzi (vorne rechts) verlassen am 25. November 2019 das Anwese von Prinz Andrew in Windsor.


Andrew hatte am 20. November 2019 seinen Rücktritt von seinen öffentlichen Pflichten als Royal verkündet - "auf absehbare Zeit". Laut der offiziellen Mitteilung war es Andrews Idee gewesen, sich zurückzuziehen. Die Queen habe ihm dafür die Erlaubnis erteilt. Charles und Prinz William gelten in der britischen Presse als starke Befürworter dieser Entscheidung. Hofberichterstatterin Emily Andrews spricht Charles allerdings eine deutlich aktivere Rolle zu. In einem Artikel für "The Sun" schrieb sie: "Wenn es nicht Prinz Charles war, der nach dem Epstein-Skandal tatsächlich den Abzug drückte, um den eigensinnigen Bruder Andrew zu entlassen, lud er sicherlich die Waffe."

Die Zukunft des Hauses Windsor auf dem britischen Thron zu sichern ist die oberste Maxime der Queen. Kein Individuum ist wichtiger als die Institution, sagt man in Großbritannien. Doch um sich zu erhalten brauchen Queen Elizabeth und ihre Familie die Zustimmung des Volkes und der Politik - und genau hier wird Prinz Andrew mit dem Fall Epstein zu einem Image-Problem unberechenbaren Ausmaßes. Um dieses aus der Welt zu schaffen, könnte Charles einen entscheidenden Schritt gehen.

Prinz Andrew

Er spricht über die Sex-Vorwürfe

Prinz Andrew
Prinz Andrew bezieht in einem Interview mit dem TV-Sender "BBC-News" erstmals öffentlich Stellung zu den Sex-Vorwürfen mit einer Minderjährigen.
©Gala

 

Verkleinert sich das Königshaus?

Prinz Charles soll seit geraumer Zeit mit dem Gedanken spielen, das britische Königshaus nach dem Tod seiner Mutter neu aufzustellen, behaupten Royal-Kenner. Der Skandal um Prinz Andrew könnte diesem Gedanken Aufwind verschaffen. In der Channel-5-Dokumentation "Royal Family at War", die im April 2019 ausgestrahlt wurde, behauptet Ingrid Seward, Chefredakteurin des Magazins "Majesty" und Biographin der Queen, Charles wolle "die Öffentlichkeit auf den Kern der königlichen Familie lenken". Dies bedeutet ihrer Meinung nach, dass unter anderem für Prinz Andrew und seine Töchter Prinzessin Beatrice und Prinzessin Eugenie keinen Platz mehr ist. "Ich denke, Prinz Charles hat das Gefühl, dass es zu viele von ihnen [Royals] gibt", ergänzt Seward. "Es gibt zu viele Nutznießer, wenn Sie möchten.

Eine am 24. November 2019 veröffentlichte Umfrage unter 2.038 Briten im Auftrag der Zeitung "Sunday Express" zeigt, das Charles den Nerv des Volkes treffen könnte: 54 Prozent der Befragten waren der Meinung, die Zeit sei gekommen für eine "abgespeckte königliche Familie". 

In der nächsten Zeit werden Charles, William und die Queen, so schreibt es "Daily Mirror", "über das schlussendliche Schicksal von Andrew entscheiden".

Verwendete Quellen: Daily Mirror, Sunday Express

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