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Prinz Andrew Marty Singer, der Star-Anwalt, der ihn vor einem Prozess gerettet hat

Star-Anwalt Marty Singer (l.) und sein Team-Mitglied Andrew Brettler
Star-Anwalt Marty Singer (l.) und sein Team-Mitglied Andrew Brettler
© Rich Fury / Getty Images
Der Rechtsanwalt Marty Singer hat es tatsächlich geschafft: Prinz Andrew muss sich in den USA nicht vor einem Zivilgericht aufgrund einer Missbrauchsklage verantworten. Dass die Königsfamilie ausgerechnet Singer beauftragte, war der wohl beste Schachzug. Doch wer ist der Anwalt, der als "Mad Dog" international bekannt ist?

Scarlett Johansson, 36, beschrieb ihn einst als "real-life superhero" – zu Deutsch: ein Superheld im wahren Leben. Doch wer genau ist Marty Singer, 69? Der Rechtsanwalt verkehrt in den höchsten Kreisen Hollywoods, hat zahlreiche Schauspieler und Schauspielerinnen aus dem Schlamassel geholt. Er gilt als "Problemlöser", wurde 2012 zum "Entertainment Lawyer of the Year" ernannt.

Nun hat Marty Singer einen der wohl größten Skandale des britischen Königshauses zurechtbiegen können: Singer hat Prinz Andrew, 61, – dem eine Verwicklung in die Kreise des verurteilten Sexualstraftäters Jeffrey Epstein, †66, nachgesagt wird und der von Virginia Roberts Giuffre, 38, aufgrund mehrfachen sexuellen Missbrauchs angeklagt wurde – vor einer öffentlichen Prozess-Schlammschlacht bewahrt. Andrew und seine Klägerin haben sich außergerichtlich geeinigt – ein Erfolg, den der Royal seinem Anwalt zu verdanken hat.

Prinz Andrew: Diese Anklagepunkte wurden ihm vorgehalten

Dass die Royals ausgerechnet "Mad Dog"-Singer als Rechtsbeistand für den Prinzen auswählten, war ein taktischer Schachzug. Viel mehr noch: Er war die einzige Hoffnung, die Prinz Andrew je hatte. Dieser soll Virginia Roberts Giuffre zwischen den Jahren 1999 und 2002 angeblich dreimal missbraucht haben. Die heute 38-jährige Giuffre war zum damaligen Zeitpunkt minderjährig. Der Royal bestritt alle Anklagepunkte.

Prinz Andrew

Nachdem die Anschuldigungen 2019 bekannt wurden, hatte Virginia Roberts Giuffre 2021 eine offizielle Zivilklage in den USA eingereicht. Ein Gericht in New York ist den Anschuldigungen nachgegangen und ließ den Prozess, der für Herbst 2022 angesetzt wurde, zunächst zu.

Doch der Anwalt konnte den Royal vor diesem öffentlichen Kriegsplatz gerade noch bewahren und erzielte eine Einigung. Dabei stehen einige von Singers Vorgehensweisen durchaus in der Kritik. Sein harter Umgang mit den oftmals weiblichen "Opfern" hat vor allem nach der #MeToo-Bewegung an Schlagkraft und Taktik verloren. Und auch bei Prinz Andrew wäre diese Vorgehensweise bei einem Prozess schwierig geworden, denn neben dem Gericht muss Marty Singer Prinz Andrews Namen vor allem vor einer weiteren Gruppe reinwaschen: den Medien. Vermutlich einer der vielen Gründe, weshalb Singer auf eine Einigung beharrte. 

Marty Singer: Diese Hollywoodstars zählen zu seinen Klienten

Der Umgang mit den Medien ist für Marty Singer kein Neuland. Der Rechtsanwalt ist sogar auf die Umstände zum Prinz-Andrew-Fall spezialisiert: die Minimierung des Rufschadens. Zu seinem Top-Klienten zählen Tom Hanks, 65, Silvester Stallone, 75, Kevin Costner, 66, Matt Damon, 51, und selbst Oprah Winfrey, 67. Dennoch hätte der Prozess des Royals wohl weitaus mehr Schlagzeilen geschrieben als je ein Prozess zuvor.

Singers berüchtigtster Fall vor Prinz Andrew: Bill Cosby 

Marty Singer gilt als Wundermittel, wird von Stars gerne als der Mann bezeichnet, "der jedes Problem verschwinden lassen kann." Eine Lobeshymne, die er mit der Einigung im Royal-Missbrauchsskandal beweisen konnte. Es erweckt den Eindruck, dass der Star-Anwalt einfach nicht scheitern kann.

Doch sein wohl berüchtigtster Fall ist auch seine größte Niederlage: die Akte Bill Cosby. Zwar war es Marty Singer, der die Anschuldigungen der Frauen – Cosby habe sie unter Drogen gesetzt und sexuell missbraucht – lange unter Verschluss halten konnte. Doch letztendlich wurden die Cosby-Fälle aufgedeckt – und Singer beendete still und heimlich seine Zusammenarbeit mit dem heute 84-Jährigen.

Marty Singer setzte seine beiden "Top-Kampfhunde" für den Fall an

Wie "Telegraph" berichtete, geht aus Gerichtsdokumenten hervor, welche Anwälte aus Singers Team – denn selbstverständlich wird ein so wichtiger Klient nicht bloß von einem Anwalt betreut – für den Giuffre-Epstein-Fall zuständig waren. Andrew Brettler sowie Melissa Lerner standen und stehen auch in den kommenden Monaten Prinz Andrew zur Seite, gelten als "Top-Kampfhunde" des Hollywood-Anwalts. Sage und schreibe 1600 US-Dollar die Stunde (umgerechnet circa 1380 Euro) soll die Queen, die das Anwaltsteam ihres Sohnes finanziert, gezahlt haben. 

Die Frage, die trotz der unstreitigen Fähigkeiten Singers immer Raum stand: Ist Prinz Andrews Ansehen überhaupt noch zu retten? Der Royal und sein Anwaltsteam hatten eigentlich nur eine Möglichkeit und die hieß: Freispruch. Selbst die Einigung kann dem Ansehen des 61-Jährigen nicht wirklich helfen. Zwar bleibt Prinz Andrew ein offizielles Urteil verschont, doch das Urteil der Menschen scheint längst gefallen zu sein.

Verwendete Quellen: vanityfair.com, latimes.com, telegraph.co.uk

jna Gala

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