Prinz Andrew gibt Interview: Er spricht erstmals über den Jeffrey-Epstein-Sex-Skandal

Prinz Andrew hat im Gespräch mit dem britischen TV-Sender "BBC" erstmals über seine Verbindung zu dem verurteilten und inzwischen verstorbenen Sexualstraftäter Jeffrey Epstein gesprochen und Stellung zu dem Vorwurf bezogen, er selbst habe mit einer Minderjährigen Sex gehabt. 


Prinz Andrew, 59, steht in Großbritannien seit Monaten massiv unter Druck. Der Grund: Die inzwischen 35-jährige Virginia Giuffre behauptet, als Sex-Sklavin von US-Milliardär Jeffrey Epstein, †66, missbraucht und in diesem Zuge 2001 und 2002 insgesamt dreimal gegen ihren Willen Sex mit Andrew gehabt zu haben. Kennengelernt haben soll sie den Royal 2001; damals war Andrew 41, Giuffre 17.

Der Prinz hat die Anschuldigungen in einem schriftlichen Statement im August über den Palast dementierten lassen. Die Negativ-Schlagzeilen brachte dies nicht zum Verstummen. In dem "BBC"-Interview mit dem Titel "Prince Andrew & the Epstein Scandal", das am Donnerstag (14. November) im Buckingham Palast stattfand und am Samstag (16. November) ausgestrahlt wurde, stellte sich Andrew  erstmals vor laufender Kamera dem brisanten Thema Jeffrey Epstein.

Prinz Andrew spricht über Jeffrey Epstein 

Im Gespräch mit Reporterin Emily Maitlis, 49, zeigte sich Andrew schuldbewusst. "Das Problem war die Tatsache, dass ich nach seiner Verurteilung bei ihm blieb", gibt er zu. Epstein hatte sich 2008 schuldig bekannt, Klienten mit minderjährigen Mädchen für Sex versorgt zu haben. Dafür wurde er damals zu einer Gefängnisstrafe von 13 Monaten verurteilt und als Sexualstraftäter registriert.

Dass er die 1999 begonnene Freundschaft zu dem Geschäftsmann daraufhin nicht beendet habe, bereut Andrew heute. "Dafür trete ich mich jeden Tag aufs Neue, denn es war nichts, was von einem Mitglied der königlichen Familie kommen sollte. Wir versuchen und halten die höchsten Standards und Praktiken, und ich habe sie [die Königsfamilie] im Stich gelassen, so einfach ist das, sagte er im "BBC"-Interview-"

Der Prinz will nichts vom Sexhandel gewusst haben

2000 war Epstein sogar zu Gast auf Windsor Castle und in Sandringham gewesen. "Zu der Zeit gab es weder für mich noch für andere Anzeichen, dass er das tat", sagte Andrew über Epsteins Verbrechen zu "BBC Newsnight". Er ergänzt: "Und sicher, als ich ihn in den Vereinigten Staaten gesehen habe ... oder als ich in seinen Häusern in den Vereinigten Staaten gewohnt habe, gab es keinen Hinweis, absolut keinen Hinweis." Menschen seien ständig in den Häusern des Geschäftsmannes ein und aus gegangen, ohne zu erklären, wer sie seien und was sie dort wollen. Vielleicht, so mutmaßt der Prinz, habe Epstein die Mädchen während Andrews Besuche nicht im Haus gehabt.


Ende einer Freundschaft

Im Dezember 2010, nachdem Epstein seine Haft verbüßt hatte, reiste der Prinz nach New York und wurde dort mit Epstein fotografiert. Fotos, die später hohe Wellen schlagen sollten. Auf die Frage der Reporterin, warum er den verurteilten Sexualstraftäter besucht habe, antwortete Andrew: : "Ich bin dort hingegangen mit der einzigen Absicht, ihm zu sagen, dass es wegen seiner Verurteilung leider unangemessen ist, dass wir zusammen gesehen werden."

Prinzessin Eugenie, Prinzessin Beatrice und ihr Vater Prinz Andrew

Prinz Andrew gibt Interview

Schräge Ausrede nach Sex-Vorwurf

Es habe unterschiedliche Ratschläge darüber erhalten, ob er Epstein dies persönlich oder am Telefon mitteilen solle oder nicht. "Ich kam zu der Beurteilung - weil dies ernst war und weil ich das Gefühl hatte, dass es über das Telefon die unverschämteste Art gewesen wäre, es zu tun - musste ich ihn sehen und es ihm sagen." Also flog Andrew nach New York; das laut seiner Aussage allerdings nicht nur, um Epstein zu sehen, sondern um eine Reihe anderer Termine wahrzunehmen. Das Kuriose: Andrew checkte für vier Tage in eine der Häuser von Epstein ein. Seine Begründung: 

"Es war ein bequemer Ort zum übernachten. Ich meine, ich habe das so oft in meinem Kopf durchgespielt. Letztendlich war es nach all dem Rückblick, den man haben kann, definitiv das Falsche. Aber zu der Zeit hatte ich das Gefühl, dass es das Richtige war und ich gebe voll und ganz zu, dass mein Urteil wahrscheinlich von meiner Tendenz geprägt war, sehr ehrenhaft zu sein, aber so ist es nun mal."

Prinz beendete Freundschaft mit Epstein Ende 2010

Es habe sich die Gelegenheit ergeben, mit Epstein einen Spaziergang in einem Park zu unternehmen, und die Freundschaft zu beenden, erklärt Andrew. Der Geschäftsmann habe dies verstanden. Am nächsten Tag reiste Andrew ab. "Seit diesem Tag habe ich nie wieder Kontakt zu ihm gehabt", so der Prinz. Ob er den Trip nach New York bereue, fragt die Reporterin. Deutliche Antwort von Andrew: "Ja".

Weniger deutlich fiel allerdings die Antwort auf die Frage aus, ob er die Freundschaft mit Epstein bereut. Nach einigem Zögern sagt Andrew: „Nein, das tue ich immer noch nicht. Der Grund ist: Die Menschen, die ich kennenlernte und die Möglichkeiten, die mir gegeben wurden um zu lernen, entweder von ihm [Epstein] oder durch ihn, waren sehr nützlich.“

Hatte Prinz Andrew Sex mit der minderjährigen Virginia Guiffre?

Die "BBC"-Reporter befragte den Prinzen auch über seine angebliche sexuelle Begegnung mit Giuffre. "Sie sagt, sie hat Sie 2001 getroffen. Sie hat mit Ihnen zu Abend gegessen und mit Ihnen im Tramp Nightclub in London getanzt. Danach hatte Sie Sex mit Ihnen in einem Haus in Belgravia [einem Stadtteil Londons], das Ihrer Freundin Ghislaine Maxwell gehörte. Ihre Antwort?" Andrew antwortete:

Ich kann mich nicht erinnern, diese Dame jemals getroffen zu haben, überhaupt keine.

Auf die erneute Frage, ob er sich erinnern könne, Virginia Guiffre getroffen zu haben, wiederholte er: "Nein." 

Problem für den Prinzen: Es existiert ein Foto, auf dem er 2001 mit Virginia Giuffre posierte und seinen Arm um ihre Taille legte. Es soll bei Ghislaine Maxwell, Epsteins Ex-Freundin, zu Hause aufgenommen worden sein. Menschen, die dem Prinzen nahestehen behaupten allerdings, das Foto sei gefälscht.

In einem Interview mit "60 Minutes Australia" hatte sich Guiffre im September 2019 gewehrt: "Ich weiß, dass es echt ist und er muss mit all diesen lahmen Ausreden aufhören (... ) Dies ist ein echtes Foto. Das ist das allererste Mal, dass ich ihn getroffen habe". Über die Ausbeutung durch Epstein und den angeblichen Sex mit Andrew sagte sie: "Sie werden nicht einmal als lebendig, anwesend oder wichtig anerkannt. Oder fürsorglich behandelt. Keine dieser menschlichen Emotionen hing mit mir zusammen, als ich zu Prinz Andrew gebracht wurde." 

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Sarah Ferguson, Prinz Andrew, Queen Elizabeth 


Tod von Jeffrey Epstein 

Seit Juli 2019 saß der US-Milliardär in Untersuchungshaft. Der Vorwurf: Jahrelang soll er minderjährige Mädchen sexuell missbraucht und zur Prostitution gezwungen haben. Ehe es zum Prozess kam, starb er am 10. August in seiner Gefängniszelle.

Verwendete Quellen: BBC, The Telegraph, Daily Mail

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