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Herzogin Meghan Warum es unfair ist, sie zum Buhmann zu machen

Herzogin Meghan
© Getty Images
Herzogin Meghan ist für viele Royalisten der Buhmann der Königsfamilie. Warum das zu simpel gedacht ist und auch der Palast eine Mitschuld am schlechten Image trägt. 

Es war einmal ein Prinz, der lebte im Königreich Großbritannien und traf im Sommer 2016 eine Frau aus einem fernen Land. Sie war liebreizend und schön, und so konnte der Prinz nicht anders, als sie um ihre Hand zu bitten. Die Hochzeit begeisterte das Volk. Von überall kamen die Menschen nach Schloss Windsor, um das Paar und seine Liebe zu feiern. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben der Prinz und seine Herzogin noch heute glücklich zusammen ...

So könnte die Geschichte von Prinz Harry und Meghan Markle lauten, stünde sie in einem Märchenbuch. Doch jeder weiß: In einem Märchen muss sich der Held Herausforderungen stellen und sich gegen diejenigen durchsetzen, die ihm nicht wohlgesonnen sind. Und so sieht sich Megan neben allerhand Bewunderung auch mit einem Problem konfrontiert: Kritik. 

Herzogin Meghan, die Hoffnungsträgerin der Royals

Meghan Markle ist weder im Königshaus noch in den elitären Kreisen der britischen High Society aufgewachsen. 1981 kam sie als Tochter eines kaukasischen Lichtregisseurs und einer Afro-amerikanischen Angestellten in den USA zur Welt. Als sie Harry 2016 kennenlernt, ist sie TV-Schauspielerin und bereits einmal geschieden. Kurzum: Eine Persönlichkeit, wie es sie noch nie zuvor in der Geschichte des britischen Königshauses gegeben hat. Das macht Meghan spannend, interessant und – anfangs – zu einem guten PR-Instrument für die Monarchie.

Die Botschaft bei der Verlobung mit Harry 2017 war klar: Queen Elizabeth und ihre Familie gehen mit der Zeit und öffnen sich dem 21. Jahrhundert. Meghan galt als Hoffnungsträgerin, die frischen Wind in den Palast bringen sollte. Und tatsächlich: Viele bewunderten sie für ihr soziales Engagement, ihre Unabhängigkeit und ihr elegantes Auftreten.

Kritik an Meghan Markle

Doch Meghans Stärken in der bürgerlichen Welt sind gleichzeitig ihre Schwächen in der höfischen. Sie ist kein 19-jähriges Mädchen wie es Prinzessin Diana war, als sie an den Hof kam. Meghan lässt sich mit Mitte 30 nicht mehr formen – sie ist geformt. Freunde und Biographen beschreiben sie als selbstbewusst, ambitioniert, zielstrebig und progressiv. Man kann sagen: Eigenschaften, die prädestiniert dafür sind, mit dem über hunderte Jahre gewachsenen Protokoll des Hofs zu kollidieren.

"Hurrikan Meghan" fegt durch den Palast

Sie erteile Mitarbeiter schon in den früheren Morgenstunden via E-Mails und SMS Aufträge, stelle überzogene Forderungen und höre nicht auf die Ratschläge des Palast-Personals, hieß es über Prinz Harrys Frau. Die Presse verpasste ihr deshalb die Spitzenamen "Duchess Difficult" und "Hurricane Meghan". Die Liste der angeblichen Verfehlungen ist lang: Meghan liebe es, im Mittelpunkt zu stehen, sei verschwenderisch, geltungssüchtig, berechnend und distanziere Harry von seinen Freunden. 

Spätestens seit dem Megxit im Januar 2020 ist Meghan Markle von vielen als größtes Feindbild der Monarchie ausgemacht worden. Was immer sie sagt oder tut: Sie scheint es falsch zu machen (wenn auch manchmal mit Absicht, so scheint es). Später, im März 2021, wird man ihr sogar vorwerfen, Palast-Mitarbeiter "gedemütigt" und "schikaniert" zu haben.

Herzogin Meghan

"Beschwere dich nie, erkläre dich nie"

24 Stunden am Tag an sieben Tagen die Woche beobachtet, analysiert und bewertet zu werden, ist selbst für den stärksten Geist eine Herausforderung. Hilfe im Kampf gegen Negativ-Schlagzeilen und Unwahrheiten soll Meghan laut eigenen Angaben vom Palast nicht erhalten haben. Das stimmt zwar nicht ganz, denn tatsächlich haben sich verschiedene Mitglieder der Königsfamilie wiederholt für sie eingesetzt. Doch am Ende ist es für Herzogin Meghan das Gefühl, das zählt. Und ihres sagt ihr – so formulierte sie es 2020 in Gerichtsakten – dass sie von der Institution "Monarchie" nicht geschützt worden sei. Auch hier zeigt sich ein "Clash der Kulturen".

Herzogin Meghan macht einen Denkfehler 

In ihrem ersten Interview nach der Abkehr vom Königshaus – im sogenannten "Oprah-Interview" – benennt Meghan einen entscheidenden Grund für ihr schlechtes Verhältnis mit dem Palast: Für einen Erwachsenen, der zuvor "ein wirklich unabhängiges Leben" geführt habe, sei "das Konstrukt" des Hofes einengend. Was Meghan nichterkennt ist, dass die Limitierung ihrer Redefreiheit kein Angriff auf sie persönlich ist.

"Never complain, never explain" ist seit Jahrzehnten eine gängige Praxis im britischen Königshaus. Nur in Ausnahmefällen äußert man sich zu Spekulationen und Gerüchten. Dies dient dem Schutze der Monarchie. Der Hintergrundgedanke: Je weniger Öl ins Feuer gegossen wird, desto schneller verstummt die Berichterstattung.

Wenn sich der Palast entschließt, dass eine Kommunikation stattfindet, dann spricht der betroffene Royal nicht selbst, sondern der Palast als übergeordnetes Sprachrohr. Diese Erfahrung muss nicht nur Meghan machen, sondern viele vor ihr und nach ihr.

Fakt ist aber auch: Selten wurde ein Mitglied der Königsfamilie über Jahre so in der Presse angegangen wie die Herzogin. Auch, wenn ein Statement des Palastes die Medien-Maschinerie nicht hätte stoppen können, so wäre es zumindest ein deutliches Signal an Meghan gewesen: Wir kümmern uns um dich.

Der Palast schaltet auf stur

Obwohl sich die Monarchie stetig weiterentwickelt, stieß sie bei Herzogin Meghan und Prinz Harry offenbar an die Grenze ihrer Flexibilität. Dass sich die beiden nicht damit begnügen würden, den ihnen vom Protokoll zugedachten Platz hinter Prinz William und Herzogin Catherine einzunehmen, wurde immer deutlicher. Und tatsächlich: Harry und Meghan wollten eine "progressivere Rolle" im Königshaus einnehmen, wie sie am 8. Januar 2020 in einem ersten Megxit-Statement bekannt gaben. Statt ihnen diese zu gewähren, hieß es wenige Tage später: Meghan und Harry sind raus, und zwar komplett. 

Welche Details beim Megxit-Krisenipfel auf Sandringham zwischen den Parteien verhandelt wurde, ist nicht bekannt. Zurück bleiben die Fragen, ob der Palast dem Paar nicht mehr hätte entgegen kommen und Aufgaben finden können, mit denen sich Meghan besser hätte entfalten können. Vielleicht hätte es den Megxit dann nie gegeben.

Schuld an Spannungen zwischen Prinz Harry und Prinz William? 

Was man Meghan in der langen Liste ihrer angeblichen Verfehlungen neben der Respektlosigkeit gegenüber der Queen am meisten ankreidet, ist die Entfremdung von Prinz Harry und Prinz William. Doch das ist zu kurz gedacht. Denn was zwischen den Brüdern passiert ist, passiert täglich in Millionen anderen Familien auch: Sie sind erwachsen geworden, haben ihre eigenen Familien gegründet und unterschiedliche Wege eingeschlagen. Dass Harry auf Kriegsfuß mit der Presse steht und manchmal auch mit dem Leben als Royal, war lange vor Meghan bekannt. Royal-Experten aus dem Königreich sind sich einig, dass Meghan lediglich ein "Katalysator" für Harrys Unabhängigkeitsbestrebung war – wenn auch ein sehr starker, vielleicht zu starker, Katalysator.

Der Lauf des Lebens ist in diesem Fall aber nichts, was sich am Zeitungsstand gut verkaufen lässt. Und so ist Meghan womöglich tatsächlich – zumindest ein Stück weit – das Opfer der Presse. Denn die will ihren Lesern vor allem eines bieten: ein Märchen über Gut und Böse.

Meghan ist die "böse Fee"

Mit der Königsfamilie auf der einen Seite und Herzogin Meghan auf der anderen Seite hat man die Idealbesetzungen von Protagonist und Antagonist gefunden. Wenn dann auch noch Liebe, Neid und Intrigen ins Spiel kommen, kann man sich als Zuschauer der Anziehungskraft nur noch schwer entziehen.

Ob der Prinz und die Herzogin im "Märchen von Sussex" außerhalb des Königreiches ein Happyend erleben dürfen? Es sieht, trotz aller Widrigkeiten, danach aus ...

jre Gala


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