Meghan Markle: Warum es völlig okay ist, kein Fan von ihr zu sein

Herzogin Meghan und Prinz Harry verabschieden sich aus England und vom Königshaus. Nicht nur Queen Elizabeth ist enttäuscht - sondern auch ich, der Royal-Fan. 

Bevor Sie es selbst merken, gestehe ich es lieber gleich: Ich bin kein Fan von Meghan Markle. Nicht wegen des Megxits. Nicht, weil ich ein Opfer der vermeintlich manipulativen Briten-Presse bin. Nicht, weil ich etwas gegen Diversität im Königshaus habe. Und auch nicht, weil Meghan-Bashing gerade im Trend zu sein scheint. Liebe Meghan-Fans, lassen Sie's mich erklären, bevor Sie mich zerreißen.

Herzogin Meghan betritt die Bühne der Monarchie

Als Prinz Harry Meghan Markle im September 2017, bei den "Invictus Games" in Toronto, erstmals als seine Freundin präsentierte, hatte ich keine Ahnung, wer sie ist. Die Anwalt-Serie "Suits", in der sie schon seit mehreren Jahren mitspielte, hatte ich nie gesehen. Auch in keinem anderen Zusammenhang hatte ich je von Meghan gehört. Sie war für mich ein weißes Blatt Papier, das erst noch beschrieben werden musste. Was ich aber sagen konnte: Es freute mich, dass Harry eine neue Liebe gefunden hatte und, den Fotos aus Toronto nach zu urteilen, eine, die ihn sehr glücklich machte.

Der Tag, an dem mir auffiel, dass ich Meghan nicht mochte, war ein grauer Tag im November 2017. Genauer gesagt der 27. November 2017. Während die Welt die Verlobung des neuen Traumpaars des britischen Königshauses feierte, sah ich einen ziemlich verliebten Mann Anfang dreißig und eine Frau, die wirkte wie eine zufriedene Katze, die gerade einen stattlichen Vogel verspeist hatte. Eine Frau, die in die Kamera winkte, als stünde sie als Schauspielerin auf einem roten Teppich in Hollywood - und nicht als zukünftige Frau der Nummer sechs der Thronfolge im Garten des ehrwürdigen Kensington Palastes in London. 

Prinz Harry und Herzogin Meghan am 27. November 2017 im Kensington Palast. Das Paar hatte soeben seine Verlobung bekanntgegeben. 

Im "BBC"-Interview zur Verlobung behauptete Meghan, "nicht viel" über Harry gewusst zu haben. Alles, was sie über ihn wisse, habe sie von ihm selbst erfahren. Irgendwie nahm ich ihr das nicht ab. Und um ehrlich zu sein: Mir trat Harry zu stark auf das Gaspedal der Liebe. Verlobung nach nicht einmal anderthalb Jahren Beziehung, wovon die meiste Zeit ein Ozean zwischen ihm und Meghan gelegen hatte? Die Monarchie ist eine gewaltige Institution. Ob Meghan als Amerikanerin wusste, worauf sie sich einließ, fragte ich mich. "(Weitgehend unbekannte) US-amerikanische Schauspielerin heiratet britischen Prinzen“ – irgendwie war mir diese Headline zu kitschig. Und, in wen sie sich verliebt hatte - Harry, den netten Typ aus England, der zufällig die Nummer fünf der Thronfolge war. Oder in die Nummer fünf der Thronfolge, der zufällig ein Typ namens Harry war. Auch Meghan-Fans werden zugeben müssen: Die Liebe zu Harry war für Meghan ein Sprungbrett, das seinesgleichen sucht. 

Herzogin Meghan + Prinz Harry

"Sie werden sich in den nächsten zwei, drei Jahren trennen"

Herzogin Meghan und Prinz Harry 


Und dann das Drama, das Meghan in die Schlagzeilen spülte. Ihre Halbschwester Samantha, die seit Wochen Gift und Galle spuckte. Ihr Vater, der erst Paparazzi-Fotos von sich fakte und dann sein Kommen zur Hochzeit (angeblich wegen einer Herz-OP) auf den letzten Drücker absagte. Hollywood-Stars statt Familienmitgliedern auf der Gästeliste. Nein, die Hochzeit am 19. Mai 2018 auf Schloss Windsor war nicht meine Royal Wedding. Wie schade. Das mit Harry und der Liebe hatte ich mir anders vorgestellt. (Obwohl ich, ja, ich gebe es zu, ein Tränchen der Rührung beim Jawort vergossen habe. Romantisch war es dann eben doch).

Herzogin Meghan + Prinz Harry

Die royale Hochzeit des Jahres

21. Mai 2018  Das offizielle Hochzeitsbild von Harry und Meghan ist da! Das frisch vermählte Pärchen lacht zufrieden in die Kamera des bekannten englischen Fotografen Alexi Lubomirski. Für die offiziellen Porträts wählt Alexi Lubomirski einen Hintergrund im Schloss Windsor. Königlicher geht es nicht.
21. Mai 2018  Auf dem offiziellen Pärchenfoto lachen Herzogin Meghan und Prinz Harry erleichtert in die Kamera des britischen Star-Fotografen Alexi Lubomirski.
GALA-Sonderausgabe zur Hochzeit in England: GALA Royal 01/2018  Die Hochzeit des Jahres  Plus Die schönsten royalen Hochzeiten aller Zeiten  Máxima & Willem-Alexander der Niederlande   Prinzessin Diana & Prinz Charles  Victoria & Daniel von Schweden  + Diademe, Braut-Looks, Festmenü
21. Mai 2018  Einige Blumen, die zu dem schlichten Strauß gebunden wurden, hat Prinz Harry für seine Braut im Palastgarten gepflückt.

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Nennen Sie es romantisch-verklärt. Oder eben kitschig. Aber: In meiner Vorstellung sah ich Harry mit einer Frau an seiner Seite, die die Monarchie gemeinsam mit William und Kate in eine glanzvolle Zukunft führen würde. Eine Frau, die die Dinge vielleicht anders angehen würde - was der Monarchie sicher gut täte - die aber am Ende ihre Rolle mit der gleichen Begeisterung ausfüllen würde wie ihre Schwägerin. Die Teil der "Royal Fabulous Four" sein würde. Die vom Volk geliebt werden und mit Harry in den Sonnenuntergang reiten würde. Happy End.

Aber wie sagt man so schön: "Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt". 

Meghan als "frischer Wind" im Palast - ZU frisch

Meghan Markle also. Gefeiert als Frau mit afroafrikanischen Wurzeln (bisher einmalig im Hause Windsor), gefeiert als Schauspielerin, gefeiert als frischer Wind im Palast. Wer hätte gedacht, dass daraus eine steife Brise – oder, wie die Briten es nannten – ein "Hurrikan Meghan" werden würde? Harry und seine Frau würden, so ließ der Palast im Oktober 2018 verlauten, aus dem Nottingham Cottage, das nur einen Steinwurf vorm Appartement von William und Kate entfernt lag, ausziehen. Das neue Heim wurde für umgerechnet drei Millionen Euro renoviert – von Steuergeldern. Das alleine sorgte für genug Unruhe.

Und dann auch noch das: Streit-Gerüchte um die royalen Brüder machten die Runde. William habe Harry gegenüber Zweifel an der Hochzeit geäußert und der verliebte Bräutigam sei "not amused" gewesen. Ein handfester Riss soll die Beziehung der Prinzen fortan durchzogen haben. Und so erhielt Meghan unfreiwillig die wohl größte Rolle ihres Lebens zugeschrieben: die der bösen Fee im Märchen namens "Queen Elizabeth and The British Royal Family".

Queen Elizabeth

Das Thema "Harry & Meghan" soll ein rotes Tuch für sie sein

Prinz Harry, Herzogin Meghann und Queen Elizabeth
Ist Queen Elizabeth nicht gut auf ihren Enkel Prinz Harry und dessen Frau Herzogin Meghan zu sprechen? Das behaupten zumindest britische Medien.
©Gala

Kritik, Kritik und nochmals Kritik

Die Öffentlichkeit legt Meghan unter ein Vergrößerungsglas mit dem festen Willen, jedes noch so fehlerhaftes Detail an ihr zu finden. Dunkler Lack auf den Nägeln? Keine Strumpfhose unter dem Rock? SMS-Bombardements an Mitarbeiter? Baby Shower für Hunderttausende Dollar? Die Brüche des royalen Protokolls, so schien es, waren kaum mehr zu zählen. Weil Meghan immer wieder demonstrativ die Hand auf ihren Babybauch legte, wurde gar geunkt, dass Kind käme mit einem Fünf-Finger-Abdruck im Gesicht zur Welt. Eines muss man Meghan bei all der Kritik lassen: In punkto Medienaufmerksamkeit ist sie die wahre Königin im Hause Windsor und der frischeste Wind, der seit Prinzessin Diana je durch den Palast geweht ist. Dies als gut oder schlecht zu bewerten, muss jeder für sich selbst entscheiden. Je mehr ich über Meghan las, je mehr auch ehemalige Freunde Fragwürdiges über sie erzählten, desto mehr dachte ich: Wo Rauch, da Feuer. Irgendwas stimmt für mich im Konzept Meghan Markle nicht.

Im Mai 2019 sah es zu meiner Überraschung tatsächlich danach aus, als könnte ich meinen Frieden mit Meghan schließen. Als sie mit ihrem frisch geborenen Baby Archie in der St George's Hall von Schloss Windsor für ein kleines Shooting posierte, hatte ich das Gefühl, zum ersten Mal die echte Meghan Markle zu sehen. Die Wangen rosig. Der Blick selig. Das Auftreten zurückhaltend. Kein Hollywood. Keine Show. Einfach nur Meghan, Harry und Archie. Das gefiel mir.

Das zarte Pflänzchen der Sympathie zu Meghan sollte nicht lange gedeihen. Genervt von der Geheimhaltung um die Taufe von Baby Archie im Juli 2019 hatte ich – wie die britische Presse - schnell genug vom Gehabe der Sussexes. Das mag hart sein, denn ja: Jeder hat das Recht auf Privatsphäre. Auch Mitglieder des britischen Königshauses. Verbuchen Sie meine Genervtheit als Enttäuschung eines Royal-Fans, der sich mit dem neuen, privaterem Ansatz der Sussexes erst anfreunden musste.

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Die ungeschriebenen Gesetze des Palasts bereiten Herzogin Meghan große Probleme


Meghan: Hallo und Goodbye innerhalb von zwei Jahren

Heute, ein halbes Jahr später, spricht niemand mehr von der Aufregung um die Taufe. Heute sprechen Royal-Fans, Hofberichterstatter und die internationale Presse nur noch über eines: den Megxit. Vom Hoffnungsträger der britischen Monarchie zum Buhmann der Windsors in nur zwei Jahren und zwei Monaten – das  hat sich nicht nur die Queen anders vorgestellt. Ich bin enttäuscht und ich nehme es Harry und Meghan übel, dass sie nicht länger durchgehalten haben. Ja, die Presse war hart zu ihnen. Aber das sind sie zu Kate Middleton ("Waitie-Katie"), Prinzessin Diana, Sarah Ferguson und anderen Mitgliedern der Königsfamilie auch gewesen. Aber niemand von ihnen hat deswegen das Handtuch geworfen. 

Nach Abgang von Harry und Meghan

Wer wird "The Queen's Next Top Royal"?

Queen Elizabeth (Mitte), Enkelin Prinzessin Beatrice (l.) und Schwiegertochter Gräfin Sophie (r.)

Hätte Harry eine Frau aus der Heimat geheiratet - es hätte keine zweite Herzogin Kate sein müssen; sondern jemand, der mit der britischen Mentalität, der Bedeutung der Monarchie und den Gepflogenheiten der High Society vertraut gewesen wäre - dann gäbe es heute vielleicht die "Fantastischen Vier" im Hause Windsor.

Meghan hingegen fühlte sich im goldenen Käfig. Sie habe die Zeit in der Royal Family als "vernichtend" für ihre Seele empfunden; die Atmosphäre hinter den Palastmauern sei "toxisch" und ihre Entscheidung, mit Harry nach Kanada zu gehen, eine "Entscheidung zwischen Leben oder Tod" gewesen, berichten Freunde. Was sich wirklich hinter den Palastmauern abspielte, weiß ich selbstverständlich nicht. Aber es passt zu dem Interview, dass Meghan im Oktober 2019 in Afrika gegeben hat und von dem der Interviewer Tom Bradby später sagte, Meghan lebe nicht, sie existiere. Für jemanden, der sich karitativ engagiert und unter anderem in den südafrikanischen Townships das wirkliche Elend dieser Welt gesehen hat, klingt das in meinen Ohren blasphemisch.

Prinz Harry

Peinlich und unangenehm: Will Harry seiner Frau hier einen Job verschaffen?

Harry und Bob Iger
Prinz Harry unterhält sich bei der Londoner Premiere von "The Lion King" mit Disney-Chef Bob Iger, aber nicht nur über das Wetter oder die Veranstaltung. Er bewirbt die Talente seiner Frau, will er Meghan hier einen Job verschaffen? Sehen Sie mehr dazu im Video!
©Gala

Wie die Zukunft von Harry und Meghan aussehen wird, das haben sie nicht alleine zu entscheiden. Der Palast wird strenge Regeln und Handlungsrahmen für die Geschäftstätigkeiten des Paares festlegen – zum Schutze der Monarchie. Niemand wolle das Gesicht der Herzogin auf einer Margarine-Packung sehen, heißt es. Ob sie und Harry zu einem globalen Power-Paar aufsteigen, einer Mischung aus den Obamas und den Clooneys, wird sich im Lauf der Zeit zeigen.

Bevor Sie es merken werden, sage ich es allerdings lieber gleich: Ich werde auch in Zukunft kein Fan von Meghan Markle sein. Und das ist genau so okay, wie sie eben doch zu mögen.

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