Herzogin Catherine: Die Ruhe im Sturm

Lässt sich der peinliche Nacktfoto-Skandal einfach weglächeln? Beim offiziellen Besuch im Südpazifik beweist Herzogin Catherine, dass sie sich nicht unterkriegen lässt

So stellt man sich Südsee-Romantik vor:

Herzogin Catherine und Prinz William bekommen Blumenkränze um den Hals gehängt, Inselbewohner führen einen traditionellen Tanz auf. Dann fahren die Gäste in einem offenen Wagen, der zu einem Kanu umgebaut wurde, durch die Straßen der Salomonen-Hauptstadt Honiara. An den Seiten stehen rund 70 000 Menschen und winken ihnen begeistert zu. "Dieses Land ist der schönste Ort, den man sich vorstellen kann, und die Menschen der Salomonen gehören zu den gütigsten und freundlichsten, die wir je getroffen haben", sagt Prinz William überschwänglich. Seine Ehefrau Catherine lächelt, wirkt unbeschwert, heiter. Was man ihr nicht ansieht: Während sie und William im Auftrag der Queen durch den Südpazifik reisen, tobt zu Hause in Europa ein Medienkrieg um das Paar. Just als sie eine muslimische Moschee in Malaysia besuchten, veröffentlichte die französische Ausgabe des Magazins "Closer" Oben-ohne- Fotos der Herzogin, aufgenommen während eines privaten Südfrankreichurlaubs Anfang September. Die italienische "Chi" legte wenige Tage später sogar mit einer Sonderausgabe mit 50 zum Teil noch intimeren Fotos nach.

Gewagtes Vorhaben oder nur Gerücht?

Ihr zweites Kind soll in den USA zur Welt kommen

Herzogin Meghan, Prinz Harry, Baby Archie
Herzogin Meghan und Prinz Harry genießen ihr junges Familienglück mit Archie Harrison Mountbatten-Windsor. Gerüchten zufolge soll das royale Paar erneut Nachwuchs planen.
©Gala

Für Catherine unglaublich beschämend - eine "groteske und absolut ungerechtfertigte" Verletzung der Intimsphäre, wie der Hof erklärte. Schließlich hielt sich das Paar auf einem Privatanwesen auf, der Fotograf schoss die Bilder mit einem Teleobjektiv aus 800 Meter Entfernung. Wie "Gala" erfuhr, debattierten die Mitarbeiter von Buckingham Palace und Clarence House am vergangenen Wochenende mehrere Stunden lang über eine Reaktion. "Die Stimmung war gereizt und aufgeregt", so ein Palast-Insider zu "Gala". Verständlich, war es doch erst drei Wochen her, dass Nacktfotos von Prinz Harry aus Las Vegas für einen ähnlichen Skandal gesorgt hatten. In Absprache mit der Königsfamilie entschied der Hof, diesmal Strafanzeige gegen den Fotografen und die Blätter zu stellen, die die Bilder drucken. Prinz William soll sogar geschworen haben: "Ich werde persönlich vor Gericht erscheinen, um diese Leute hinter Schloss und Riegel zu bringen." Sein Ärger hat gute Gründe: "Der Vorfall erinnert an die schlimmsten Auswüchse der Presse und der Paparazzi während der Lebzeiten von Prinzessin Diana, und das trifft den Herzog und die Herzogin besonders stark", heißt es in einer Stellungnahme des Hofs. Als Kind hatte Prinz William enorm darunter gelitten, wie seine Mutter auf Schritt und Tritt von Fotografen verfolgt wurde. Bis heute soll er den Paparazzi Mitschuld an ihrem Unfalltod vor fünfzehn Jahren in Paris geben. Besonders unschön: Ausgerechnet die "Chi" (Eigentümer ist Silvio Berlusconi) druckte neun Jahre später erstmals Fotos der sterbenden Prinzessin.

William + Kate

Staatsbesuch in Asien

Strahlend verabschiedet sich Herzogin Catherine von den Bewohnern der Salomonen.
Das royale Pärchen besucht ein kulturelles Dorf in Honiara. Trotz leichtem Regen sind zahlreiche Schaulustige gekommen, um einen
Catherine und William schauen sich die Begrüßungszeremonie ganz genau an.
Das Paar nimmt sich Zeit für die Fragen der Kinder.

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William hat immer betont, dass er alles dafür tun würde, um Catherine vor dem Schicksal seiner Mutter zu schützen. Aber auch die junge Herzogin zeigt jetzt, dass sie sich nicht einschüchtern lässt und um ihr Recht auf Privatsphäre kämpfen will. Wenn es eine wahrhaft königliche Fähigkeit gibt, die die bürgerlich Geborene in ihrem ersten Jahr als Royal perfektioniert hat, dann ist es die, stets ruhig zu bleiben. Natürlich war ihr klar, dass sie an der Seite von Prinz William ein Leben unter den Augen der Öffentlichkeit führen würde. Trotzdem pochte sie von Anfang an darauf, sich einen Rest Normalität zu erhalten. Dazu gehört, dass sie sich im privaten Umfeld ohne Bikini-Oberteil in die Sonne legen darf, dass sie zu Hause auf Anglesey in Wales selber im Supermarkt einkaufen geht und kocht und auch, dass sie ihre Garderobe eigenständig zusammenstellt. Selbst für die Südpazifik-Reise engagierte Catherine keine Ankleidefrau, sondern wählte alle Outfits selbst aus. Lediglich eine Stylistin reiste mit, die ihr ab und zu die Haare richtete. Diese Bodenständigkeit liebt Prinz William an seiner Frau - sie macht Catherine auf der ganzen Welt so populär.

Der Wunsch nach einem halbwegs normalen Leben treibt auch Prinz Williams Bruder Harry an. So hat er sich entschieden, Berufssoldat zu werden, weil er in der Armee nicht nach seiner Herkunft, sondern nach seiner Leistung beurteilt wird. Deshalb drängte er stets darauf, an die Front gehen zu dürfen, wie alle anderen Kameraden. Ein gefährlicher Wunsch. Erst am vergangenen Wochenende wurde seine Militärstation Camp Bastion in Afghanistan, wo er noch bis Januar stationiert ist, von den Taliban angegriffen. Der Prinz konnte in Sicherheit gebracht werden, doch zwei US-Soldaten starben. Vor diesem Hintergrund wirken seine Eskapaden vor einem Monat in Las Vegas, wo er mit unbekannten Bikini-Schönheiten Strip-Billard spielte, harmlos. Prinz Harry ist heute populärer denn je. Und auch Herzogin Catherine dürfte die peinliche Affäre um die Nacktfotos überstehen. Dass sie sich nicht unterkriegen lässt, sondern selbstbewusst lächelnd in die Offensive geht, macht sie nur noch sympathischer. Stefanie Richter Mitarbeit: Arndt Striegler

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